Mobilfunk-Discounter

Die Rückkehr von Prepaid?

2005 hatten simyo und andere Discounter die etablierten Mobilfunk-Provider das Fürchten gelehrt. Brauchen wir angesichts des Preisdrucks bei Drilisch-Vertragstarifen eine zweite Prepaid-Revolution?
Von Björn König
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Brauchen wir eine zweite Prepaid-Revolution?Brauchen wir eine zweite Prepaid-Revolution? Prepaid-Karten hatten unter Mobilfunkkunden, Netzbetreibern und Händlern nicht immer den besten Ruf. In der Anfangsphase der D-Netze waren vorausbezahlte Tarife astronomisch teuer, boten wenig Serviceleistungen und richteten sich insbesondere an Kunden, denen mangels Bonität der Zugang zu einem Postpaid-Vertrag verwehrt blieb. Das änderte sich drastisch, als im Mai 2005 mit simyo – damals noch im Netz von E-Plus – einer der ersten Mobilfunkdiscounter in Deutschland an den Start ging.

Plötzlich schossen günstige Prepaid-Tarife wie Pilze aus dem Boden, die Netzbetreiber gründeten mit Fonic, congstar und Co. eigene Discount-Marken. Selbst bei Aldi und Lidl gehören Prepaid-Tarife mittlerweile neben Obst, Gemüse und Tiefkühlpizza wie selbstverständlich zur Auslage. Die Entwicklung hatte für die Netzbetreiber aber auch ihre Schattenseiten. Viele Kunden waren offensichtlich nicht mehr bereit, langfristige Postpaid-Verträge mit hohen Grundgebühren und Minutenpreisen zu zahlen, wenn es auf der anderen Seite dank Prepaid auch ohne Laufzeit und mit deutlich niedrigeren Gebühren geht.

Drillisch brachte die Wende

Eigentlich war diese Entwicklung schon nicht mehr aufzuhalten, weshalb der eine oder andere Marktbeobachter bereits das Totenglöckchen für Postpaid-Tarife läutete. Dass diese letztendlich wieder interessant wurden, lag jedoch nicht unbedingt an einem Umdenken der Netzbetreiber, die verlorene Kunden mit attraktiven Tarifmodellen wieder an sich binden wollten. Vielmehr war es mit Drillisch ein Serviceprovider, welcher in den vergangenen Jahren über unzählige Untermarken ein regelrechtes Feuerwerk an zumeist identischen, aber dennoch interessanten Postpaid-Tarifen zündete.

Die Maintaler setzten ihre Konkurrenz aus Bonn, Düsseldorf und München mit günstigen Allnet-Flats massiv unter Druck. Dennoch, die Reaktion der Netzbetreiber blieb zunächst aus. Klassische 9-Cent-Tarife mit nicht ganz so attraktiven Tarifoptionen blieben nach wie vor das Kerngeschäft vieler Prepaid-Discounter und setzten sich zum Schluss ebenso bei den Netzbetreibern selbst durch.

So ging es nicht weiter

Die Konsequenz war abzusehen. Bei Drillisch gingen die Kundenzahlen wie auch der Aktienkurs durch die Decke. An der Börse waren die Maintaler mittlerweile Gold wert und das Ende der Geschichte ist hinreichend bekannt: United Internet griff bei Drillisch zu und wuchs damit zur bedrohlichen Konkurrenz für das Netzbetreiber-Oligopol aus Telekom, Vodafone und O2 heran, die sich den deutschen Markt bereits zu mehr oder weniger gleichen Teilen gesichert hatten.

Plötzlich spürten Kunden in den vergangenen Monaten wieder eine frische Wettbewerbsbrise auf dem Mobilfunkmarkt. Quasi alle Netzbetreiber schmissen reihenweise Allnet-Flats unter zehn Euro auf dem Markt. Erstaunlich dabei: Nicht nur bei den „Billigheimern“ der Zweitmarken, sondern zumindest bei o2 sogar unter der Hauptmarke. Eine solche Entwicklung wäre vermutlich noch im vergangenen Jahr unvorstellbar gewesen. Auch wenn bei den Tarifen nicht alles Gold ist, was glänzt (z.B. fehlendes LTE bei Lidl Connect, Penny Mobil) sind die Tarife eine Ansage, insbesondere wenn man den schwachen Wettbewerb auf dem deutschen Mobilfunkmarkt betrachtet.

Noch spielen Telekom und Vodafone das Spiel von o2 im Prepaid-Bereich nicht mit. Allnet Flats unter zehn Euro will man dort unter der Hauptmarke nicht verkaufen. Die Angst, dem eigenen Ruf als Premiumanbieter Schaden zuzufügen und sich selbst zu kannibalisieren, ist womöglich in der Bonner und Düsseldorfer Konzernzentrale zu hoch.

Prepaid ist zurück

Eines ist sicher: Die Karten beim Thema Prepaid wurden neu gemischt. Günstige Allnet-Flats unter zehn Euro ohne Laufzeit gibt es nicht mehr nur bei Drillisch, sondern auch bei Aldi und Lidl. Zumindest bei o2 sogar unter der Hauptmarke selbst. Verlockend ist, dass man die Flatrate bei Prepaid-Modellen jederzeit abbestellen kann und dann zum Beispiel beim nächsten US-Urlaub wieder auf einen klassischen Minutentarif wechselt, wenn man die Flatrate dort ohnehin nicht nutzen kann.

Richtig spannend wird nun die Frage sein, wer künftig beim mobilen Internet die nächste Preis-Schallmauer durchbricht. o2 hatte mit Free Unlimited bei Postpaid-Tarifen bereits eine neue Tiefpreismarke gesetzt, selbst wenn vermutlich trotzdem nur wenige Kunden bereit sein werden, für diese Leistung knapp 60 Euro auf die Ladentheke zu legen. Vielleicht erleben wir ja früher oder später wie 2005 mit simyo eine zweite Prepaid-Revolution auf dem Mobilfunkmarkt, diesmal jedoch nicht bei Minutenpreisen, sondern mit Blick auf ungedrosselte Datenflats.

Die Deutsche Telekom bietet jetzt auch selbst wieder einen grundgebührenfreien Prepaid-Tarif an.

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