Allzweck-Konsole

XBox, Playstation & Co.: So wird die Spielkonsole zum Mediaplayer

Trotz vieler Spiele will vermutlich nicht jeder Konsolen­besitzer jeden Abend zocken. Da passt es gut, dass sich die Geräte auch als Media­player nutzen lassen. Wir verraten, welche Spiel­konsolen dabei eine besonders gute Figur machen.
Von Rita Deutschbein mit Material von dpa
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Mit Preisen um 400 Euro sind aktuelle Konsolen wie die Playstation 4 oder die XBox One nicht gerade günstig. Zum Glück bekommt man für das Geld aber nicht nur eine Abspielstation für Shooter, Fußball­simulationen und Action-Adventures, sondern auch für Musik, Filme und Bilder. Ein Angebot, dass viele Konsolenbesitzer gerne annehmen: Nach einer Aris-Studie im Auftrag des IT-Verband Bitkom nutzt weniger als jeder Fünfte von ihnen (19 Prozent) seine Konsole ausschließlich für Spiele - drei Viertel dagegen auch für andere Sachen (75 Prozent).

Die Spielkonsole als MediaplayerPlaystation 4 (oben) gegen XBox One (unten) Richtig gut geht das allerdings nur mit den Geräten der XBox- und Playstation-Familie. Die Nintendo-Konsolen Wii und Wii U lassen sich, wenn überhaupt, nur mit Tricks zum Abspielen von Medien überreden. Und auch Apps fürs Streaming aus dem Netz gibt es daheim bei Super Mario und Co. kaum. Viele dieser Funktionen sollte der ursprünglich zum Verkaufsstart 2012 angekündigte Dienst TVii übernehmen, der nach aktuellen Angaben von Nintendo aber wohl nie nach Europa kommen wird.

Spielkonsolen mit Erweiterungs-Möglichkeiten

Auf XBox One und Playstation 4 ist die Auswahl dagegen groß - von Streaming-Apps für Dienste wie Netflix, Watchever oder Snap über Anwendungen für DVDs und Blu-rays bis zu Media-Software, die Dateien von angeschlossenen USB-Sticks und -Festplatten abspielt. Beim Start der Konsolen war das allerdings noch nicht so: "Die Funktionalität als Mediaplayer war bei XBox One und Playstation 4 zum Verkaufsstart sehr eingeschränkt", sagt Tobias Veltin von der Fachzeitschrift "Gamepro". "Die Hersteller haben durch regelmäßige Updates aber kräftig nachgebessert."

Die XBox One ist seit November 2013 in Deutschland verfügbar, Sonys Playstation 4 kam einen Monat später in die deutschen Läden. Mit den beiden Konsolen haben die Hersteller Microsoft und Sony die ersten großen Updates in diesem Segment seit Jahren herausgebracht. Zu den Neuheiten beider Modelle zählen unter anderem Sensoren zur Erkennung von Körperbewegungen sowie die Gesichts- und Spracherkennung. Hierzulande ist die Playstation 4 etwas beliebter als ihr Konkurrent. Die Marktforscher von Media Control GfK (Daten via Börse-Online) gaben im August vergangenen Jahres Zahlen heraus, nach denen Microsoft seit dem Verkaufsstart der XBox One etwa 170 000 Exemplare in Deutschland verkaufen konnte, Sony kommt den Angaben zufolge im gleichen Zeitraum hingegen auf 540 000 verkaufte Modelle der Playstation 4.

Spielkonsolen als Mediaplayer: Vorgänger-Konsole liegt vorn

Wer die Sony- und Microsoft-Geräte als Mediaplayer nutzen will, sollte sie selbst für Offline-Inhalte mit dem Internet verbinden, um immer auf dem neuesten Stand zu sein. Mindestens einmal ist das bei beiden Konsolen ohnehin Pflicht. Ansonsten funktioniert zum Beispiel die Blu-ray-Funktion gar nicht. Die XBox One verweigert ohne einmalige Online-Aktivierung sogar komplett den Dienst. Eine Verbesserung gegenüber der ursprünglichen Regel, die eine ständige Internet-Verbindung für die XBox One vorgesehen hat.

Selbst mit den Updates kann es aber passieren, dass die Konsolen bei manchen Medien streiken. So sei die XBox One im Vergleich zur PS4 zwar der etwas bessere Mediaplayer, habe aber ein Problem mit manchen Blu-ray-Formaten, erklärt Tobias Veltin. "Die PS4 kann dagegen keine MKV-Dateien abspielen, das Format muss zuerst in MP4 gewandelt werden", so der Experte. Außerdem streamt die PS4 noch keine Inhalte aus dem heimischen Netzwerk, etwa von einem Medienserver. Die XBox One unterstützt diese Funktion inzwischen.

Der Klassenprimus unter den Konsolen ist nach Angaben des Experten aber ohnehin kein aktuelles Gerät: "Die Playstation 3 ist aktuell noch der beste Mediaplayer, weil sie nahezu alle Formate 'frisst' und abspielt." Sogar ein Blu-ray-Laufwerk hat die Konsole an Bord, über inoffizielle Freeware wie PS3 Media Server streamt sie auch aus dem Heimnetz - und das zu Preisen unter 200 Euro. Allerdings ist sie im Vergleich zur sehr stillen XBox One relativ laut, warnt Veltin. Und lautes Brummen stört beim Heimkino mehr als beim Ballerspiel.

Die Spielkonsole als MediaplayerController wird zur Fernbedienung Andere Nachteile der Konsolen sind eher theoretischer Natur. "Angesichts der Leistung von Konsolen liegt der Verdacht nahe, dass der Stromverbrauch ein paar Watt höher liegt", sagt Roland Stehle, Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu). Allerdings müsse man den höheren Stromverbrauch auch mit dem Anschaffungspreis eines separaten Mediaplayers verrechnen, erklärt er. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das so oder so großartig bemerkbar macht."

Controller als Fernbedienung

Gesteuert werden die Mediaplayer-Funktionen genau wie Spiele über den Controller der Konsolen. Das ist vielleicht ungewöhnlich, aber nicht unbedingt schlecht, sagt Stehle. Schließlich hat beinahe jedes Heimkinogerät so seine Eigenheiten. "Wenn man das oft genug benutzt, gewöhnt man sich daran, da ist das kein Unterschied." Bei der XBox One lassen sich viele Funktionen außerdem über die Sprach- und Gestensteuerung Kinect aufrufen.

Eine Dauerlösung ist das aber nicht, findet Tobias Veltin: "Wenn jemand die Konsolen regelmäßig als Mediaplayer nutzen will, würde ich definitiv die Anschaffung einer richtigen Fernbedienung empfehlen." Für XBox One und Playstation 3 gibt es zu diesem Zweck offizielle Modelle von Microsoft und Sony, die jeweils etwa 20 Euro kosten. Playstation-4-Besitzer können sich mit Fernbedienungen von Drittherstellern behelfen. Alle Konsolen lassen sich außerdem auch über Universal-Remotes per Bluetooth steuern.

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