Betriebssystem

Windows 10 on ARM vorgestellt

Lange wurde spekuliert, nun ist es soweit: Microsoft hat auf dem Technology Summit von Qualcomm Windows 10 on ARM zusammen mit den ersten Geräten offiziell vorgestellt. Dabei enthüllte der Konzern nur unwesentlich Neues.
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Windows 10 on ARMWindows 10 on ARM ist zusammen mit den ersten Geräten offiziell Windows 10 hat sich seit seinem Start vor gut zwei Jahren ganz ordentlich entwickelt. Neben diversen Sicherheits­funktionen stehen unter anderem auch Kreative im Blickpunkt von Microsoft, sowie PC-Spieler - auch wenn da nicht alles perfekt läuft.

Nun hat Microsoft das nächste Kapitel für das aktuelle Betriebs­system aufgeschlagen, indem mit Windows 10 on ARM jetzt auch ganz offiziell ARM-basierende Prozessoren das Windows-Betriebssystem ausführen können. Die Plattform selbst nebst den ersten zwei Geräten für Endkunden hatte der Konzern auf dem Technology Summit von Qualcomm vorgestellt.

Entgegen mancher Spekulationen schwieg Microsoft zu Gerüchten oder gar Andeutungen zu einem möglichen Surface Smartphone.

Ära des Always Connected PC

Bei dem Betriebssystem handelt es sich um ein ganz normales Windows 10, wie es Millionen Nutzer bereits auf ihren PCs, Notebooks und Windows-Tablets verwenden. Auch alle Unternehmens­funktionen wie Active Directory, BitLocker zum Verschlüsseln von Datenträgern, Gruppenrichtlinien oder Domänenverwaltung sind verfügbar - mit dem Unterschied, dass der Kern vollständig auf die ARM-Architektur portiert wurde. Daraus ergeben sich enorm lange Akku-Laufzeiten, weshalb Microsoft die neue Geräte-Kategorie für Windows 10 on ARM auch als "Always Connected PC" bezeichnet. Auf nahezu allen kommenden Windows-Geräten mit ARM-Prozessoren dürfte zudem die Variante Windows 10 S vorinstalliert sein, deren einzige Bezugsquelle für neue Programme der Microsoft Store ist. Auf diese Weise kann Microsoft die Installation von ARM-optimierten Programmen gezielt vorantreiben.

Die Bezeichnung "Always Connected PC" kommt dabei nicht von ungefähr: Ein Laptop mit dem Snapdragon 835, der vorerst einzige von Microsoft unterstützte ARM-Prozessor, besitzt ein eingebautes LTE-Modem und kann daher bei eingelegter SIM-Karte jederzeit auf das Internet zugreifen. Dank der sehr Energie-effizienten ARM-Architektur kommt ein solcher Laptop im Dauer­betrieb auf bis zu 20 Stunden Laufzeit mit nur einer Akkuladung. Beschränkt sich der Anwender lediglich auf das Abrufen von Mails im Standby-Betrieb, liegt die Laufzeit sogar bei bis zu 30 Tagen laut Microsoft, bevor der Akku wieder aufgeladen werden muss.

Die ersten Geräte kommen von Asus und HP Anfang 2018 in den Handel. Deren Vorteil sowie von Always Connected PCs im Allgemeinen, ist deren sehr schnelle Verfügbarkeit, da sie quasi nie komplett ausgeschaltet werden. Ganz wie es bei Smartphones und Tablets üblich ist.

Echte Windows-Programme für ARM-Geräte

Für Microsoft ist es dennoch nicht der erste Ausflug in die Welt der ARM-Prozessoren. 2013 versuchte es der in Redmond ansässige Software-Konzern mit Windows RT schon einmal, welches speziell für preiswerte Windows-Tablets gedacht war. Aufgrund der Einschränkung, dass nur speziell angepasste ARM-Programme auf dem System ausführbar waren, floppte das Betriebs­system und damit ausgestattete Tablets. Das Interesse an UWP-Programmen (Universal Windows Platform) und die Einschränkungen des Betriebs­systems selbst konnten nicht genügend Interesse auf Seiten der Entwickler wecken.

Der entscheidende Unterschied von Windows 10 on ARM, verglichen zu Windows RT, liegt im x86-Emulator. Dadurch ist es möglich, dass auf dem für ARM-Prozessoren konzipierten Windows 10 ganz normale Windows-Programme wie WinRAR, der VLC-Player und sogar Schwer­gewichte wie die Microsoft-Office-Suite oder Adobe Photoshop installier- und ausführbar sind. Als Nachfolger von Windows RT ist das neue Windows 10 on ARM allerdings nicht zu betrachten, wie Microsoft betont.

Microsoft selbst gibt an, dass in den vergangenen Monaten sehr viel Arbeit in die Optimierung des x86-Emulators gesteckt wurde. Als Resultat sollte es kaum einen nennens­werten Performance-Unterschied zu vergleichbaren Geräten mit Intel- oder AMD-Prozessor geben - wobei der Konzern dies nicht für jede Anwendung in Aussicht stellt. Weniger bekannte Programme könnten trotzdem mit deutlichen Performance-Problemen zu kämpfen haben. Denkbar wäre dies vor allem bei Open-Source-Programmen, die eine geringe Verbreitung haben.

Für Geräte mit Windows 10 on ARM als Betriebs­system hat Microsoft übrigens eine speziell angepasste Variante von Office365 entwickelt. Wer will kann trotzdem das echte Office-Paket von Microsoft installieren und nutzen.

Ein kleiner Blick hinter die bunte Fassade

So toll sich das auch alles anhören mag, dass Windows 10 on ARM mobile Geräte mit sehr langen Laufzeiten ermöglicht, hat Microsoft nicht alles offengelegt. Zum Beispiel gab es keinerlei konkrete Aussagen, wie sich native Windows-Programme im 32-Bit-Modus auf die Performance oder Akkulaufzeit auswirken. Eine Demonstration entsprechender Anwendungen gab es während des Technology Summit von Qualcomm anscheinend nicht. Es wird bereits spekuliert, dass solche Demos während der CES 2018 in Las Vegas von Asus, HP und eventuell Lenovo vorgeführt werden könnten. Letztere wollen ihr erstes Windows-10-on-ARM-Gerät erst Anfang 2018 vorstellen. Teltarif wird live vor Ort sein und über die Messe­neuheiten berichten.

Etwas nüchtern betrachtet könnte sich Microsoft daher die x86-Kompatibilität als kleines Schlupfloch geschaffen haben, um Entwickler stärker zur Entwicklung von UWP-Apps zu drängen, ohne die Attraktivität des neuen Betriebs­systems an sich zu schmälern. Dies bedeutet wiederum, dass der Microsoft Store stärker in den Vordergrund rückt mit Apps für Windows 10 S - was die einzige Möglichkeit für diese Windows-10-Variante ist, an neue Programme zu kommen. Die Installation von Programmen über gebräuchliche Setup-Dateien im EXE- oder MSI-Dateiformat ist für Windows 10 S von Microsoft nicht vorgesehen und daher gesperrt. Einzige Lösung wäre ein Upgrade auf Windows 10 Pro, was Microsoft bis einschließlich 31. März 2018 kostenlos anbietet.

Vor allem darf eine Sache nicht vergessen werden: Intel sieht die Entwicklungen rund um Windows 10 on ARM überhaupt nicht gern. Anfang Juni hatte der Chip-Gigant in einem Blogeintrag indirekt Microsoft gewarnt, den x86-Emulator im Windows-Betriebssystem zu integrieren. Der Konzern sieht Patente rund um die x86-Architektur verletzt, im Speziellen die Instruction Set Architecture, kurz ISA. Insofern könnte es durchaus noch rechtliche Konsequenzen geben in der Geschichte rund um Windows 10 on ARM.

Lesen Sie in einem weiteren Beitrag, was ein Snapdragon 835 von Qualcomm mit künstlicher Intelligenz zu tun hat.

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