Hintergrund

WLAN ad bei 60 GHz: Die aktuellen Entwicklungen

Schnell, schneller, noch schneller: In den Zeiten von Smartphones, Tablets und Smart Home brauchen wir flotte Übertragungswege von Daten per WLAN. Eine Ergänzung zu WLAN n oder ac stellt WLAN ad dar. Das sagen die Router-Hersteller zum 60-GHz-WLAN.
AAA
Teilen (3)

Ein Internet-Zugang per WLAN gehört schon zum Alltag, wie das tägliche Brot. Bisher werden hierzulande vor allem die Frequenzbänder um 2,4 GHz und 5 GHz für den Datenverkehr genutzt. Insbesondere das 5-GHz-Band galt bisher als das weniger genutzte Frequenzband. Doch in Zeiten der Heimvernetzung mit dem Smartphone oder Tablet und der Anwendungen wie Online-Gaming sowie Streaming-Diensten, wird es immer wichtiger für die Hersteller von Routern, sich nach Alternativen bzw. zusätzlichen WLAN-Nutzungs-Möglichkeiten umzuschauen, die noch größere Datenpakete schnell verschicken können. So haben die Hersteller schon seit Längerem ihr Auge auf den 60-GHz-Bereich geworfen - der weitgehend ungenutzt ist.

Erste Geräte mit dem WLAN-ad-StandardErste Geräte mit dem WLAN-ad-Standard Zur CES in Las Vegas hatte TP-Link mit dem Talon AD7200 den ersten Router vorgestellt, der echte Triband-Technologie bietet und auf dem 2,4-, 5- und 60-GHz-Frequenzband funken kann. Zur CES im vergangenen Jahr hatten die Hersteller zwar schon Triband-Router im Gepäck, allerdings haben die Modelle nur das 2,4- und zwei 5-GHz-Bänder unterstützt. Wir hatten darüber berichtet, dass es sich hierbei um Pseudo-Triband-Router gehandelt hat.

Derartige Pseudo-Triband-Router hat auch Netgear im Sortiment (z.B. Nighthawk X8). Bei der Nutzung lassen sich auf dem 2,4-GHz-Frequenzband alle älteren WLAN-Geräte verteilen, auf dem ersten 5-GHz-Band können alle Dualband-WLAN-Geräte laufen und auf dem dritten WLAN-Band mit 5 GHz sind in diesem Fall alle neueren Dualband-ac-WLAN-Geräte einzuordnen. Die untere Grafik von Netgear veranschaulicht nochmals die Triband-Technik:

Netgear zeigt Funktion der Triband-Technologie
Netgear zeigt Funktion der Triband-Technologie
Durch ein drittes Frequenzband - echt oder nicht - entstehen für den Anwender insbesondere Vorteile bei der WLAN-Verteilung für die WLAN-fähigen Endgeräte in einem Netzwerk. Bei der Nutzung des 60-GHz-Bandes öffnen sich neue Möglichkeiten - dazu später mehr.

Das sagen die Router-Hersteller zu 60-GHz-WLAN

Das Thema 60-GHz-WLAN ist bei den Router-Herstellern ein heißes Thema. Wir haben bei TP-Link und AVM nachgefragt, welche Entwicklung und Pläne die Hersteller bei ihren Routern mit dem 60-GHz-Frequenzband haben.

Jan Koch (2nd Level Technical Support) von TP-Link meint dazu:

"Die Idee hinter dem neuen 60-GHz-WLAN-Netz ist es, diesen als Ersatz für ein HDMI (Kabel zwischen TV/Monitor und PC/Smartphone/Tablet) zu verwenden. Über ein 60-GHz-Netz ist es möglich, ein unkomprimiertes 4K-Video zu übertragen. Da die Bauform der 60-GHz-WLAN-Karte sehr klein ist, können diese auch gut in Smartphones und Tablets verbaut werden.

Router mit dem Standard sind die Vorreiter (wie bei 11ac, als die Router auf den Markt kamen, gab es noch keine Clients). Meiner Meinung nach wird der Standard als Erstes in Smartphones/Tablets und auch TVs Einzug finden. Ebenfalls interessant ist das neue Netz, um kabellose Docking-Stations mit dem Laptop/Ultrabook/Tablet zu verbinden."

Die Pressestelle von AVM hat mit den folgenden Worten geantwortet:

"AVM schaut sich alle Übertragungstechniken am Anschluss und im Heimnetz an - so auch WLAN 11ad bei 60 GHz. Wir können derzeit keine Aussage dazu machen, ob und wann 11ad in FRITZ!Box-Modellen integriert sein wird."

Smartphone mit WLAN-ad-Unterstützung

Auf der CES wurde auch das erste echte Triband-fähige Smartphone von Qualcomm präsentiert. Das Le Max Pro von Letv verfügt über einen Snapdragon-820-Prozessor und unterstützt WLAN ad und kann damit gleichzeitig auf dem 2,4-, 5- sowie 60-GHz-Frequenzband arbeiten. Gerade mit Blick auf das Streamen von 4K-Inhalten wird die Nutzung interessant, denn es lassen sich so einige GBit/s übertragen - allerdings mit einer geringen Reichweite und die WLAN-ad-fähigen Geräte müssen Sichtkontakt haben.

WLAN-ad als Ergänzung zu WLAN-ac

Bisher existieren nur wenige Clients, die WLAN-ad unterstützen - zum Beispiel von Dell, Intel. Der WLAN ad ist jenseits von Anwendungen - wie beispielsweise eine Anbindung von Beamern - nur als eine Art Ergänzung zu den WLAN-Standards n oder ac zu sehen. Dabei dient das 60-GHz-Band vorwiegend - wie bereits erwähnt - als reiner Zimmerfunk und dringt kaum durch Wände. Grund dafür ist die Beschaffenheit, die lichtähnlich ist und eine hohe Sauerstoff-Absorption aufweist. Der Sender und der Empfänger benötigen eine direkte Sichtverbindung, damit die Übertragung der Daten problemlos klappt. Dabei stehen theoretische Datenraten von bis zu 7,2 GBit/s per WLAN zur Verfügung. Daher ist der Einsatz von WLAN-ad vor allem auch im Multimedia-Bereich zu sehen.

Weitere Informationen zu WLAN-ad erhalten Sie in diesem ausführlichen Hintergrundbericht. Speziell für den Smart-Home-Bereich wurde auf der CES auch der neue WLAN-Standard HaLow vorgestellt.

Teilen (3)

Mehr zum Thema Router