DVB-T

Mobilfunker greifen nach weiteren DVB-T-Rundfunkfrequenzen

Auf Weltfunkkonferenz könnten die Weichen gestellt werden

LTE Montage: teltarif.de Heute beginnt die die Weltfunkkonferenz (WRC) der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) in Genf. Glaubt man diversen Medienberichten und Brancheninformationen könnte die Mobilfunk-Lobby die Konferenz nutzen, um langfristig die Zuteilung weiterer Frequenzen im UHF-Band anzustreben.

Vor kurzem haben wir darüber berichtet, dass dem digital-terrestrischen TV (DVB-T) nach der Räumung des VHF-Bandes III (Kanäle 5 bis 12) und dem 800 MHz-Bereich des UHF-Bandes (Kanäle 61 bis 69) weniger Frequenzen zur Verfügung stehen. Das VHF-Band ist künftig alleine für den digitalen Hörfunk (DAB/DAB+) vorgesehen. Den 800 MHz-Bereich des UHF-Bandes trat das Fernsehen im Rahmen der Digitalen Dividende an den Mobilfunk ab.

LTE Montage: teltarif.de Die Europäische Kommission erarbeitet aktuell im Rahmen des Radio Spectrum Policy Programmes (RSPP) die Möglichkeiten zur effektiveren Nutzung des Frequenzspektrums. Hier wurde auch bereits darüber diskutiert weitere Frequenzen für die Nutzung durch andere Technologien, wie etwa dem Mobilfunk für LTE und dessen mögliche Nachfolgetechnik LTE-Advanced, freizugeben. Die Rede ist unter anderem von so genannten "White Spaces" im UHF-Band, denn das digitale Fernsehen häufig nutzt nicht alle ihm zugeordneten Kanäle. Allerdings variieren die ungenutzten Kanäle von Region zu Region, was die Umsetzung sowohl technisch als auch regulatorisch erschwert. Dabei legt das RSSP jedoch Wert darauf, dass die Entwicklung mobiler Breitbanddienste nicht zulasten des Fernsehens geht.

WRC 2012: Mehr Frequenzen für Mobilfunk?

Die weitere Identifizierung von Spektrum für drahtlose Breitbanddienste steht auf der WRC in Genf zwar nicht auf der Tagesordnung. Jedoch wird die Konferenz die Tagesordnung für die darauf folgende WRC 2016 bestimmen. "Dazu gehört auch, dass Interessenvertreter prüfen, inwieweit weiteres Spektrum für drahtlose Breitbanddienste erforderlich sein könnte, besonders um das Ziel der Digitalen Agenda der Europäischen Union zu erreichen, allen EU-Bürgern vor 2020 eine Internetverbindung von 30 Megabit pro Sekunde zu ermöglichen", wie Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, bereits vor längerer Zeit in einem Interview mit dem Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk erörterte. Wie das Branchenmagazin Digital Insider ergänzend berichtet, wollen die Mobilfunkunternehmen auf der Konferenz sogar über eine Nutzung der Frequenzen zwischen 470 und 790 MHz, also dem gesamten UHF-Frequenzbereich, für mobile Datendienste diskutieren. Aus Sicht von Deutscher Telekom, Vodafone und Co. würde die Bedeutung von DVB-T abnehmen, wodurch der Frequenzbereich unter 790 MHz für den Mobilfunk geöffnet werden könnte, so das Blatt.

Volkswirtschaftlich ein größeres Interesse am Mobilfunk

In der Tat scheint der Ausbau der Mobilfunkversorgung volkswirtschaftlich von größerem Interesse zu sein als eine Weiterentwicklung von DVB-T. Schon auf der letzten IFA äußerten Experten ihre Zweifel, ob es überhaupt noch zu einer Einführung des effektiveren Nachfolgestandards DVB-T2 kommt. Frequenzen für einen längeren Parallelbetrieb gibt es in jedem Fall keine mehr, nachdem das VHF- und Teile des UHF-Bandes nicht mehr für das Fernsehen zur Verfügung stehen.

Ganz anders die Perspektiven beim Mobilfunk: Bis 2015 soll etwa in einem Großteil der Neuwagen ein mobiler Internetanschluss integriert sein. Zudem können Mobilfunk und klassischer Rundfunk durch LTE weiter zusammenwachsen. Darauf verweist auch die Enquetekommission Internet und digitale Gesellschaft, wie aus einem Gesprächsprotokoll mit der Bundesnetzagentur hervor geht. Demnach ist LTE broadcastingfähig. Das heißt, ein Teil der LTE-Netze kann für Point-to-Multipoint-Übertragungen eingesetzt werden, etwa auch für die Übertragung von digitalem Fernsehen und Hörfunk. Im Vergleich zum 2,6 GHz-Bereich ergibt sich im UHF-Band eine Kostenreduzierung: Aufgrund der niedrigeren Frequenzen ist ein weit weniger engmaschiges Netz mit weniger Basisstationen notwendig.

Die Mobilfunker fürchten zudem beim aktuellen Traffic spätestens 2015 an Grenzen zu stoßen, wie Karl-Heinz Laudan, bei der Deutschen Telekom für Spektrumspolitik zuständig, bereits auf einer Podiumsdiskussion auf der letzten IFA in Berlin anmahnte. Es müsse daher über die Umwidmung weiterer Bestandteile der Digitalen Dividende aus dem Rundfunkbereich oder über Hybridsysteme auf technischer Ebene nachgedacht werden, meinte er.

Öffentlich-rechtliche Sender wehren sich

Gegen den drohenden Frequenzverlust wehren sich vor allem die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender, die den Aufbau der DVB-T-Netze vorangetrieben haben. Die Sender kritisieren laut Digital Insider zudem, dass bis heute keine Lösungen für die durch LTE ausgelösten Störungen vorliegen. Daher verbiete sich eine weitere Ausweitung von LTE, die ohnehin auf europäischer Ebene koordiniert werden müsse. Deutschland hat durch den Vorsitzenden der Rundfunkkommission der Länder, Kurt Beck, zudem bereits im Jahr 2010 angekündigt, keine weiteren Rundfunkfrequenzen für den Breitbandausbau abgeben zu wollen. Aufgrund der Dynamik bei der Entwicklung des mobilen Internets ist jedoch fraglich, wie lange Deutschland diese Position aufrecht erhalten kann.

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