Windows 10 on ARM

Windows 10 on ARM ist nur für PCs

Joe Belfiore hat sich die Ehre gegeben und ist als Gast im Podcast des Windows-Insider-Teams aufgetreten. Dort hat er ein bisschen über das kommende Windows 10 on ARM geplaudert und wichtige Details preisgegeben.
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Windows 10 on ARMWas gehant wurde, ist nun offiziell: Windows 10 on ARM ist nur für PCs Windows-Fans, die mit Begeisterung Microsofts Betriebs­system Windows 10 Mobile nutzen, durch­leben eine harte Zeit. Nicht nur ist die Auswahl an hoch­wertigen Apps gelinde gesagt über­schaubar, es gibt auch kein Fall Creators Update mehr für den Smartphone-Ableger von Windows 10. Umso hoffnungs­voller waren die Blicke in die Zukunft, als Microsoft Windows 10 on ARM auf der Build 2017 demonstrierte.

Nun hat Joe Belfiore, seines Zeichens Corporate Vice President der Operating Systems Group bei Microsoft, in einem Videocast des Windows-Insider-Teams etwa ab Minute 47:20 Stellung bezogen. So habe er klar­gestellt, dass Windows 10 on ARM für PCs entwickelt wurde und daher auch nur auf diesen ein­gesetzt wird. Ein Update für ältere Windows-10-Mobile-Smartphones wie das Microsoft Lumia 950 (XL) oder HP Elite X3 ist aus­geschlossen. Zumindest auf offiziellem Wege, zumal ein vollwertiges Windows-Betriebssystem auf einem gut 5 bis 6 Zoll großem Display fürchter­lich zu bedienen sein dürfte.

Diese zu erwartende Nachricht ist aber nur ein Teil des Interviews. Belfiore hat auch wichtige Einblicke in die tech­nischen Gründe für diese Entscheidung gegeben.

Alles eine Frage der Treiber

Denn was bei Android und den einzelnen Prozessoren gilt, hat auch bei Windows 10 on ARM Bestand. Ohne die für einen Chip bereit­gestellten Treiber ist kein Betriebs­system machbar. Eine universelle Unterstützung für eine Vielzahl an Prozessoren wie im üblichen Desktop-Bereich mti x86-Prozessoren ist bei ARM-Prozessoren nicht machbar. Entscheidend ist bei diesen SoCs (System-on-a-Chip) das sogenannten Board Support Package, kurz BSP. Dieses umfasst die Treiber für den jeweiligen Prozessor und dessen Bestand­teile und ist maßgeblich an der Kommunikation zwischen SoC, Betriebs­system sowie dem Rest der Hardware beteiligt.

Jedes BSP berück­sichtigt dabei die jeweils spezifischen Eigen­schaften des SoC, für welchen es erstellt wurde. Außerdem enthält ein BSP zusätzlich eine nicht unerhebliche Menge spezieller Code-Anpassungen für ein Betriebs­system, was letzten Endes auch zu Verzögerungen oder gleich ganz ausbleibenden Updates führen kann. Ein Punkt, der unter anderem in der Android-Welt eine beachtliche Rolle spielt und regelmäßig für Verärgerung sorgt.

Unterm Strich will Microsoft mit Windows 10 on ARM die ganz speziellen Eigenschaften eines ARM-Prozessors für die Desktop-Welt nutzen. Aufgrund einer gänzlich anderen Architektur arbeiten ARM-Prozessoren erheblich sparsamer als ihr x86-Pendant, was neben der dauer­haften Verbindung im Standby-Modus mit ein Grund für die ARM-Variante von Windows 10 darstellt. Theoretisch werden dadurch besonders ausdauernde Geräte möglich.

Auch Tablets und 2in1 sind betroffen

Sicherlich richtete sich Belfiores Erklärung in erster Linie an Nutzer eines Windows-Smartphones, man kann die Sache aber auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Denn spinnt man die Sache mal etwas weiter und schaut in andere Geräteklassen, dann sind ebenso ARM-basierte Notebooks, 2in1 und Tablets betroffen. Diesen Geräten könnte genau dasselbe drohen, dass Windows 10 on ARM vielleicht auf diesen läuft, aber keine Updates mehr kommen.

Zum Tragen kommt der Nachteil insbesondere dann, wenn ein neues Update für Windows 10 größere Anpassungen auf Seiten des BSP benötigt, sodass sich Qualcomm nicht verpflichtet sieht, ein aktualisiertes BSP für das nächste Update von Windows 10 on ARM bereitzustellen. Schon gar nicht, wenn es sich um einen älteren und dazu noch wenig verbreiteten Chip handelt. Da aktuell lediglich der Snapdragon 835 offiziell für Windows 10 on ARM unterstützt wird, könnte zumindest für zwei Jahre der Support seitens Qualcomm gewährleistet sein. Alles darüber hinaus ist in der Branche völlig unklar.

Schlüsselkomponente Update-Zeitraum

Oder Microsoft schließt einen milliarden­schweren Deal mit Qualcomm für eine besonders lange Zeit­spanne ab, um nicht schon von Beginn an für Unmut unter seinen Kunden zu sorgen. Doch das ist alles nur Spekulation. Letzten Endes zählt, dass Joe Belfiore über­haupt klar Stellung bezogen und erklärt hat, wie sich denn überhaupt die Sache mit Windows 10 on ARM und möglichen Updates verhält.

Denn wie zuvor schon angesprochen, werden Prozessoren in der Smartphone-Welt eher seltener jahre­lang mit neusten Treibern in Form des BSP versorgt. Besten­falls Highend-SoCs wie ein Snapdragon 835 genießen Unter­stützung über mehrere Jahre, wobei nach zwei Jahren selbst Flaggschiff-Smartphones in der Regel keine größeren Betriebs­system­updates mehr erhalten. Insofern ist die lang­fristige Update-Versorgung ein enorm wichtiger Punkt. Nicht das es nach dem dritten Update heißt, wieder ein neues Gerät kaufen zu müssen, um überhaupt weiter­hin Updates abseits üblicher Bugfix-Patches zu bekommen.

Denn mit dem Fall Creators Update wird es wieder einige interessante Neuerungen geben, die auch für das ARM-Windows von Interesse wären.

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