Flugzeug-WLAN

WLAN im Flugzeug: So kommt das Internet auf 12 000 Meter

In der Luft herrschte bislang oft Funkstille: Kurz vor dem Start war Schluss mit Telefonieren, Surfen und Mailen. Das ändert sich gerade, denn immer mehr Fluggesellschaften rüsten ihre Maschinen mit WLAN-Hotspots aus. Aber die Angebote unterscheiden sich stark.
Von dpa / Paol Hergert
AAA
Teilen (27)

Smart­phones und Tablets sind unsere stän­digen Begleiter, aber ohne Internet­verbindung nur halb so inter­essant. Gerade im Flug­zeug scheint es Reisenden auf den ersten Blick meist unmög­lich, online zu gehen. Doch selbst in der Kabine ist es tech­nisch möglich, Internet anzu­bieten. Und immer mehr Airlines tun dies. Gratis oder günstig ist das aber in den seltensten Fällen.

Um Flug­zeuge mit dem Internet zu ver­binden, gibt es zwei Möglich­keiten: Die erste Vari­ante setzt allein auf Satelliten­technik. Sie ist welt­weit ver­fügbar, so­wohl über Land als auch über dem Meer, aber teuer. Güns­tiger, aber nicht welt­weit nutzbar ist eine kombi­nierte Nutzung von Mobil­funk-Basis­stationen und Satel­liten. Beiden Ver­fahren gemein ist der Weg, das Internet­signal an den Passa­gier zu bringen: Das funk­tioniert über WLAN-Hotspots.

WLAN im FlugzeugWLAN im Flugzeug Die größeren Lang­streck­en­maschinen der Luft­hansa bei­spiels­weise sind bereits umge­rüstet. "Aktuell arbeiten wir an den Flug­zeugen für die Kurz- und Mittel­strecke der Airbus 320-Familie", erklärt Lukas Bucher von Luft­hansa Technik. "Bis Ende 2018 wollen wir weit mehr als 200 Maschinen nach­gerüstet haben und den Service somit in fast allen Flug­zeugen der Luft­hansa-Gruppe anbieten." Ins­gesamt rund vier Tage dauere die Internet-Nach­rüstung, die immer zusammen mit ohnehin fälligen Wartungen oder Repa­raturen in Angriff genommen werde.

Die Tarife unter­scheiden sich stark

Die Internet-Tarife der Luft­hansa auf der Kurz- und Mittel­strecke unter­scheiden sich je nach Nutzungsart. Für Messa­ging-Dienste und fürs Mailen genügt der drei Euro teure Tarif "Messa­ging" mit einer lang­sam­eren Über­tragungs­geschwindig­keit, während für den teuersten und schnellsten Tarif "Strea­ming" 12 Euro fällig werden. Eine zeit­liche Beschrän­kung gibt es nicht. Das ist auf der Lang­strecke anders. Dort bewegen sich die Kosten je nach Nutzungs­dauer zwischen 9 Euro für 60 Minuten und 17 Euro für 24 Stunden.

Bei der Luft­hansa-Tochter Euro­wings ist die Tarif­struktur auf der Kurz- und Mittel­strecke ähnlich wie bei der Mutter: Wer mit Kurz­nachrichten und Mails zufrieden ist, zahlt 3,90 Euro; das Premium­paket mit Video­streaming kostet 11,90 Euro - jeweils zeit­unabhängig. Auf der Lang­strecke schlagen 20 MB mit 7,90 Euro zu Buche, 75 MB kosten 25,90 Euro. Zur Orien­tierung: Musik­strea­ming verbraucht im Schnitt rund ein MB pro Minute, eine Minute Video­streaming minüt­lich zwischen 2 MB und 8 MB.

In einem Tarif­vergleich hat das Online-Portal Check24 unter mehr als 50 Flug­gesellschaften nur eine Airline ausfindig gemacht, die den Service kosten­los anbietet: Der Billig­flieger Norwe­gian erhebt keine Gebühren für das Surfen über den Wolken. Bei Flug­gesell­schaften wie Ryanair, Condor oder Tuifly gibt es dagegen gar kein WLAN im Flieger.

Kosten­lose Optionen?

Zumin­dest ein biss­chen kostenlos surfen ist bei einigen Airlines aus den Verei­nigten Arabi­schen Emiraten Programm: Bei Emirates können Passa­giere ein kosten­loses Inklusiv­volumen von 20 MB verbrau­chen, während das größte Paket mit 500 MB dann 15,99 US-Dollar (rund 13,80 Euro) kostet. Und bei Qatar Airways surfen Passa­giere 15 Minuten kostenlos.

Grund­sätz­lich rät Check24-Spre­cher Florian Stark dazu, vor dem Start genau hinzu­schauen: "Längst gibt es den Service nicht in allen Flug­zeugen auf allen Stre­cken. Und die Kosten unter­scheiden sich erheb­lich." So sei im Vergleich der Internet-Zugang an Bord von Singa­pore Airlines am teuersten gewesen. Bei den volumen­basierten Surf­paketen der Flug­gesellschaft werden für 10 MB Daten 9,99 US-Dollar (rund 8,60 Euro) fällig.

Die Flug­sicher­heit gefährden Internet-Technik und WLAN-Hotspots an Bord übri­gens nicht. Die euro­päische Auf­sichts­behörde für Flug­sicher­heit EASA gestattet die Nutzung von Mobil­geräten ohne Flug­modus schon seit Jahren. Sie hat es aber den Air­lines über­lassen, wie sie mit der Er­laubnis umgehen.

Michael Gundall von der Verbrau­cher­zentrale Rhein­land-Pfalz hinter­fragt die Ange­bote kritisch: "Die teil­weise hohen Preise bringen einen dann doch zu der Frage: Braucht man das? Kann die Mail nicht noch bis nach der Landung warten?" Zudem weist der Experte auf die grund­sätz­liche Gefahr hin, in öffent­lichen WLAN-Netzen ausge­späht zu werden: "Online-Banking oder andere sensible Bereiche sollten daher auch im Flieger tabu sein." Sein Rat: "Beschränken Sie das Surfen in öffent­lichen WLAN-Netzen auf unkri­tische Seiten wie etwa Unter­haltung oder Nach­richten."

Doch wie funk­tioniert das draht­lose Internet im Flug­zeug eigent­lich? Einen Einblick hinter die Kulissen bekommen Sie in unserer Meldung zur Tech­nologie des Ganzen.

Teilen (27)

Mehr zum Thema Internet im Flugzeug