Windows 10 Mobile

New Yorker Polizei tauscht 36 000 Windows-Smartphones aus

Es war einer der größeren Deals für Microsoft, als die New Yorker Polizei Tausende Windows-Phone-Geräte für Polizisten anschaffte. Nach nur einem Jahr ist das Projekt bereits am Ende und Schuld trägt Microsoft selbst.
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Windows PhoneDas NYPD schafft Tausende Lumia-Smartphones wegen Windows Phone ab Mit Windows Phone 8.1 und dessen Nachfolger Windows 10 Mobile wollte Microsoft eigentlich eine Alternative zu iOS und Android schaffen. Ein später Start, mangelnde Unterstützung durch App-Entwickler und der eigene unentschlossene Kurs von Microsoft haben jedoch dazu geführt, dass die Windows-Plattform für Smartphones quasi tot ist. Nun zieht ein Großkunde von Microsoft die nötige Konsequenz.

Da Microsoft seit Juli die Unterstützung für Windows Phone 8.1 eingestellt hat und keine weiteren Updates mehr zur Verfügung stellt, hat sich das New York City Police Department (NYPD) dazu entschieden, über 36 000 Windows-Phone-Geräte bis zum Jahresende gegen iPhones zu tauschen. Das berichtet die New York Times in ihrer Online-Ausgabe. Als Begründung wird angegeben, dass es für die gekauften Modelle Lumia 830 und Lumia 640 XL kein Update auf Windows 10 Mobile gibt.

Für Microsoft ist der einst groß angepriesene Deal damit zu einer echten PR-Blamage geworden, welcher von der Konkurrenz, hier im Speziellen höchst­wahrscheinlich Apple, entsprechend medial ausgenutzt werden könnte. Für welches iPhone-Modell sich die Polizei­behörde entschieden hat, ist bisher noch nicht bekannt.

Von Beginn an große Kritik

Mehr als 160 Millionen US-Dollar hat sich die Stadt New York das Projekt kosten lassen, dass auf die "Mobility Initiative" des amtierenden New Yorker Bürgermeisters Bill de Blasio zurückgeht. Einer der Gründe für die damalige Entscheidung sei der Einsatz von Microsoft-Software für die Video­überwachung in Downtown Manhattan gewesen. Die Stadt­verwaltung und Polizei­behörde versprach sich unter anderem niedrigere Kosten in der Anschaffung von Windows-Phone-Geräte, verglichen zu den damaligen alternativen Geräten mit iOS oder Android als Betriebssystem.

Maßgeblich verantwortlich für die Planung und Genehmigung war Jessica Tisch, Deputy Commissioner for Information Technology des NYPD. Damals hieß es unter anderem, dass niemand bei Verstand 36 000 Smartphones kaufen würde, wenn eine einzelne Person dies entscheide. Der damals verantwortliche Chief Commissioner Bill Bratton ließ Tisch mehr oder weniger freie Hand bei der Sache, da sie, wie er mal scherzhaft erwähnte, unausstehlich sei, wenn es nicht nach ihren Vorstellungen ginge.

Schon damals lag der US-Marktanteil von Windows-Smartphones bei gerade 2,3 Prozent und die Zukunfts­fähigkeit der Plattform wurde erheblich in Frage gestellt.

Windows Phone
Bill de Blasio und Jessica Tisch bei der Vorstellung des Smartphone-Programms für das NYPD

Problemfall Spezial-Apps

Neben dem Wechsel der Hardware ist vor allem die Migration von einem guten Dutzend Spezial-Apps ein nicht gerade kleines Problem. Besagte Apps ermöglichen es den Polizisten jederzeit auf die Daten­banken des NYPD zuzugreifen, Berichte anzufertigen und selbst Notrufe aus der Zentrale in Echtzeit zu empfangen. Laut den Plänen sollten die Smartphones zu einem der wichtigsten Hilfsmittel für den Einsatz werden.

Ein Kommentar zu dem Bericht wird frühstens für den kommenden Montag erwartet, wenn Jessica Tisch aus ihrem Urlaub zurück kommt. Unterm Strich wird das Projekt Smartphone für Polizisten damit nun deutlich teurer als geplant. Immerhin muss nach nur einem Jahr Betrieb bereits der gesamte Geräte-Pool ausgetauscht werden - die Portierung der Spezial-Apps durch einen möglichen externen Dienstleister ist dabei noch gar nicht mit eingerechnet.

Lesen Sie in einem weiteren Artikel, wie die Polizei Bayern die Kommunikation mit Polizeibeamten per Smartphone verbessern will.

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