Expansion

Xiaomi bringt seine Smartphones nach Europa

Nach dem steilen Aufstieg von Xiaomi in China wurde lange erwartet, dass der Anbieter günstiger und hochgerüsteter Smartphones auch nach Europa kommt. Das Unternehmen hat konkrete Pläne vorgelegt und erste Länder genannt.
Von mit Material von dpa
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Xiaomi goes EuropaNun ist es offiziell: Xiaomi expandiert nach Europa Der chinesische Smartphone-Senkrechtstarter Xiaomi wagt sich nach Europa. Zunächst sollen Smartphones sowie Fitness­arm­bänder, Laut­sprecher und externe Handy-Akkus vor allem in ost­europäischen Ländern verkauft werden. Deutschland und andere Länder in West­europa stünden zwar auch auf der Expansions­liste der Firma, sagte Xiaomi-Manager Liu Yi dem Handelsblatt. "Allerdings haben wir dafür bisher noch keinen Zeit­plan, weil unsere Ressourcen mit der Expansion in die anderen Märkte gebunden sind."

Xiaomi hatte die Expansion über den Heimat­markt und einige asiatische Länder hinaus vor einigen Jahren auf Eis gelegt. Neben ein­geschränkten finanziellen Ressourcen galt auch die Angst vor Patent­klagen als ein Grund. In dem Geschäft wird mit harten Bandagen gekämpft, und westliche Märkte sind ohne eine Ab­sicherung bei den Patenten nicht zu erschließen. Vergangene Woche gab Xiaomi aber den Kauf eines Patent-Pakets bei Nokia und einen lang­fristigen Deal mit dem finnischen Netz­werk­ausrüster bekannt. Es wird bereits gemunkelt, dass dies auch der eigentliche Auslöser ist, die Pläne zur Expansion nach Europa in die Tat umzusetzen.

Xiaomi rückte vor einigen Jahren in die Spitzen­gruppe der chinesischen Smartphone-Anbieter mit dem Geschäfts­modell vor, technisch hoch­gerüstete Geräte vergleichsweise günstig über das Internet zu verkaufen. Die Größe des chinesischen Marktes machte die Firma auch zu einem der welt­größten Smartphone-Anbieter. Inzwischen verkaufen aber andere Rivalen wie Oppo und Vivo mehr Smartphones in China als Xiaomi, und auch große Konzerne wie Huawei, ZTE und Lenovo wollen weltweit vorne mitspielen.

Näher am Kunden

Xiaomi versucht unter­dessen, das Geschäft als Dienste-Anbieter sowie mit einem Komplett-Angebot von Haushalts­geräten von der Fritteuse über Luft­reiniger bis zum Fernseher auszubauen. "Xiaomi will in den nächsten drei Jahren 2000 neue Geschäfte eröffnen, die Hälfte davon mit Partnern im Ausland", sagte Liu dem Handelsblatt. In Europa starte die Firma zunächst in Polen, Litauen, Lettland, Estland, der Ukraine, Weißrussland, Russland, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Griechenland.

Bemerkenswert ist der Schritt hin zu eigenen Laden­geschäften vor Ort allemal. Immerhin gelten Lager­kosten mit zu den größten Posten bei Aus­gaben von Laden­betreibern und Xiaomi hatte genau das bisher relativ gut umgangen mit ihrem Online-Shop. Dennoch besitzen lokale Geschäfte auch einen nicht zu vernach­lässigenden Vorteil: Kunden können die Geräte direkt an­sehen, aus­probieren und bei Gefallen direkt kaufen und mitnehmen. Zuletzt waren erste Xiaomi-Smartphones in Polen über Handelspartner erhältlich gewesen.

Auf diese Weise will das Unternehmen das Vertrauen in die Marke Xiaomi stärken und zeigen, das Qualität nicht viel kosten muss. Senior Vice President Xiang Wang sagte daher gegen­über dem US-Fernsehsender CNBC: "Sehen ist glauben. Man muss den Leuten die Möglich­keit geben, das Produkt erst aus­zu­probieren. Wir wollen beweisen, dass man für ein qualitativ sehr hoch­wertiges Smartphone nicht viel Geld ausgeben muss." Zuletzt bewies der Hersteller genau diese Prämisse mit dem Xiaomi Mi6. Aber auch von seiner innovativen Seite zeigte sich der Hersteller mit dem Xiaomi Mi Mix.

Nur wann Xiaomi auch offiziell in Deutschland startet, ist noch offen. Womöglich versucht das Unternehmen vorher noch weitere Patent­abkommen abzuschließen, um komplett auf der sicheren Seite zu sein.

Abgesehen vom nahezu randlosen Smartphone-Riesen Mi Mix versucht Xiaomi sich auch auf anderen Gebieten von seiner innovativen Seite zu zeigen, wie ein Patent für ein faltbares Smartphone zeigt.

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