Verbessert

Editorial: WhatsApp immer wichtiger!

Nach Nachrüstungen bei der Sicherheit ist WhatsApp nun zu Recht der führende Messaging-Dienst. Wie geht es weiter und was muss noch getan werden?
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Woran erkennt man, dass ein Dienst bei den Nutzern relevant geworden ist? Nun, am besten daran, dass die Nutzer sich beklagen, wenn er - aus welchem Grund auch immer - vorübergehend oder gar dauerhaft ausgefallen ist. So, wie letzten Donnerstagabend der Messaging-Dienst WhatsApp.

Nun gibt es viele Gründe, WhatsApp abzulehnen und auf WhatsApp-Alternativen wie Threema oder Telegram zu setzen. Fakt ist allerdings: 90 Prozent der Leute, die man kennenlernt, haben schon WhatsApp, während die Verbreitung anderer Messenger in der Bevölkerung nur einen Bruchteil dieses Werts erreicht. Entsprechend passiert es immer öfter, dass man in seinem Freundes- und Bekanntenkreis auf Unverständnis stößt, wenn man einen anderen Messenger verwenden will.

Zudem hat WhatsApp beim gewichtigsten Grund, auf Alternativanbieter zu setzen, nämlich beim mangelnden Datenschutz, doch erheblich nachgebessert: Dank der neu eingeführten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung können weder WhatsApp noch staatliche Stellen die Inhalte von Nachrichten unterwegs abfangen. Zum Auslesen von Nachrichten ist Zugriff auf das Endgerät selber nötig - was in der Folge zum iPhone-Entsperr-Streit zwischen dem FBI und Apple führte. Und auch wiederholte landesweite Sperren in Brasilien haben nicht, wie von den Richtern erhofft, WhatsApp zur Herausgabe von Chat-Protokollen gebracht.

Im Gegenteil, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von WhatsApp funktioniert sogar in China - einem Land, das für seine umfangreiche Kontrolle und Sperre von herkömmlichen Web-Inhalten berühmt und berüchtigt ist. Allerdings ist der hohe Sicherheitsstandard zumindest teilweise durchlöchert: Wenn der User die Funktion aktiviert, die Chatnachrichten in die Cloud zu syncen, dann sind sie dort auch abrufbar. Dafür gehen die Chat-Inhalte dann auch nicht verloren, wenn ein Smartphone kaputt geht oder geklaut wird.

Großer Schritt nach vorn

WhatsApp immer wichtiger!WhatsApp immer wichtiger! WhatsApp verspricht zudem, dauerhaft werbefrei zu bleiben. Chat-Inhalte werden folglich - anders als zum Beispiel E-Mails bei Google Mail - auch vom Chat-Client nicht auf werberelevante Schlüsselwörter hin gescannt.

Zwar greift WhatsApp weiterhin auf die Daten im Telefonbuch des jeweiligen Nutzers zu, insbesondere, um zu ermitteln, welche Nutzer aus WhatsApp-Sicht verbunden sind, was aus WhatsApp-Sicht dann der Fall ist, wenn sowohl Nutzer A die Nummer von Nutzer B in seinem Telefonbuch gespeichert hat als auch umgekehrt. Doch ähnlich umfangreiche Bestandsdaten erheben auch die Anbieter der klassischen Kommunikationsdienste wie SMS oder E-Mail - schon aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen.

Unschön ist der Datenaustausch zwischen WhatsApp und Facebook. Neue WhatsApp-Kontakte erscheinen beispielsweise auf der Vorschlagsliste für neue Freunde bei Facebook. Nun kann jeder selbst entscheiden, ob er seine privaten WhatsApp-Kontakte via der Facebook-Freundesliste auch öffentlich macht. Aber ein Geschmäckle hat dieser Vorgang schon. Man weiß ja nicht, wohin die Kontaktliste sonst noch so gesynct wird! Insbesondere angesichts des aktuell noch fehlenden Geschäftsmodells von WhatsApp und der Absicht des Unternehmens, künftig hier einiges in Sachen Firmenkommunikation machen zu wollen, lässt so einiges befürchten.

Zu hoffen ist, dass der öffentliche Druck auf WhatsApp hoch bleibt und zur weiteren Erhöhung, nicht zur Aushöhlung, der Sicherheitsstandards führt. Auch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung war ja nicht von Anfang an aktiv. Im Vergleich zu herkömmlichen Nachrichten-Diensten wie SMS und E-Mail, die zu einem großen Teil noch im Klartext ohne Verschlüsselung abgewickelt werden, und die mit zahlreichen staatlichen Abhörschnittstellen versehen sind, die durchaus auch mal für private Zwecke missbraucht werden, ist WhatsApp ein großer Schritt nach vorn. Wer hätte das gedacht?

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