Bordmittel

Virenscanner im Test: Windows Defender leistet gute Arbeit

Die c't hat Virenscanner getestet: Heimlicher Sieger ist der serienmäßige Windows Defender.
Von mit Material von dpa
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Täglich lesen wir von Sicher­heits­problemen im Netz, von Angriffen aller Art. Doch wie sieht es auf dem eigenen PC aus?

Wer das Betriebssystem Windows verwendet, arbeitet vielleicht noch mit den Versionen XP oder evtl. Vista. Diese Versionen gelten als "veraltet" und bekommen von Microsoft keine offizielle Unterstützung mehr. Windows 7 wird nur noch bis nächstes Jahr Updates erhalten, dann ereilt das speziell in der Industrie beliebte System das gleiche Schicksal, sofern man nicht als Firmenkunde ein spezielles kostenpflichtiges Updatepaket erwirbt. Für Klein- und Privatanwender sollte ein Upgrade auf eine neuere Version (Windows 8.1 oder 10) ins Auge gefasst werden. Die c't bezeichnet Windows XP und Vista als "tickende Zeitbomben".

Unter Einstellungen - Windows Update + Sicherheit findet man den Defender.
Unter Einstellungen - Windows Update + Sicherheit findet man den Defender.

Virenschutz mit Bordmitteln?

Wer einen Rechner mit Linux oder dem Apple-Betriebssystem macOS betreibt, hat mit Viren weniger zu tun, aber auch da gibt es mitunter schon Malware. Auf den überwiegend genutzten Windows-Rechnern verbreiten "Viren" (besser gesagt Malware) immer wieder Angst und Schrecken. Lassen sie sich mit Bordmitteln stoppen?

Ja, sagt die c't in der aktuellen Ausgabe 19.03, und eigene Erfahrungen der teltarif.de-Redaktion belegen dies. Wer keine Lust oder Notwendigkeit verspürt, sich eine gesonderte Antiviren-Lösung zu installieren, fährt mit dem serienmäßigen "Windows Defender" recht gut. Voraussetzung ist allerdings, dass die eigene Windows-Installation immer auf dem allerneusten Stand ist, inklusive aller regelmäßigen Virus-Signatur-Updates von Windows.

Windows Defender kann überzeugen

Der in aktuellen Windows-Betriebssystemen bereits integrierte und kostenlose Virenscanner Defender liefert nach seiner kompletten Überarbeitung überzeugende Erkennungsraten. Das hat "c't" nach einem Test von neun Windows-Virenscannern herausgefunden, darunter vier kostenlosen Programmen, wie beispielsweise von Avira, Kaspersky oder Avast und der schon erwähnte Windows Defender.

Kostenlos und viel Werbung?

Die kostenlosen Programme nerven teilweise durch sehr viel Werbung, wie beispielsweise bei Avast oder Avira. Bitdefender ist eine Kaufversion, die aber auch mit Werbung für kostenpflichtige Zusatztools "nervt". Der kostenlose "Kaspersky Free" ist da deutlich zurückhaltender und dennoch detailliert einstellbar. Beim Windows Defender gibt es übrigens gar keine Werbung.

Alternativen zum Defender?

Der kostenlose AdwCleaner findet Adware und unerwünschte Programme (PUP) und ist eine gute Ergänzung zum Windows Defender oder anderen Antivirenprogrammen.
Der kostenlose AdwCleaner findet Adware und unerwünschte Programme (PUP) und ist eine gute Ergänzung zum Windows Defender oder anderen Antivirenprogrammen.
Wer über die reine Schutzleistung hinaus keine weitergehenden Ansprüche an sein Antiviren-Programm stellt, fahre mit dem Microsoft-Scanner gut, so das Urteil der Experten. Geht es um Konfigurierbarkeit, höhere Geschwindigkeit oder mehr Funktionsumfang, dann kann das Umschauen nach anderen Antiviren-Programmen sinnvoll sein.

Scantechnisch sind Avast Free und Kaspersky Free bemerkenswert gut ausgestattet - aber die Werbung bei Avast verdirbt schnell den Spaß, wie Tests von c't und teltarif.de eindeutig bestätigen. Bei Kaspersky könnte man in Sachen Konfigurierbarkeit etwas eingeschränkt sein, findet c't. Von McAfee, der oft bei im Laden fertig gekauften Computern schon aufgespielt ist, ist c't nicht so überzeugt. Es fehlten Basis- und Komfort-Features und es könnte Probleme mit Netzlaufwerken geben. c't empfiehlt sogar die Deinstallation möglicher Testversionen. Norton Security sei übersichtlich, biete viele Einstellmöglichkeiten, mache aber etwas Panik auf der Startseite. Kunden der Deutschen Telekom erhalten eine Version der Norton Security im Rahmen bestimmte Tarife oder Zusatzpakete. Das einst sehr populäre Antiviren-Tool von Avira kann c't nicht mehr empfehlen, da es eher an eine "bunte Litfaßsäule" erinnere und den Kunden durch permanente Werbung "nerve". Einige Avira-Tools scheinen sich "wie von Geisterhand" zu installieren, die Deinstallation erweist sich mitunter als knifflig. Leser berichten, trotz gekaufter Avira-Lizenzen und regelmäßigen Updates von unerklärlicher Malware befallen worden zu sein. Vorsicht ist in jedem Fall angesagt.

Die Einstellungen von ESET NOD32 sind hingegen sehr speziell, werden aber im Normalfall gar nicht gebraucht (auf Werkseinstellungen belassen). Die kostenpflichtige "kleine" Version von ESET NOD32 reicht im Alltag mehr als aus und blockiert auch von sich aus "verdächtige" Webseiten, erlaubt aber den Besuch, wenn der Nutzer dem explizit zustimmt (und sich meist danach Ärger einhandelt).

Microsoft bietet durch gesonderte Einstellung an, den bordeigenen Defender parallel mit der zusätzlich installierten Virenlösung laufen zu lassen.

Da die Antivirus-Software-Hersteller längst wissen, dass der Defender "gut" ist, versuchen sie, ihre Programme mit allerlei, teilweise "fragwürdigen" Clean-up-Tools wie Avast oder Avira zu garnieren, was c't stark kritisiert.

Virenscanner alleine reicht nicht

Generell soll ein Virenscanner nur ein Baustein einer größeren Sicherheitsarchitektur verstanden werden. Wichtig sind regelmäßige Backups aller Daten und vor allen Dingen alle Sicherheits-Updates für alle Programme und das Betriebssystem.

Praktisches Tool: ADWCleaner

Von einer französischen Computer-Gruppe "Xplode" stammt der AdwCleaner, der sich auf "unerwünschte" Software (PUP) und Werbe-Spionage-Software (AdWare) konzentriert. Die Software wurde vom amerikanischen Unternehmen Malwarebyte gekauft, deren Basis-Version ebenfalls kostenfrei ist. Malwarebytes und ADWCleaner arbeiten in der Basisversion nicht im Hintergrund, sondern müssen manuell gestartet werden. Dabei zeigt sich, das der ADWCleaner auch auf durch Defender oder Kauflösungen wie ESET geschützten Systemen noch manche verbliebene Nervensägen findet, die sich schnell und einfach nach einem Neustart des Systems entfernen lassen.

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