Globalisierung 2.0

Webciety: Die Zukunft der sozialen Netzwerke

Datenschutz, Datensicherheit, unlauterer Wettbewerb und Schattennetzwerke
Von Marie-Anne Winter
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Auffällig auf der aktuellen CeBIT ist, dass die Hardware, also Computer, Laptops, deren Bauteile, aber auch die Bestandteile für die Infrastruktur, die Computer und deren Nutzer miteinander verbindet, zunehmend in den Hintergrund treten. Dafür wird Anwendungen aller Art mehr Raum gegeben. So gibt es mit der Webciety eine interessante Plattform, auf der alle möglichen Aspekte der schönen neuen Webwelt diskutiert werden können. Denn, wie einer der anwesenden Internet-Experten gestern so schön zusammenfasste: "Das Internet ist da, und langsam haben auch die Letzten begriffen, dass es nicht einfach wieder weg geht!"

Doch was bringt die Zukunft? Hier waren die Töne auf dem Web-2.0-Meeting in Hannover erstaunlich verhalten - nach der Web-2.0-Euphorie der vergangenen Jahre war schon fast so etwas wie Katerstimmung zu spüren, als gestern Mittag der Gesprächskreis über "Die Zukunft der sozialen Netzwerke" auf der Webciety-Bühne zusammen gekommen war. Anwesend waren der Geschäftsführer der VZ-Netzwerke Clemens Riedl, Joel Berger von MySpace Deutschland und Jackson Bond vom Business-Portal Xing. Moderiert wurde die Runde von Claus Fesel vom DATEV e. G. und Olaf Kohlbrück von Horizont. Webciety Blogger Lounge in Halle 6Webciety Blogger Lounge

VZ-Netzwerker Riedl nutzte seinen ersten öffentlichen Auftritt als Geschäftsführer, um seinem Unmut über den übermächtigen Konkurrenten Facebook Luft zu machen. Facebook verdanke seinen Erfolg unfairen Methoden, die mit dem deutschen Datenschutz nicht vereinbar seien, behauptete Riedl. Das Netzwerk ziehe mit unlauteren Spamming neue Nutzer auf die Plattform. Nichtmitglieder erhielten Einladungen von angeblichen Facebook-Nutzern. "Angeblich soll sogar meine Mutter auf Facebook sein. Das ist sie aber nicht." Facebook sei dabei, auf fragwürdige Art und Weise ein Schattennetzwerk aufzubauen. Nach Riedls Ansicht nutzt Facebook unfaire Wettbewerbsvorteile, weil sich diese Plattform sich nicht an die deutschen Regeln von Datensicherheit und Datenschutz halten würde. Gleichzeitig wären genau die Politiker, die von den deutschen Netzwerken mehr Datenschutz forderten, selbst auf Facebook aktiv. So viel Facebook-Kritik war den anderen Teilnehmern dann doch zu viel. Allerdings zeigte sich Riedl unbeeindruckt: "Wenn das Bashing sein sollte, dann stehen wir dazu!" Wobei hier durchaus angemerkt werden kann, dass die VZ-Netzwerke ja auch nicht immer so dermaßen sensibel mit den Daten ihrer Nutzer umgegangen sind.

Die Globalisierung im Web 2.0

CeBIT Webciety LogoCeBIT Webciety Logo Das aktuelle Problem Sozialer Netzwerke liegt auf der Hand: Weil Zeit und Aufmerksamkeit nicht unendlich vorhanden sind, bedeutet im Wettbewerb der Plattformen Erfolg der einen Misserfolg der anderen - die Nutzer gehen dort hin, wo sie die meisten Kontakte finden oder vermuten. Aber sie bauen nicht noch ein weiteres Netzwerk auf, wenn sie die Plattform wechseln - wenn erst einmal ein funktionierendes Netzwerk vorhanden ist, wollen die Nutzer nicht auf einer anderen Plattform wieder von vorn beginnen. Hier werden sich die Plattformbetreiber überwinden und zusammenarbeiten müssen, wenn sie nicht ganz untergehen wollen. Die meisten Nutzer möchten mit einem Netzwerk möglichst alle Kontakte erreichen, statt mehrere Netzwerke pflegen zu müssen. Ausnahmen sind hier nur Special-Interest-Plattformen wie Xing. Diese Business-Plattform hat einen großen Anteil an bezahlenden Mitgliedern, die diesem Netzwerk trotz Facebook und Co treu bleiben, weil Xing offenbar genau die Wünsche und Bedürfnisse dieser Zielgruppe bedienen kann.

Wie zur Bestätigung outete sich ein großer Teil der anwesenden Zuhörer als Xing-Mitglied. Nach der mobilen Nutzung von Social Media gefragt, wurden die Meldungen allerdings auffällig weniger - obwohl zumindest theoretisch genau die anvisierte Zielgruppe in diesem Teil der Halle 6 anwesend gewesen sein dürfte. Hier hakte Riedl wieder ein: Mobile Nutzung sei ja toll, wenn die Firma das bezahlt, aber für die Kids auf dem Schulhof seien die Mobilfunktarife noch viel zu teuer. Der VZ-Chef deutete an, dass man sich gerade in Gesprächen mit den Mobilfunk-Anbietern befinde, um hier zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Es gehe darum, die Tarife zu demokratisieren. Auch stellte Riedl eine neue Funktion "Deutschland in Echtzeit" in Aussicht - was darunter genau zu verstehen sein wird, bleibt anzuwarten.

Leider war aber auch den anderen Anwesenden nicht viel mehr zur Zukunft der sozialen Netzwerke zu entlocken - bei der konkreten Frage der Moderatoren war es erstaunlich still in der Runde.

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