Ermittlungen

WLAN-Datensammlung: Nun droht Google auch Ärger in Europa

Deutschland, Frankreich und Großbritannien kündigen Ermittlungen an
Von Rita Deutschbein mit Material von dpa
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Die jüngsten Enthüllungen aus einem amerikanischen Behördenbericht werfen nach Ansicht deutscher Datenschützer ein neues Licht auf das Abgreifen von WLAN-Informationen durch Googles Street-View-Autos. "Dies verändert den zugrundeliegenden Sachverhalt noch einmal", sagte der in Deutschland für Google zuständige Hamburger Datenschützer Johannes Caspar heute zum Ermittlungsbericht der amerikanischen Telekommunikations-Behörde Federal Communications Commission (FCC). Behörden in Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben angekündigt, ihre Ermittlungen wieder aufnehmen zu wollen.

WLAN-Datensammlung: Nun droht Google auch Ärger in EuropaWLAN-Datensammlung: Neuer Ärger für Google "Google stellte den Vorfall damals zunächst als Folge eines Fehlverhaltens eines einzelnen Mitarbeiters dar. Der FCC-Bericht legt nun nahe, dass jemand vorsätzlich gehandelt hat und darüber auch mit anderen Mitarbeitern im Konzern kommunizierte", sagte Caspar. Der Sachverhalt, der sich durch diese Erkenntnis aufgetan hat, sei vollkommen anders, als zunächst von Google beschrieben. Das Unternehmen müsse darum zur Verantwortung gezogen werden.

Googles Kamerawagen speicherten WLAN-Informationen

Im konkreten Fall registrierten die Kameraautos, die während ihrer Fahrten durch die Metropolen Aufnahmen für den in Deutschland nicht unumstrittenen Google-Straßenatlas Street View machten, unter anderem auch die Position von WLAN-Stationen. Im gleichen Zug fing die Software von 2008 bis 2010 auch unverschlüsselte Informationen aus diesen Netzen ab.

Google sprach zunächst von einem Versehen, das lange nicht aufgefallen sei. Zudem seien laut ersten Angaben lediglich Datensplitter gespeichert und die Daten nie verwendet worden. Nach Erkenntnissen der FCC hatte der fragliche Mitarbeiter die entsprechende Software jedoch bewusst geschrieben und sich die Daten - unter ihnen auch E-Mails und andere Inhalte - mindestens einmal genauer angesehen. Er habe gedacht, dass mit Hilfe von Informationen wie zum Beispiel Suchanfragen möglicherweise die Internet-Suche verbessert werden könne. Zudem werden mehrere E-Mails aufgezählt, darunter eine Mail von 2006, die an das gesamte Street-View-Team ging, in denen er von seinen Plänen berichtet habe.

Der Name des Mitarbeiters wurde in dem von Google selbst veröffentlichten FCC-Bericht geschwärzt. Die "New York Times" berichtete jedoch unter Berufung auf einen Ermittler, dass es sich um einen in der Software-Szene relativ bekannten WLAN-Experten handele. Der Mann selbst und seine Anwälte wollten dies auf Anfrage der Zeitung nicht kommentieren.

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