Testfahrten

Zunehmend Probleme mit dem WLAN-Hotspot im Zug

Beim Internetzugang im Zug per WLAN-Hotspot gibt es zunehmend Probleme, wie Tests von teltarif.de ergaben. Unsere Redaktion sowie einige Leser bekamen im Test Daten im ICE zum Teil nur "tröpfchenweise". Lesen Sie, welche Strecken betroffen sind und wie die Telekom als Betreiber reagiert.
Von Thorsten Neuhetzki /
AAA
Teilen

Verkehrsminister Alexander Dobrindt will die Deutsche Bahn verpflichten, die Internetversorgung an den Bahnhöfen und in den Zügen zu verbessern. Im Laufe des Jahres will die Bahn ohnehin alle Kernstrecken des ICE-Netzes gemeinsam mit der Deutschen Telekom mit WLAN-Anbindung versorgen. Doch wie steht es eigentlich heute um die Qualität der WLAN-Hotspots in den Zügen? Die Redakteure von teltarif.de haben in den vergangenen Wochen auf verschiedenen Strecken Stichproben gemacht und waren nach einer Euphorie ob der guten Qualität des Netzes im vergangenen Jahr in diesem Jahr sehr ernüchtert. Und die Telekom sieht auf Nachfrage keine Probleme.

Drei ICE-Strecken, mehrere Testfahrten, unterschiedliche Geräte und ein gemeinsames Problem

Auffallend viele Timeouts im TracerouteAuffallend viele Timeouts im Traceroute Auf fünf von sechs Verbindungen fanden wir in den Zügen einen WLAN-Zugang vor. Nicht immer war dieser kenntlich gemacht, doch sobald die WLAN-SSID "Telekom_ICE" verfügbar war, war auch ein Zugang möglich. Dabei war das Aufrufen der Startseite des Hotspots in der Regel problemlos und auch das Einloggen klappte. Die Probleme begannen erst danach. Getestet haben wir den Zugang mit verschiedenen privaten Nutzungsdaten an unterschiedlichen Tagen und auf unterschiedlichen Strecken. Dabei waren gleichermaßen die reisestarken Tage Freitag und Sonntag dabei wie auch normale Wochentage, getestet wurde auf drei unterschiedlichen Strecken von Berlin aus in Richtung Hamburg, Ruhrgebiet und Frankfurt am Main und somit auch in unterschiedlichen Zügen.

Nach dem Login sollte das Internet ganz normal nutzbar sein. Das waren auch unsere Erfahrungen aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahres, wo es auf der Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und Wolfsburg sogar möglich war, die Spiele der Fußball-Bundesliga über Sky Go live zu sehen. Nur ganz vereinzelt geriet der Stream hier ins Stocken, meist auf der Weiterfahrt nach Ostwestfalen in der Region rund um Minden, wo vermutlich die Außenanbindung nicht ganz optimal ist. Dieser Effekt des Aussetzens für wenige Minuten ist aber in unseren Augen zu vernachlässigen, sofern es sich auf wenige Stellen im Netz beschränkt, die nach und nach behoben werden.

An Streaming ist nicht mehr zu denken, selbst einfache Dienste sind nicht nutzbar

Streaming per WLAN im ICE war beim Test nicht mehr möglichStreaming per WLAN im ICE war beim Test nicht mehr möglich Unsere neuerlichen Testfahrten zeigten jedoch auf, dass die Nutzung mittlerweile generell schwierig geworden ist. So lassen sich selbst ganz einfach aufgebaute Internetseiten nicht mehr aufrufen, Webserver melden einen Timeout, und Streaming-Dienste zu nutzen war auf der gesamten Strecke zwischen Bielefeld und Berlin in beiden Richtungen unmöglich - sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem Ultrabook.

Kurios dabei: Obwohl weder Webseiten noch Streaming oder Twitter-Client vernünftig nutzbar waren, war es uns vereinzelt möglich, Speedtests mit Werten von 1 bis 2 MBit/s im Downstream durchzuführen. Doch da es nicht der Sinn eines WLAN-Hotpspots ist, einen Speedtest zu machen und kein anderer Dienst während der Fahrt sinnvoll nutzbar war, mussten wir die ICE-Hotspots als nicht nutzbar einstufen. Die festgestellten Effekte waren jedoch auf allen Fahrten identisch und sind auch unabhängig von den Zugangsdaten, da wir mit unterschiedlichen Zugängen arbeiteten.

Strecken nach Frankfurt und Hannover lange Zeit wegen Elbhochwasser nicht nutzbar

Auf der Strecke zwischen Frankfurt am Main und Berlin war der Internet-Zugang lange Zeit nur bis Hildesheim nutzbar. Erst 2012 wurde der Hotspot-Betrieb in Richtung der Bundeshauptstadt erweitert. Noch vor einem Jahr gab es lediglich hin und wieder im Bereich der Tunnel in den Mittelgebirgen kurzzeitige Probleme. Ansonsten lieferte der rollende Hotspot stets eine gute Performance.

Vom Frühjahr bis zum Spätherbst vergangenen Jahres mussten die ICEs aus der Rhein-Main-Metropole nach Berlin aufgrund von Hochwasserschäden umgeleitet werden. Hier stand keine WLAN-Anbindung zur Verfügung, da die Ersatzstrecke über Halle hierfür offenbar noch nicht umgerüstet ist. Inzwischen verkehren die ICEs wieder auf ihrer gewohnten Strecke und es ergibt sich das gleiche Bild wie auf unseren anderen Teststrecken: Der WLAN-Internet-Zugang ist praktisch nicht nutzbar. Die Verbindung kommt zwar zustande, die Performance reicht aber in der Regel nicht einmal mehr für einen zuverlässigen E-Mail-Pushdienst aus.

Auf einer Testfahrt kam es zudem zum Effekt, dass das WLAN-Netz zwar zu empfangen war, wir aber keine IP-Adresse zugewiesen bekamen, so dass wir nicht einmal die Landing Page erreichen konnten, über die der Login zum mobilen Hotspot erfolgt. Hier dürfte - unabhängig von den Problemen im Bereich der Deutschen Telekom - ein Fehler bei der an Bord des ICE installierten Technik vorgelegen haben.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, wo nach unserer Einschätzung das Problem liegt, wie die Telekom als Betreiber der Hotspots darauf reagiert und warum nicht mit einer baldigen Besserung zu rechnen ist.

1 2 letzte Seite
Teilen

Mehr zum Thema Deutsche Bahn