Versteigerung

Online-Auktionen von Zoll und Justiz bringen Millionen

Beschlagnahmte & gepfändete Gegenstände werden online versteigert
Von dpa / Thorsten Neuhetzki
AAA
Teilen

Der Zoll versteigert seine beschlagnahmten Waren im InternetDer Zoll versteigert seine beschlagnahmten Waren im Internet Auch die deutschen Behörden haben ein eigenes Internet-Auktionsportal - ähnlich dem Vorbild des Branchenriesen eBay. Und Jahr für Jahr fließen dadurch Millionen-Einnahmen in die Staatskasse. Versteigert werden auf www.zoll-auktion.de unter anderem vom Zoll beschlagnahmte Waren. Im vergangenen Jahr wurden dabei 63 Millionen Euro umgesetzt. Ein Rekord, wie das verantwortliche Hauptzollamt Gießen mitteilte. "Das ist eine große Erfolgsgeschichte", sagte Sprecher Michael Bender.

Die erzielten Einnahmen steigen stetig: 2009 waren es 48 Millionen Euro und 2010 57 Millionen Euro. Die Zoll-Auktionen existieren mittlerweile seit zehn Jahren - und waren bereits Vorbild für Nachahmer. Über www.justiz-auktion.de versteigern die deutschen Landesjustizbehörden Gegenstände, die zum Beispiel die Gerichtsvollzieher der Amtsgerichte gepfändet haben.

Das Auktionsangebot ist groß: Bekleidung, Bücher, Elektronik, Teppiche, Spielwaren oder Wertsachen wie Schmuck, Uhren und Antikes. Aber auch besondere Liebhaberstücke: Vor zwei Jahren wurde ein Oldtimer versteigert, ein Lagonda V12 Cabriolet aus dem Jahr 1938. Startgebot: 80 000 Euro. Der Zuschlag wurde nach einer irren Bieterschlacht bei 252 100 Euro erteilt. Der Wagen gehörte einem Kokain-Dealer, der im Knast sitzt.

Highlights: Küstenstreifenboot, Dampflokomotive und Mercedes-Benz 600

Ein Küstenstreifenboot der Wasserschutzpolizei Schleswig-Holstein brachte bislang auf einen Schlag am meisten Geld in die Kasse. Nach einem Startgebot von 90 000 Euro wechselte das 28,5 Meter lange Aluminium-Schiff aus dem Jahr 1988 für 420 000 Euro den Besitzer.

Ein anderes Highlight war die Versteigerung eines Mercedes-Benz 600 aus den 1960er Jahren, der einst zum Fuhrpark des sowjetischen Staatsmanns Leonid Breschnew (1906-1982) gehörte. Einem Liebhaber war der Erwerb 103 600 Euro wert. Ungewöhnlich war auch die Versteigerung einer Borsig-Dampfspeicherlokomotive aus dem Jahr 1909.

Bei der bundesweit ersten und größten Online-Plattform diesen Typs werden gepfändete, beschlagnahmte oder von Behörden ausrangierte Artikel angeboten. Die Erlöse fließen in die Staatskasse oder gehen an den jeweiligen Gläubiger. Im Jahr 2011 wurden mehr als 42 000 Auktionen von mehr als 2 200 Artikel-Anbietern eingestellt.

Mittlerweile lassen 2 250 Anbieter über die von Bad Hersfeld aus betreute Internetseite des Hauptzollamtes versteigern - von der kleinen Gemeindekasse bis hin zu großen Bundesministerien. Früher wurden die Gegenstände bei öffentlichen Vor-Ort-Versteigerungen zu Geld gemacht, mittlerweile ist der Zoll im World Wide Web tätig. Das wurde per Gesetz festgelegt.

Internetauktion erzielt mehr Geld als eine Vor-Ort-Versteigerung

Die Liste der Vorteile für die Online-Versteigerung ist lang: "Über den enormen Wettbewerb um den Zuschlag werden erheblich höhere Gebote als bei einer Vor-Ort-Versteigerung erzielt", sagt der Leiter des verantwortlichen Hauptzollamtes Gießen, Albrecht Vieth.

Der Renner unter den Auktionsartikeln sind Dienstfahrzeuge von Behörden, die ausrangiert werden - von der Chef-Klasse bis zum Kleinwagen. "Wir legen besonderen Wert auf gute Beschreibung der Sachen und fügen in der Regel bei Fahrzeugen oder hochpreisigen Sachen ein Wertgutachten bei", erklärt Vieth. Dadurch wisse der Käufer genau, auf was er bietet. "Bei uns kauft niemand die Katze im Sacke", versichert der Hauptzollamtsleiter.

Ausgenommen von Versteigerungen sind Dinge, die gegen Verbote oder die guten Sitten verstoßen. "Dazu zählt alles, was dem Ansehen des Staats schadet", sagt Vieth und meint Waffen, Zigaretten oder geschützte Tierarten. Alkohol hingegen sei erlaubt. So fand eine Flasche Rotwein auch schon für 600 Euro einen neuen Besitzer.

Mehr zum Thema Online-Auktion

Teilen