Windows 10 on ARM

Build 2017: Windows 10 läuft auf einem Smartphone

Mit Windows 10 Mobile wollte Microsoft viel gewinnen, ist daran aber gescheitert. Auf der Build 2017 hat nun ein kleines und unscheinbares Gerät auf der Bühne für einen großen Aha-Effekt bei aufmerksamen Beobachtern gesorgt.
Von Stefan Kirchner
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Klein und unscheinbar ist es zwar bei näherer Betrachtung auch wieder nicht, aber deutlich kleiner als Mini-PC ist es allemal. Die Rede ist von Qualcomms Entwicklerplattform für den Snapdragon 835, welche Microsoft während der zweiten Keynote auf der Build 2017 Entwicklerkonferenz nutzte, um einen ersten Ausblick auf Windows 10 on ARM zu gewähren. Exakt dieses Gerät ist den Kollegen von WinFuture aufgefallen und lässt damit den Schluss zu, dass Microsoft das richtige Windows 10 für Smartphones ohne großes Tamtam vorgeführt hat.

Inhalt der Vorführung war die Demonstration der neuen Emulationsschicht für Windows 10, welche die Ausführung von x86-Programmen auf einem ARM-Prozessor ermöglicht. Lediglich das Display des Entwicklergerätes hat Microsoft während des Vortrags abgeschaltet. Anderenfalls wäre es noch deutlicher aufgefallen, dass Microsoft keinen Kleinst-PC, sondern ein Smartphone für die Demonstration genutzt hat. Der Überraschungseffekt wäre damit sofort verpufft.

Cobald und die volle Windows-Experience

Windows 10 on ARMBuild 2017: Windows 10 on ARM auf echtem Smartphone entdeckt Untermauern lässt sich der Fakt, dass Windows 10 on ARM auf dem Entwicklergerät von Qualcomm arbeitet mit dem verwendeten Codenamen. Dieser lautet Cobalt, wird von Qualcomm für besagte Entwicklerplattform verwendet und taucht in den Systemeinstellungen des demonstrierten Windows 10 on ARM auf. Sollte dies doch nicht der Fall sein, dann dürfte es sich zumindest um ein sehr ähnliches Gerät handeln. In jedem Fall ist es eine kleine Sensation.

Zuletzt versuchte Microsoft noch vehement den endgültigen Ausstieg aus dem Smartphone-Geschäft zu dementieren. Windows 10 Mobile ist faktisch zwar für tot erklärt worden, der Konzern mit Sitz in Redmond hält aber vorerst noch an der Plattform fest. Microsoft-CEO Satya Nadella höchstselbst hat die Verbundenheit zu mobilen Geräten bekräftigt und gesagt, man werde wieder eigene Smartphones bauen. Mit den neuen Erkenntnissen von der Build 2017 wird das Bild daher klarer, was Nadella mit seiner Aussage gemeint haben könnte.

Jedenfalls ist das Besondere an der Emulationsschicht, dass x86-Programme ohne vorherige Anpassung im Programmcode und in nahezu voller Geschwindigkeit auf einem ARM-Prozessor ausführbar sind. Im Channel-9-Video von Microsoft gehen die beiden Microsoft-Mitarbeiter Hari Pulapaka und Arun Kishan näher auf die Funktion ein. "Nahezu volle Geschwindigkeit" ist in diesem Zusammenhang natürlich ein dehnbarer Begriff, denn unter Realbedingungen kann es auch ganz anders aussehen. Zumal bisher nur ein einziger ARM-Prozessor offiziell überhaupt leistungsstark genug für Microsofts Pläne ist und der hört auf den Namen Qualcomm Snapdragon 835. Daher sollte man davon ausgehen, dass das die minimalen Voraussetzungen für Windows 10 on ARM Geräte sein werden.

Windows 10 on ARM
Monitorausgabe der Entwicklerplattform von Qualcomm mit einem Snapdragon 835 und Windows 10 on ARM

Verbessertes Windows Continuum?

Mit Windows 10 Continuum wollte Microsoft bereits das Smartphone zum PC-Ersatz machen, indem man per Dockingstation lediglich Monitor, Maus und Tastatur anschließt. Zwar hatte man mit der Universal Windows Platform kurz UWP ein passendes Software-Konzept, welches sowohl auf PC als auch Smartphone funktioniert, konnte allerdings nicht genügend Entwickler dafür begeistern.

Ein weiterer Punkt ist die nötige Rechenpower auf Seiten des im Smartphone verbauten Prozessors gewesen. Lediglich ausgewählte Chips wie der Snapdragon 617 und 820 waren von Microsoft dazu auserkoren, fit genug für UWP-Apps und den speziellen Anforderungen zu sein.

Wie man es auch drehen und wenden will, aber Windows 10 on ARM könnte die Evolution der Continuum-Idee sein und das in die richtige Richtung. Denn: Mit der Emulation von x86-Programmen auf einem ARM-Prozessor steht theoretisch die komplette Welt der Windows-Programme zur Verfügung. Das ein Adobe Photoshop mal auf einem Snapdragon 835 bestückten Smartphone läuft ist zwar alleine schon wegen der Displaygröße und rohen Prozessorleistung utopisch, aber es zeigt dafür wiederum, dass das Verschwinden der Grenzen zwischen PC und Smartphone greifbar nahe ist.

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