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ZDF: Internet-Streaming wird immer teurer

Die steigende Anzahl von Internet-Nutzern, welche ARD oder ZDF streamen wollen, verursachen Kosten. Eine Lösung könnten gemeinsame Mediatheken sein.
Aus Berlin vom Breko-Jahreskongress berichtet
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Das ZDF ist eine öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt. Immer mehr Zuschauer nutzen Streaming im Internet.Das ZDF ist eine öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt. Immer mehr Zuschauer nutzen Streaming im Internet. Fast alle Haushalte zahlen monatlich ihren Rundfunkbeitrag (oder sollten es tun). Davon finanzieren die öffentlichen rechtlichen Radio- und TV-Anstalten ihre Programme und deren Verbreitung.

Internetempfang wird teuer

Die zunehmende Popularität des "Empfangs" über das Internet hat aber ihre Schattenseiten. Das erfuhren die Teilnehmer des BREKO-Jahreskongresses von Dr. Andreas Bereczky, dem scheidenden technischen Produktionsdirektor beim ZDF. Viele Zuschauer haben sich Smart-TVs gekauft. "So langsam schließen sie diese Geräte auch direkt ans Internet an." Vermutlich war es den Kunden bisher zu kompliziert gewesen, doch das ändert sich dramatisch. Und das ist ein Problem, denn jeder Streaming-Kunde kostet den Anbieter extra Geld.

Steigende Datenmengen

„Nur im August 2018 haben wir 64.000 Terabyte Daten ausgespielt“, legte Bereczky interessante Zahlen vor. „2017 waren es im gesamten Jahr noch 570.000 Terabyte“. Dieser Wert verdoppelt sich jedes Jahr. „Wir haben eine Prognose, dass wir 2021 zwischen 1,5 und 3 Millionen Terabyte übertragen werden“.

Glücksfall Fußball-WM ohne Deutschland

Die verunglückte Fußballweltmeisterschaft war für das ZDF ein Segen. Alleine die Begegnung Deutschland - Südkorea sahen 1,8 Mio Internet Zuschauer über das Internet, mit einer Gesamtdatenrate von 5.200 GBit/s. Der frühzeitige Ausstieg aus der Fußball-WM habe dem ZDF gewaltige Kosten erspart.

Der Grund ist einfach: Die Zuschauer von ARD und ZDF haben ihren Rundfunkbeitrag (im Volksmund "GEZ") schon bezahlt, aber jeder neue Internet-Streaming-Zuschauer erzeugt neue Kosten. Die Sender zahlen die Kosten für die terrestrischen Sender und für die Satelliten und den Weg dorthin. Dort spielen die Nutzerzahlen keine Rolle, d.h. es ist egal, ob 100 oder 1000 Menschen mit einem Radio oder Fernseher ihr Programm vom Sendeturm oder über Satelliten empfangen.

Internetdatenmengen kosten Geld

Im Internet ist das anders. Pro Nutzer, der über das Internet streamt, muss der Veranstalter an den Internet-Dienstleister extra bezahlen. Bisher gingen die Preise pro Terabyte und für die Technik stetig zurück, somit konnte das aufgefangen werden. Doch langsam beginnt sich die Situation umzukehren. Kommen neue Nutzer zu Amazon oder Netflix, steigen dort die Einnahmen, womit die Streamingkosten abgedeckt werden können.

Beim ZDF (und der ARD) sind "neue" Streaming-Nutzer meist schon alte "Kunden", d.h. sie zahlen nicht mehr als vorher, erzeugen aber mehr Kosten.

Änderung des EU-Rechts geplant

Bereczky wies darauf hin, das Anbieter wie Netflix oder Amazon(Prime) keine medienrechtliche Zulassung haben, sie müssen keine Europa-Quote, also einen gewissen Anteil an in Europa produzierten Filmen, erfüllen. Die EU plane deswegen Regulierung für private Anbieter.

Deutsches Pendant zu Netflix?

Für die Zuschauer ist es schwierig, sich im unendlichen Programmangebot zurechtzufinden. Eine deutsche Antwort auf Netflix, die "Germany's Gold" heißen sollte, wurde aus kartellrechtlichen Gründen abgelehnt. Dort wollten sich private und öffentlich-rechtliche Anbieter zusammen schließen und ihre Inhalte gemeinsam "vermarkten".

Jetzt versuche man neue Anläufe. Etwa MagentaTV der Telekom, wo das ZDF dabei ist, genauso wie bei 7 TV, eine Initiative der Pro7-SAT1-Gruppe. "Nicht jede Sendergruppe braucht eine eigene Mediathek." Mediatheken haben für Sender wie das ZDF einen entscheidenden Vorteil: Der Sender liefert sein Programm beim Mediatheken-Anbieter ab und dort wird es weiter verteilt, mehr Nutzer bedeuten dann nicht automatisch mehr Kosten.

Nicht jeder Trend funktioniert

Interessanterweise konnte sich dreidimensionales Fernsehen hierzulande nicht durchsetzen, das "nächste Ding" könnte vielleicht Virtual Reality (VR) sein. Beispielsweise strahlt das ZDF seine hochaufgelösten Inhalte im Format UHD (4K) nur über das Internet aus, jedoch nicht über den Satelliten, denn dafür wäre ein eigener teurer Transponder notwendig. Da UHD immer populärer werden dürfte, muss das Breitband-Internet weiter ausgebaut werden. Im Moment würden 50 bis 100 MBit/s Datenrate für viele Haushalte noch ausreichen. Wird 5G-Rundfunk DVB-T2- ablösen? Mit DVB-T2 erreicht man in Berlin 4 Millionen Zuschauer. Langfristig wäre Reduktion der DVB-T2-Versorgung in der Fläche denkbar, um die Kosten zu senken. An ein explizites Abschaltdatum von DVB-T2 glaubt Bereczky, von teltarif.de dazu befragt, aber nicht.

Details zum Kabeldeal

Zur aktuellen Diskussion um die Einspeisung von ARD und ZDF in die Netze der privaten Kabelgesellschaften konnte Bereczky nur Andeutungen machen, da die Vertragsdetails "streng geheim" seien, aber ein ZDF-Signal habe für einen Kabelbetreiber einen gewissen "Wert". Deutlicher ausgedrückt: "Wenn das ZDF im Kabelnetz fehlt, hat der Anbieter 50 Prozent weniger Kunden." Und mit diesem "Wert" könne man arbeiten.

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