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WLAN auf Rädern: So wird das Auto zum Hotspot

Was zu Hause funk­tio­niert, wünschen sich viele auch im Auto: Ordent­liches Internet, am besten per WLAN. Das lässt sich machen.

Auf dem Weg in den Urlaub kann der Beifahrer mit dem Tablet ausgiebig im Internet surfen. Unter­wegs zur Verwandt­schaft am Sonntag streamen die Kinder auf der Rück­bank ihre Filme. Und auf der morgend­lichen Fahrt zur Arbeit sorgen Podcasts oder Musik unter­bre­chungs­frei für gute Laune. Es gibt gute Gründe, um auch auf vier Rädern ordent­lich mit dem Internet verbunden zu sein.

Denn Ärger und Verdruss sind program­miert, wenn die vielen schönen Anwen­dungen nicht ruck­elfrei funk­tio­nieren. Das liegt dann meist an der Art und Weise, wie das Internet ins Auto kommt und dort verteilt wird. "Grund­sätz­lich sind wir vom Smart­phone sicher­lich verwöhnt", sagt Holger Ippen von der "Auto Zeitung". "Im Auto geht das auch, da funk­tio­niert die Inter­net­anbin­dung in der Regel mit den On-Board-Lösungen der Hersteller am besten."

Viele Autos haben schon Mobil­funk-Empfang

WLAN im Auto - zum Beispiel per Smartphone WLAN im Auto - zum Beispiel per Smartphone
Bild: dpa
Dabei werden eine im Auto inte­grierte SIM-Karte und auch die fahr­zeugei­gene Antenne genutzt, was den Empfang deut­lich verbes­sere. "Alle neueren Fahr­zeuge verfügen heute bereits ab Werk über eine SIM-Karte für den Notruf E-Call. Da ist es dann kein großer Aufwand mehr für die Hersteller, diese Daten-Mobil­funk­anbin­dung auch für Enter­tain­ment­ange­bote nutzbar zu machen", erklärt Ippen.

Der Kunde habe dann meis­tens in den ersten drei Jahren die Nutzung von Services wie Echt­zeit-Verkehrs­daten, Wetter­pro­gnosen oder eine Tank­stel­len­suche frei. Wer mehr will, muss zahlen. "Daneben erlauben diese Systeme inzwi­schen auch den Remote-Zugriff aufs Auto. Man kann dann via App beispiels­weise die Heizung akti­vieren oder sich den Standort des Wagens anzeigen lassen", erläu­tert Ippen.

Auch ein WLAN-Netz fürs Auto ist über eine weitere inte­grierte SIM möglich, aller­dings nicht bei jedem Auto­her­steller. Der Nach­teil bei diesen Ange­boten ist oft, dass der Kunde den Mobil­funk­anbieter meist nicht selber wählen kann und die Tarif­aus­wahl sehr gering ist.

Denn nur die wenigsten Hersteller setzten auf Roaming-SIMs, die sich in verschie­dene Mobil­funk­netze einloggen können. Und bei den meisten Systemen ist es auch nicht möglich, eine eigene SIM-Karte einzu­setzen. Wie gut das ange­botene Netz ist, bleibt unklar.

On-Board-Lösung erst mal testen

Wer vor der Entschei­dung für oder gegen eine On-Board-Lösung mit Hotspot steht, sollte das System am besten mal mit einem kleinen Tarif auf seiner "Haus­strecke" auspro­bieren. So lässt sich fest­stellen, ob das werk­seitig ausge­wählte Netz und der Tarif auch zur eigenen Nutzung passen.

Eine andere Möglich­keit das Auto zu vernetzen, ist ein mobiler LTE-Hotspot. "Die werden zum Beispiel am Ziga­ret­ten­anzünder ange­schlossen und funk­tio­nieren wie ein kleiner Router", erklärt Ippen. Bestückt mit einer SIM-Karte, schaffen die Mini-Router oft bis zu 150 MBit/s und liefern Internet an bis zu zehn Geräte aus.

Die dafür erfor­der­liche Daten-SIM ist oft güns­tiger als die SIM-Karten fürs Smart­phone mit Tele­fonie- und Daten-Option. Im Gegen­satz zum inte­grierten System muss der Nutzer aber bei dieser Lösung mit Extra-Kabelage im Innen­raum leben. Ein weiterer Nach­teil sei, dass es kaum möglich ist, den Empfang zu verbes­sern, sagt Ippen.

Glei­ches gilt für die Nutzung des eigenen Smart­phones als Hotspot. An die auto­seitig verbaute Antenne kommt man in der Regel nicht dran, und kaum ein Smart­phone bietet heute noch die Möglich­keit, eine externe Antenne anzu­schließen.

Handy als Hotspot unter der Wind­schutz­scheibe

Wer das eigene Handy als Hotspot nutzt, sollte es daher im Innen­raum so optimal wie möglich posi­tio­nieren. "Den besten Empfang haben Smart­phones, wenn sie vorne im Bereich des Arma­turen­bretts, direkt unter der Winschutz­scheibe plat­ziert werden", sagt Peter Richert, Kommu­nika­tions­technik-Professor an der Fach­hoch­schule Münster.

Das sei der Bereich, wo auch das GPS-Signal empfangen werde. Insge­samt, so Richert, werde das Signal im Auto durchaus etwas gedämpft - aber nicht so extrem wie oft vermutet. Ein Metall­fahr­zeug schütze die Insassen aufgrund seines Effektes als Fara­day­scher Käfig zwar vor Blitz­ein­schlag, Handy­strahlen aber könnten trotzdem durch­dringen, da sie sich als elek­tro­magne­tische Welle anders ausbreiten, erklärt Prof. Richert.

Wer auf Handy-Halte­rungen oder mobile Mini-Router verzichten möchte und keine On-Board-Lösung zu Verfü­gung hat, kann sich auch Technik vom Fach­handel nach­rüsten lassen. "Es gibt Ange­bote wie eine Phonebox, in der das Smart­phone aufge­laden wird und auch auf die Antenne des Fahr­zeugs zugreift", erklärt Ippen.

Einige Modelle hätten auch inte­grierte SIM-Karten­slots, sodass der Nutzer hier über eine Multi-SIM den vorhan­denen Handy­ver­trag weiter nutzen könne. Oder er legt eben eine Daten-SIM mit eigenem Vertrag ein. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung: Sie redu­ziert den Elek­tro­smog im Innen­raum.

Es steht und fällt mit der Netz­abde­ckung

Doch egal ob On-Board-Lösung, Mini-Router, Smart­phone oder Nach­rüst­lösung - am Ende steht und fällt die Signal­qua­lität mit der Mobil­funk-Netz­abde­ckung. Entlang der Auto­bahnen ist der LTE-Empfang mitt­ler­weile ganz gut in Deutsch­land, wie auch in Groß­städten, auf dem Land jedoch kann das schon ganz anders aussehen. Je nachdem ob die SIM-Karte im Netz von Telekom, Voda­fone oder o2 (Telefónica) funkt, gibt es teils große Unter­schiede.

Keinen wesent­lichen Einfluss auf dem Empfang im Auto hat die Geschwin­dig­keit. Bei einem Tempo von 130 km/h etwa seien keine Störungen zu befürchten, sagt Richert, zumin­dest solange es um normale Tele­fonie oder Text­nach­richten gehe.

Bei Enter­tain­men­tan­wen­dungen wie Strea­ming hingegen werde die Daten­rate wich­tiger. "Entschei­dend ist dann die Qualität der Netz­abde­ckung, und die ist abhängig von der Zahl der Funk­masten", sagt Richert. Auch der ganz neue Mobil­funk­stan­dard 5G werde daran nichts ändern - eher im Gegen­teil. "Im 5G-Netz sind die Daten­raten zwar höher, dafür werden aber für eine gute Netz­abde­ckung wesent­lich mehr klei­nere Zellen benö­tigt."

In einer großen Über­sicht hat teltarif.de zusam­men­getragen, welche Möglich­keiten und Tarife es für Internet im Auto gibt.

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