Abschied

Das war Yahoo: Die Geschichte eines Internetpioniers

Yahoo war seit 1994 mit seinem Webkatalog und anderen Internet-Diensten einer der Pioniere des World Wide Web. Nun wird das Unternehmen aufgelöst - wir schauen zurück auf die wichtigsten Meilensteine des Dinosauriers.
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In einer langweiligen, aber weitreichenden Börsen-Pflichtmitteilung hat der Internet-Pionier Yahoo sein Ende bekannt gegeben. Die jetzige Chefin Marissa Mayer und weitere Manager werden den Internetpionier verlassen. Damit endet eine Geschichte, die im Jahr 1994 begann.

Bereits seit dem vergangenen Sommer hatte sich das Ende von Yahoo abgezeichnet, als das Unternehmen an den Tele­kommuni­kations­konzern Verizon verkauft wurde. Doch auch schon in den Jahren davor hatte Yahoo die führende Rolle im Internet längst abgegeben - dort herrschen nun Apple, Google, Amazon, Facebook & Co.

Der Wandel zu einem beliebten Webportal

Yahoo: Ein Internetpionier verabschiedet sichYahoo: Ein Internetpionier verabschiedet sich Die Geschichte von Yahoo begann 1994, also nur wenige Jahre nach der Erfindung des World Wide Web. Dieses war damals noch ein recht ungeordneter und unübersichtlicher Haufen von Informationen - intelligente Suchmaschinen, die selbständig durch das Internet krabbelten und alle Webseiten indizierten, gab es noch nicht.

Die beiden Yahoo-Gründer David Filo und Jerry Yang arbeiteten 1994 als Doktoranden an der Universität Stanford daran, einen sinnvollen Dienst zu entwickeln, mit dem man sich in den Weiten des World Wide Web orientieren konnte. Das Ergebnis war der hierarchisch nach Kategorien und Themenbereichen geordnete Webkatalog Yahoo, der ein Pionier für Suchhilfen im Internet wurde. Webkataloge hatten gleichzeitig einen entscheidenden Vor- und Nachteil: Der Vorteil bestand darin, dass echte Menschen den Webkatalog redaktionell pflegten und die aufgenommenen Seiten auf Relevanz und Seriosität prüften. Der Nachteil war allerdings, dass das Web irgendwann so schnell wuchs, dass Webkataloge stets nur einen Bruchteil des Netzes abbildeten. In einem separaten Artikel haben wir die Geschichte der Webkataloge erläutert und verraten, welche Kataloge es sogar heute noch gibt.

In der Boom-Phase Mitte der 1990er Jahre entwickelten sich viele Webdienste wie Yahoo dann zu einem umfangreichen Webportal mit mehreren Diensten weiter. E-Mail-Konto, Kalender, Diskussionsgruppen, Nachrichtenmeldungen und viele andere Dienste entwickelte Yahoo selbst, den Fotodienst Flickr kaufte Yahoo allerdings hinzu. Um 1998 galt Yahoo als eine der einflussreichsten Internetseiten, die von vielen Nutzern als Startseite genutzt wurde. Beliebt war auch der hinzugekaufte Dienst Geocities, mit dem Nutzer private Webseiten veröffentlichen konnten.

2005 begann Yahoo sogar damit, sich mit Internet-Telefonie zu beschäftigen und startete einen kostenpflichtigen VoIP-Dienst, der später in den Yahoo-Messenger integriert wurde.

Zukäufe, Abstieg und Datenschutz-Skandale

Ende 2014 schloss Yahoo den Webkatalog, die Suchfunktion auf der Seite gab schon länger die Ergebnisse der Suchmaschinen Altavista, Inktomi und Google aus. Doch auch die Partnerschaft mit Google endete nach einigen Jahren, heutzutage präsentiert Microsoft Bing die Suchergebnisse auf Yahoo. 2008 hatte Microsoft sogar einmal mit dem Gedanken gespielt, Yahoo zu übernehmen, aufgrund überzogener Forderungen der Aktionäre sein Angebot aber wieder zurückgezogen.

Irgendwie spürte Yahoo dann allerdings doch, dass die Zeit an dem ehemaligen Internetriesen vorbeirauschte. Darum übernahm Yahoo Anteile an dem chinesischen Online-Portal Alibaba.com, kooperierte mit Twitter und integrierte Inhalte von Facebook. 2013 kaufte Yahoo die Blogging-Plattform Tumblr.

Doch auch die Berufung von Marissa Mayer als neue Konzernchefin konnte den Abstieg von Yahoo nicht aufhalten. Insbesondere im Bereich des Datenschutzes und beim Umgang mit Nutzerdaten machte Yahoo nach 2010 in vielerlei Hinsicht Schlagzeilen. Der Freemail-Dienst begann damit, automatisiert die Mails der Nutzer für Werbung zu scannen - dies machen andere US-Dienste allerdings auch. 2013 gewährte Yahoo der NSA Zugriff auf Adressbücher der Nutzer, 2014 schafften es kriminelle Werbetreibende, auf dem Portal infizierte Werbung zu schalten.

2016 wurde schließlich bekannt, dass Hackern der Zugriff auf Millionen Yahoo-Konten gelungen war. Der Hack zählt bis heute zu einem der größten Hacker-Angriffe der Internet-Geschichte. Zu allem Unglück scannte Yahoo im Auftrag einer US-Behörde auch noch die E-Mail-Texte von Millionen Yahoo-Nutzern. Das Vertrauen in den Dienst war irreparabel beschädigt.

Die Reste von Yahoo werden nun vom jetzigen Eigentümer Verizon in Altaba umbenannt - damit endet ein abwechslungsreiches Kapitel der Internet-Geschichte mit zahlreichen Höhen und Tiefen.

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