WLAN-Hotspots

"WLAN-Wüste": Mehr öffentliche WLANs in Deutschland gefordert

Berliner Stadtverwaltung stellt hohe Anforderungen an freies Stadt-WLAN
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Wer unterwegs im Web surfen will, muss sich laut Meinung von Dell mit hohen Kosten und umständlichen Anmeldeprozeduren herumschlagen. Statt das mobile Internet auszubremsen, könnte Deutschland mühelos Vorreiter beim WLAN-Zugang werden. Dies meint Dell-Managerin Petra Wolf.

Dell: Außerhalb von Großstädten ist Deutschland öde WLAN-Wüste

Unendliche Geschichte: Seit Jahren kommt das freie Stadt-WLAN in Berlin nicht voranUnendliche Geschichte: Seit Jahren kommt das freie Stadt-WLAN in Berlin nicht voran WLANs stellen nach Auffassung von Dell für die meisten Nutzer eine optimale Zugangs-Technik dar, weil sie schneller und kostengünstiger als Mobilfunkverbindungen seien. Gerade Tablets könnten sich zum Teil ausschließlich über einen WLAN-Zugang mit dem Internet verbinden.

Allerdings bremse der dürftige Ausbau der WLAN-Infrastruktur in Deutschland die Entwicklung beim mobilen Internet aus. Kostenlose Hot-Spots seien noch immer auf einzelne Hotels und wenige gastronomische Betriebe beschränkt. Im öffentlichen Raum, beispielsweise auf Bahnhöfen, Flugplätzen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, stünden meist nur kostenpflichtige WLANs zur Verfügung. Diese seien nicht nur teuer, sondern auch kompliziert zu bedienen; in der Regel müsse man persönliche Daten wie eine Kreditkartennummer hinterlassen und würde nicht selten von sonderbaren Abrechnungsmodalitäten überrascht. Während Geschäftskunden die teilweise horrenden Kosten für das mobile Surfen schlucken würden, stelle diese Praxis für viele junge Web-Nutzer, etwa Studenten und Schüler, ein Hindernis dar.

"Mobile Systeme boomen, aber beim Ausbau einer kostenfreien WLAN-Infrastruktur hinkt Deutschland deutlich hinterher", meint Petra Wolf, Marketing Director bei Dell. "In vielen Ländern kann man sich ohne jeden Aufwand in der Bahn oder auf öffentlichen Plätzen in ein WLAN einloggen, sogar in Buslinien gibt es den kostenlosen Service. Hierzulande zeigen zwar einzelne Anbieter, etwa Imbissketten, dass so ein Service problemlos und zu geringen Kosten realisierbar ist. Umso weniger verständlich ist es, dass andernorts WLANs nur mit hohen Kosten und aufwändigen Prozeduren nutzbar sind. Außerhalb von Großstädten ist Deutschland ohnehin öde WLAN-Wüste."

Andere Länder sollen beim Ausbau kostenloser WLAN-Netze deutlich schneller sein

Dell stellt als Anbieter mobiler Geräte - und damit wohl nicht ganz uneigennützig - die These auf, dass kostenlose WLANs heute eine entscheidende Voraussetzung für die Nutzung der modernen Kommunikationsmedien und damit für die Teilnahme am öffentlichen Leben seien. Weite Teile der Bevölkerung oder ganze Regionen wären davon aber weitgehend abgekoppelt oder erhielten nur mit hohen Hürden Anschluss.

„Das ist in einer Nation mit dem technologischen Anspruch Deutschlands völlig unverständlich“, erklärt Petra Wolf. „Der kostenlose WLAN-Zugang sollte ein selbstverständliche Serviceleistung nicht nur von Unternehmen mit hoher Kundenfrequenz sein. Auch öffentliche Einrichtungen müssen nachlegen, damit etwa Reisende in Bahnhöfen, Zügen oder Flughäfen einfachen WLAN-Zugang erhalten. Deutschland würde es jedenfalls gut anstehen, hier Vorreiter und nicht Nachzügler zu sein.“

In anderen europäischen Ländern wird nach Auffassung von Dell beispielsweise die Bereitstellung von kostenlosem WLAN in vielen Städten massiv ausgebaut: So seien in Paris und in Madrid zahlreiche Hotspots auf öffentlichen Plätzen verfügbar; London wolle sogar bis zu den Olympischen Sommerspielen im nächsten Jahr in der ganzen Stadt kostenloses WLAN zur Verfügung stellen. Deutschland müsse sicherstellen, dass es Anschluss an diese Entwicklung findet.

Stadtweites WLAN in Berlin kommt seit Jahren nicht voran

Seit Jahren wünscht sich der Berliner Senat, unterstützt durch verschiedene Verbände, ein offenes WLAN für die deutsche Hauptstadt. Nach Informationen des Handelsblatts kommt das Projekt aber seit Jahren nicht voran. Die Initiative Freifunk hat ein 37-seitiges Konzept zu einem Pilotvorhaben vorgelegt. Dabei soll es sich um ein freies WLAN-Netz in Berlin mit einer Kombination aus öffentlichen Access Points und offenen privaten WLAN-Routern handeln. Hierzu müsste alle 50 bis 100 Meter ein Router vorhanden sein.

Ein Problem dabei ist die juristische Seite: Nach deutschem Recht haftet der Besitzer eines Routers dafür, wenn andere über seinen Netzzugang illegale Aktivitäten durchführen. Diesen rechtlichen Aspekt müsste der Gesetzgeber bei der Einführung stadtweiter WLAN-Netze auf Basis von privaten Routern nochmals konkretisieren oder eventuell abschaffen.

Eine wirtschaftliche Konkurrenz zu den Mobilfunkunternehmen besteht anscheinend nicht, weil gerade diese in Berlin von einer Entlastung der mitunter stark strapazierten mobilen Datennetze profitieren würden. Trotzdem fordert die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, dass das Projekt gewisse Aspekte der technologischen Innovationsförderung und Wirtschaftlichkeit beinhalten soll. Damit ist nicht nur gemeint, dass sich das Netz - auf welche Art und Weise auch immer - selbst finanzieren und kein Zuschussbetrieb sein sollte. Vor allem könnte ein stadtweites Netz ganz neue mobile Dienste möglich machen, die bisher aufgrund zu hoher Kosten für mobilen Datentransfer oder wegen zu geringer Bandbreite gar nicht denkbar waren. Und diese beiden Bedingungen sind momentan anscheinend noch nicht erfüllt.

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