Soziale Netzwerke

Für Android und iOS: Was sind Wrapper-Apps?

Kaum ein Smart­phone kommt ohne Face­book, Insta­gram und Co. aus. Doch die Apps der Netz­werke sind oft daten-, strom und spei­cher­hungrig. Gibt es Alter­na­tiven?

Wrapper-Apps bauen die Browserversion eines sozialen Netzwerks für das Smartphone um Wrapper-Apps bauen die Browserversion eines
sozialen Netzwerks für das Smartphone um
Bild: dpa
Egal ob Face­book, Twitter, Insta­gram oder YouTube: Zur mobilen Nutzung dieser und vieler anderer Netz­werke gibt es nicht nur die Original-Apps der Anbieter, sondern auch Wrapper-Apps - und das für Android und iOS.

"Wrapper-Apps sind im Prinzip nichts anderes als Apps, die die Brow­ser­ver­sion eines sozialen Netz­werks für das Smart­phone umbauen und darstellen", erklärt Inga Pöting vom Verbrau­cher­schutz­portal "Mobilsicher.de".

Im Gegen­satz zu anderen Webseiten opti­mieren soziale Netz­werke ihre Brow­ser­ver­sionen meist nicht für die Smart­phone-Nutzung, so die Expertin. Kein Wunder: Schließ­lich bieten sie ja eigene Apps für die mobile Nutzung auf Smart­phones und Tablets an.

Gutes aus zwei Welten

Wrapper-Apps bauen die Browserversion eines sozialen Netzwerks für das Smartphone um Wrapper-Apps bauen die Browserversion eines
sozialen Netzwerks für das Smartphone um
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Aller­dings tracken die Netz­werke ihre Nutzer in den Apps deut­lich stärker als über das Brow­ser­an­gebot. "Eine Wrapper-App verbindet nun im Grunde die Vorteile der Brow­ser­nut­zung mit den Vorteilen der App-Nutzung", sagt Pöting. Vorteil­haft an den Apps sei oft ihre Funk­ti­ons­viel­falt - das sei aber nicht zwangs­läufig so. Anders als auf der Face­book-Webseite könne man etwa in der App nicht chatten, sondern müsste die Face­book-Messenger-App zusätz­lich instal­lieren - gäbe es keine Wrapper-Apps, die die Funk­tionen verbinden.

"Es gibt unter­schied­liche Moti­va­tionen, Wrapper-Apps zu nutzen", sagt Noah Schlegel, der am Karls­ruhe Insti­tute of Tech­no­logy (KIT) in der Forschungs­gruppe "Secu­rity, Usabi­lity, Society" (SECUSO) an privat­sphä­re­freund­li­chen Apps arbeitet. "Wrapper-Apps können zum Beispiel Zusatz­funk­tionen liefern, das Daten­vo­lumen und den Spei­cher­platz schonen, bessere Perfor­mance oder besseren Daten­schutz bieten."

"Die Apps sind also für Nutzer­gruppen geeignet, die auf einen der genannten Aspekte beson­ders viel Wert legen", fasst KIT-Forscher Peter Mayer zusammen, der eben­falls in der SECUSO-Gruppe arbeitet.

Daten­schutz ist wichtig

Auch Inga Pöting betont, dass der Schwer­punkt bei vielen dieser Apps - aller­dings nicht allen - auf einem besseren Daten­schutz liege. "Die meisten Wrapper-Apps exis­tieren, weil die Entwickler, die diese Apps erstellt haben, etwas anbieten wollen, was eine bessere Daten­schutz­praxis hat als die Original-Apps", sagt sie.

Das gelte vor allem für Apps, die man nur in alter­na­tiven App-Stores wie F-Droid finde. F-Droid sei der beste alter­na­tive und daten­schutz­freund­liche App-Store für Android. Hier gebe es trans­pa­rente, werbe­freie Apps, die quell­of­fenen Code verwenden und auf unnö­tige Zugangs­be­rech­ti­gungen und Daten­sam­meln verzichten. Was man dort findet, so Pöting, sei geprüft und vertrau­ens­würdig.

Aus Daten­schutz-Perspek­tive ist die Nutzung quell­of­fener Apps ohne Tracker oder Werbung mit möglichst wenigen Zugriffs­be­rech­ti­gungen immer zu empfehlen, sagt auch Mayer. Aber auch für Nutzer, die keine alter­na­tiven App-Stores nutzen möchten, gebe es Ange­bote. Ein Beispiel sei die gut funk­tio­nie­rende Wrapper-App von Friendly für Face­book, Twitter und Insta­gram (Android und iOS).

Qual der Wahl

Aller­dings, so schränkt Pöting ein, seien die Apps dieser Reihe nicht voll­ständig frei von Tracking. "Die Friendly-Reihe nutzt Google-Analy­se­dienste wie Crash­ly­tics und Fire­base Analy­tics." Grund­sätz­lich sei das schwie­rigste an Wrapper-Apps, die passende Auswahl zu treffen. "Es gibt keine voll­stän­dige Über­sicht über die verschie­denen verfüg­baren Apps mit ihren unter­schied­li­chen Vor- und Nach­teilen", sagt Pöting. Und nicht alle dieser Apps sind kosten­frei.

Insbe­son­dere für Face­book gebe es eine Viel­zahl alter­na­tiver Wrapper-Apps, was auf die hohe Unzu­frie­den­heit der Nutzer mit Perfor­mance, Batte­rie­be­las­tung und Daten­schutz­praxis der offi­zi­ellen Face­book-App zurück­zu­führen sei. Inter­es­senten müssen bei der Auswahl daher verglei­chen, ob die konkreten Vorteile einer App zu den eigenen Bedürf­nissen passen, sagt auch Schlegel.

Auch wenn man bereits mit der Original-App vertraut sei, müsse man sich even­tuell kurz umge­wöhnen. Bei der Nutzung vergesse man aber schnell, dass man nicht die Original-App verwendet.

Entwick­lung hört nie auf

"Die Apps fühlen sich an wie ganz normale Smart­phone-Apps, die in den meisten Fällen gut opti­miert sind", sagt Pöting. Aller­dings sei zu berück­sich­tigen, dass sich Social-Media-Seiten recht häufig ändern. "Deswegen müssen die Wrapper-App-Entwickler regel­mäßig Anpas­sungen vornehmen und Updates heraus­bringen", ergänzt Schlegel.

Es ist darum wichtig, dass auch die alter­na­tiven Apps häufig aktua­li­siert werden. Wrapper-Apps, die schon längere Zeit keine Updates mehr erhalten haben, liefern deswegen even­tuell Fehler­mel­dungen oder unkor­rekte Darstel­lungen. Auch das Datum der letzten Aktua­li­sie­rung kann also bei der Auswahl der passenden Wrapper-App hilf­reich sein.

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