Flugzeug-WLAN

WLAN im Flugzeug: So kommt das Internet auf 12 000 Meter

In der Luft herrschte bislang oft Funkstille: Kurz vor dem Start war Schluss mit Telefonieren, Surfen und Mailen. Das ändert sich gerade, denn immer mehr Fluggesellschaften rüsten ihre Maschinen mit WLAN-Hotspots aus. Aber die Angebote unterscheiden sich stark.
Von dpa / Paol Hergert
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Smartphones und Tablets sind unsere ständigen Begleiter, aber ohne Internet­verbindung nur halb so interessant. Gerade im Flug­zeug scheint es Reisenden auf den ersten Blick meist unmöglich, online zu gehen. Doch selbst in der Kabine ist es technisch möglich, Internet anzubieten. Und immer mehr Airlines tun dies. Gratis oder günstig ist das aber in den seltensten Fällen.

Um Flug­zeuge mit dem Internet zu ver­binden, gibt es zwei Möglichkeiten: Die erste Variante setzt allein auf Satelliten­technik. Sie ist welt­weit ver­fügbar, so­wohl über Land als auch über dem Meer, aber teuer. Günstiger, aber nicht weltweit nutzbar ist eine kombinierte Nutzung von Mobilfunk-Basis­stationen und Satelliten. Beiden Ver­fahren gemein ist der Weg, das Internet­signal an den Passagier zu bringen: Das funktioniert über WLAN-Hotspots.

WLAN im FlugzeugWLAN im Flugzeug Die größeren Lang­streck­en­maschinen der Lufthansa bei­spiels­weise sind bereits umgerüstet. "Aktuell arbeiten wir an den Flugzeugen für die Kurz- und Mittelstrecke der Airbus 320-Familie", erklärt Lukas Bucher von Lufthansa Technik. "Bis Ende 2018 wollen wir weit mehr als 200 Maschinen nachgerüstet haben und den Service somit in fast allen Flug­zeugen der Lufthansa-Gruppe anbieten." Ins­gesamt rund vier Tage dauere die Internet-Nachrüstung, die immer zusammen mit ohnehin fälligen Wartungen oder Reparaturen in Angriff genommen werde.

Die Tarife unterscheiden sich stark

Die Internet-Tarife der Lufthansa auf der Kurz- und Mittelstrecke unter­scheiden sich je nach Nutzungsart. Für Messaging-Dienste und fürs Mailen genügt der drei Euro teure Tarif "Messaging" mit einer lang­sam­eren Über­tragungs­geschwindig­keit, während für den teuersten und schnellsten Tarif "Streaming" 12 Euro fällig werden. Eine zeit­liche Beschränkung gibt es nicht. Das ist auf der Lang­strecke anders. Dort bewegen sich die Kosten je nach Nutzungs­dauer zwischen 9 Euro für 60 Minuten und 17 Euro für 24 Stunden.

Bei der Lufthansa-Tochter Euro­wings ist die Tarif­struktur auf der Kurz- und Mittelstrecke ähnlich wie bei der Mutter: Wer mit Kurz­nachrichten und Mails zufrieden ist, zahlt 3,90 Euro; das Premium­paket mit Video­streaming kostet 11,90 Euro - jeweils zeit­unabhängig. Auf der Lang­strecke schlagen 20 MB mit 7,90 Euro zu Buche, 75 MB kosten 25,90 Euro. Zur Orientierung: Musikstreaming verbraucht im Schnitt rund ein MB pro Minute, eine Minute Video­streaming minütlich zwischen 2 MB und 8 MB.

In einem Tarif­vergleich hat das Online-Portal Check24 unter mehr als 50 Flug­gesellschaften nur eine Airline ausfindig gemacht, die den Service kosten­los anbietet: Der Billig­flieger Norwegian erhebt keine Gebühren für das Surfen über den Wolken. Bei Fluggesellschaften wie Ryanair, Condor oder Tuifly gibt es dagegen gar kein WLAN im Flieger.

Kostenlose Optionen?

Zumindest ein bisschen kostenlos surfen ist bei einigen Airlines aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Programm: Bei Emirates können Passagiere ein kosten­loses Inklusiv­volumen von 20 MB verbrauchen, während das größte Paket mit 500 MB dann 15,99 US-Dollar (rund 13,80 Euro) kostet. Und bei Qatar Airways surfen Passagiere 15 Minuten kostenlos.

Grundsätzlich rät Check24-Sprecher Florian Stark dazu, vor dem Start genau hinzuschauen: "Längst gibt es den Service nicht in allen Flugzeugen auf allen Strecken. Und die Kosten unterscheiden sich erheblich." So sei im Vergleich der Internet-Zugang an Bord von Singapore Airlines am teuersten gewesen. Bei den volumen­basierten Surfpaketen der Flug­gesellschaft werden für 10 MB Daten 9,99 US-Dollar (rund 8,60 Euro) fällig.

Die Flug­sicher­heit gefährden Internet-Technik und WLAN-Hotspots an Bord übrigens nicht. Die europäische Auf­sichts­behörde für Flug­sicher­heit EASA gestattet die Nutzung von Mobil­geräten ohne Flug­modus schon seit Jahren. Sie hat es aber den Air­lines überlassen, wie sie mit der Er­laubnis umgehen.

Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hinterfragt die Angebote kritisch: "Die teilweise hohen Preise bringen einen dann doch zu der Frage: Braucht man das? Kann die Mail nicht noch bis nach der Landung warten?" Zudem weist der Experte auf die grundsätzliche Gefahr hin, in öffentlichen WLAN-Netzen ausgespäht zu werden: "Online-Banking oder andere sensible Bereiche sollten daher auch im Flieger tabu sein." Sein Rat: "Beschränken Sie das Surfen in öffentlichen WLAN-Netzen auf unkritische Seiten wie etwa Unterhaltung oder Nachrichten."

Doch wie funktioniert das drahtlose Internet im Flugzeug eigentlich? Einen Einblick hinter die Kulissen bekommen Sie in unserer Meldung zur Technologie des Ganzen.

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