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Übertragen WhatsApp-Nutzer wirklich automatisch Rechte an allen Inhalten? (Update)

WhatsApp-Nutzer übertragen übermittelte Fotos und Videos automatisch an den Messenger-Betreiber. Wir berichten darüber, was ein Kölner Rechtsanwalt in den Nutzungsbestimmungen des Smartphone-Messengers darüber hinaus entdeckt hat.
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WhatsApp ist nach wie vor der beliebteste Smartphone-Messenger. Bereits seit geraumer Zeit steht die Anwendung wegen Sicherheitsmängeln in der Kritik. Vor einem Vierteljahr wurde das Unternehmen schließlich von Facebook übernommen. Daraufhin suchten Nutzer nach Alternativen. Nicht selten wird WhatsApp aber weiterhin zumindest parallel verwendet, da hier nunmal die meisten Kontakte zu finden sind.

Nun hat Rolf Becker, Rechtsanwalt in der Kölner Kanzlei Wienke & Becker, sich etwas näher mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von WhatsApp beschäftigt, wie das Handelsblatt berichtet. Auch im Kleingedruckten, das die Kunden von WhatsApp mit der Nutzung automatisch akzeptieren, finden sich Details, die den Anwendern so vermutlich nicht bewusst sind.

Rechte an Fotos und Videos gehen automatisch auf WhatsApp über

WhatsApp erneut in der KritikWhatsApp erneut in der Kritik "Die Kunden stimmen ... in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu, dass WhatsApp alle Inhalte, Bilder und ähnliches ohne Einschränkung und in allen Medienformaten und über alle Kanäle weiterverbreiten kann", so Rechtsanwalt Becker im Handelsblatt. Das heißt, die Rechte an Fotos oder Videos, die über den Messenger ausgetauscht werden, gehen automatisch auf WhatsApp über.

Der Rechtsanwalt räumte allerdings ein, es sei nicht sicher, dass die Kunden die Nutzungsrechte an über den Messenger übermittelten Inhalten auch rechtswirksam weitergeben. Aktuell könnten sich Nutzer allerdings nicht beschweren, wenn WhatsApp beispielsweise ein über den Smartphone-Messenger verschicktes Foto an eine Werbeagentur verkauft, die dieses dann für Plakatwerbung nutzt. WhatsApp lasse sich durch seine Nutzungsbestimmungen ein gebührenfreies Recht einräumen, fast alles mit den Inhalten der Nutzer zu tun, so der Anwalt im Handelsblatt.

Update 18:15 Uhr: Mittlerweile dementieren erste Medienberichte die Darstellung des Handelsblatts. Andreas Rickmann zitiert aus den Nutzungsbedingungen von WhatsApp, die nur auf Englisch vorliegen. Er behauptet, dass der Anwender das Nutzungsrecht an Inhalten überwiegend für die Nutzung von Statusupdates gegenüber WhatsApp einräumt, zu denen auch Profilbilder gehören. Das würde sich aber nicht auf per WhatsApp versandte Fotos beziehen. Wir haben die WhatsApp-Nutzungsbedingungen inzwischen einer eingehenden Prüfung unterzogen. Ende des Updates.

Jugendliche müssen draußen bleiben

Ebenfalls wenig bekannt ist die Tatsache, dass die WhatsApp-Nutzung für Interessenten im Alter von unter 16 Jahren von den Nutzungsbedingungen ausgeschlossen wird. So heißt es, der Schutz der Privatsphäre von Kindern sei besonders wichtig. Wer noch unter 16 ist, möge weder den Messenger, noch die Webseite des Dienstes nutzen.

In den vergangenen Monaten sind zahlreiche neue Smartphone-Messenger an den Start gegangen, die WhatsApp Konkurrenz machen wollen. Ein besonderes Augenmerk auf Datenschutz und Sicherheit richten dabei unter anderem der schweizerische Anbieter Threema und der von simyo ins Leben gerufene Dienst sayHey. Eine Übersicht zu den Messengern zur Nutzung am Smartphone und Tablet haben wir in einer eigenen Meldung zusammengefasst.

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