Branchgengeflüster

Microsoft: Winamp ist tot - lang lebe das Lama?

Konzern könnte Medienplayer und Shoutcast-Streaming-Service kaufen
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Die ges­trige An­kün­digung [Link entfernt] be­deu­tete das ge­dank­liche Ende einer Ära - der Ära des Lamas. Damit ist nicht etwa ge­meint, dass die spuck­enden Tiere aus­ge­stor­ben sind, viel eher hat sich AOL dazu ent­schlossen dem Medien­player Winamp und allen damit ver­bun­den­en Diens­ten den Stecker zu ziehen. Nach ei­ner er­folg­rei­chen In­stalla­tion wurde von dem Player stets das cha­rak­teris­tische Audio-File ab­ge­spielt, in dem es um ein Lama ging. Wer sich aus nos­tal­gischen Grün­den noch eine Kopie des Players sichern möchte, hat dafür nur noch bis zum 20. De­zember Zeit.

Screenshot von der noch aktiven Winamp-Seite.Erinnerungsfoto von der noch aktiven Winamp-Seite Wie der amerikanischen Tech-Blog TechCrunch nun aber erfahren haben will, könnte es ein unerwartetes Wiedersehen mit dem Player geben. Der Quelle nach befindet sich der Winamp-Mutterkonzern AOL derzeit in Übernahme-Gesprächen mit Microsoft. Demnach will das Redmonder-Unternehmen sowohl den Medienplayer als auch den Streaming-Service Shoutcast übernehmen. Sowohl Microsoft als auch AOL lehnen bisher Kommentare zu den Gerüchten ab. So wie es aussieht, arbeiten beide Parteien momentan noch an dem Preis der Übernahme.

Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, wirft der Deal jedoch einige Fragen auf. Die offensichtlichste ist dabei, was genau Microsoft mit dem Service vorhat. Eine denkbare Möglichkeit wäre, dass Shoutcast zusammen mit den rund 52 000 Radiostationen in Microsofts eigenen Dienst Xbox-Music integriert werden könnte. Damit könnte das Angebot erweitert werden und der Dienst sich zu einem Konkurrenten von Pandora oder Spotify entwickeln. Letzteres wird momentan mit etwa vier Milliarden US-Dollar bewertet, eine Shoutcast-Übernahme dürfte Microsoft weniger kosten.

Winamp nach Übernahme durch AOL ohne Richtung

Der WINdows-Advanced-Multimedia-Products-(Player) wurde erstmals am 21. April 1997 veröffentlicht. Zwar wurde der MP3-Codec schon früher erfunden, es mangelte aber an einem entsprechenden Angebot an Wiedergabemöglichkeiten, abseits der Produkte großer Konzerne. Winamp entwickelte sich schnell zu dem Lieblingsplayer von Musik-begeisterten, Geeks und Leuten, die ihre Musik mit Hilfe von Napster heruntergeladen hatten.

1999 wurde die Mutterfirma von Winamp, Nullsoft, von AOL übernommen. Was danach geschah wird von vielen nur als "lebenserhaltene Maßnahme" bezeichnet. Zwar hatte Winamp weiter Millionen von Nutzern und auch die Premium-Variante verkaufte sich, nur welches Ziel der Internetpionier mit dem Medienplayer hatte, war nicht ersichtlich. 2010 wurde eine Android-Variante der Software veröffentlicht, gefolgt von einer Mac-Version ein Jahr später, danach wurde es aber erneut still um die Firma.

Hinzu kamen Streitigkeiten zwischen dem Entwickler von Winamp und dem Mutterkonzern. Im Jahr 2000 veröffentlichte er mit Gnutella ein File-Sharing-Protokoll und tat damit etwas, das der Strategie von AOL nun wirklich nicht entsprach. In einem Interview mit dem US-Tech-Blog Arstechnica fasst der erste Manager von Winamp die Lage recht gut zusammen. Er sagt dort frei übersetzt, dass es außer dem Missmanagement von AOL keinen Grund gäbe, warum Winamp heute nicht in der Position sein könnte, in der iTunes ist.

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