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WIFIonICE im Test: Kostenloses WLAN im ICE ausprobiert

Von Berlin nach Hamburg haben wir im ICE das neue WIFIonICE von Icomera einem Test unterzogen. Dafür haben wir per Zattoo gestreamt und im Internet gesurft. Lesen Sie, ob das WLAN Top oder Flop ist.
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Die Deutsche Bahn rüstet derzeit wie berichtet das WLAN-Angebot in ihren Zügen um, da das Unternehmen den Partner für das Hotspot-Netz gewechselt hat. Statt der Deutschen Telekom bietet künftig der schwedische Dienstleister Icomera das WLAN in den ICE-Zügen an. Die Anbindung soll dann über alle LTE-Netzbetreiber in Deutschland und nicht mehr nur über die Telekom erfolgen. Hier geht's los ins Internet im ICEHier geht's los ins Internet im ICE

Doch noch sind nicht alle ICEs in Deutschland umgerüstet. Nach mehreren Fehlversuchen in den vergangenen Wochen hatten wir nun das Glück, mit einem der schon umgerüsteten Züge zu fahren, in denen sowohl die Kunden in der 1. Klasse als auch in der 2. Klassen das WLAN-Netz mit der Bezeichnung "WIFIonICE" kostenlos ausprobieren können. Denn einige der "neuen ICE" sind inzwischen wieder mit kostenpflichtigem WLAN unterwegs. Erst ab Dezember soll die Nutzung dann generell kostenlos sein.

Jetzt kann es losgehen.Jetzt kann es losgehen. Auf der Fahrt von Berlin nach Hamburg haben wir das "WIFIonICE" einem Test mit dem Samsung Galaxy S7 unterzogen, also so getestet, wie die meisten Fahrgäste das WLAN-Netz auch nutzen würden. Dabei wurden von uns in regelmäßigen Abständen mit dem Speedtest.net die Down- und Upstream-Geschwindigkeiten samt der Ping-Zeiten gemessen. Zudem haben wir für unsere Testzwecke im Internet gesurft und Videostreaming per Zattoo durchgeführt.

WLAN im ICE mit starken Schwankungen

Das Einbuchen selbst erfolgte problemlos über die automatische erscheinende Landing-Page und eine Bestätigung der Nutzungsbedingungen. Bei unseren anschließenden Messungen haben wir 0,38 bis 3,10 MBit/s im Downstream und von 0,04 bis 1,06 MBit/s im Upstream erreicht. Die Ping-Zeiten betrugen zwischen 60 und 130 ms - im Durchschnitt waren es etwa 80 bis 85 ms. Kurios: Mit zunehmender Entfernung von Berlin stiegen die Pingzeiten im Test an. Die Ping-Zeiten sind vor allem für jene Nutzer wichtig, die sich in Firmen-Netzwerke einbuchen müssen. Spiele mit kurzer Ansprechzeit dürften im Zug wohl die wenigsten Nutzer spielen. Der Speedtest könnte schneller seinDer Speedtest könnte schneller sein

An der Grenze von Brandenburg zu Mecklenburg-Vorpommern haben wir mit 0,44 MBit/s die niedrigste Downstream-Performance gemessen. Dafür haben wir mit 0,49 MBit/s eine der höchsten Uploadraten erhalten - das war aber auch der einzige Fall, bei dem der Upstream höher als der Downstream ausfiel. Kurze Zeit später hatten sich die Werte allerdings wieder "normalisiert" und sind im Downstream über 2 MBit/s gekommen; der Upstream war dafür auf magere 0,11 MBit/s gesunken.

Der Wechsel zwischen den höheren und niedrigen Down- und Upstream-Geschwindigkeiten hat uns leider über die komplette Fahrt bis kurz vor Hamburg begleitet. Eine stabile Verbindung sieht anders aus, dabei war der Zug nur halb besetzt.

Internetverbindung war nicht immer vorhanden

Mehrere Messungen im ÜberblickMehrere Messungen im Überblick Im Test der Qualität des WLAN-Angebotes im ICE haben wir - egal bei welcher Anwendung - zum Teil starke Schwankungen festgestellt. So konnten wir uns zwar in den Hotspot einbuchen, haben dann aber öfter keine gute Internet-Verbindung herstellen können. Bei unserem Streaming-Versuch vom ZDF über Zattoo hat "WIFIonICE" ebenfalls zum Teil versagt, da wir beim Streaming manchmal längere Aussetzer bei der Übertragung der Bildinformationen hatten. Aber wir haben es auch geschafft mal 10 Minuten am Stück die Sendung ohne Probleme verfolgen zu können. Auch das Ansurfen ausgewählter Webseiten klappte im Test nicht immer einwandfrei und so mussten wir warten, bis die jeweilige Seite alle Daten samt der Bilder geladen hatte.

Erstes Fazit: WLAN im ICE ist verbesserungsbedürftig

Gelegentlich konnten wir für ein paar Minuten ohne Probleme über "WIFIonICE" im Internet surfen und das Streaming-Angebot von Zattoo auf dem Samsung Galaxy S7 nutzen. Optimal ist das ganze aus unserer Sicht aber noch nicht, da wir zum Teil mit starken Schwankungen zu kämpfen hatten. Die neue WLAN-Verbindung befindet sich noch in der Testphase. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Signalstärke und auch die Stabilität des WLAN-Netzes von Icomera in den ICE-Zügen verbessert. Zumindest auf der Strecke von Berlin nach Hamburg konnten wir uns für das Arbeiten im Zug nicht auf den kostenlosen Internet-Zugang verlassen. Unklar ist aber, ob schon alle drei Mobilfunknetze für die Außenanbindung genutzt werden oder es hier bis Dezember noch Änderungen gibt.

Berichte über unsicheres Netz

Unterdessen gab es jetzt Berichte, wonach das neue Netz im ICE der Bahn unsicher sei. der Chaos Computer Club (CCC) hatte eine Lücke gefunden, mit der Angreifer sensible Nutzerdaten auslesen konnten, etwa die IP- und Mac-Adresse oder die Position des Zuges. An diese Daten käme man durch eine Schwachstelle namens Cross-Site-Request-Forgery (CSRF). Hat ein Nutzer sich bei einem beliebigen Webdienst angemeldet, könnten Angreifer unerkannt Aktionen im Namen des Nutzers ausführen. Laut einem Bericht des Branchendienstes t3n hat die Bahn jedoch schon reagiert. Seit gestern wird die Lücke nach Angaben eines Bahnsprechers per Update geschlossen.

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