Praxistest

Wetter-Apps im Test - was die Vorhersagen in der Praxis taugen

Kostenlose Wetter-App lieferte mit die besten Resultate
Von dpa / Marc Kessler
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Man hat es geahnt: "Wetter-Apps liefern häufiger falsche Infor­matio­nen", sagt Prof. Uwe Ulbrich vom Institut für Meteo­rolo­gie an der FU Berlin. Die Güte der Vorher­sage hänge von der Aufbe­reitung der Wetter­daten ab. "Dabei gibt es einen Wider­streit zwischen den Kosten für die Inter­pretations­software und den Einnah­men für die Dienste aus Werbung oder kosten­pflichtigen Apps."

So testete die Stiftung Warentest die Wetter-Apps

Die Stiftung Waren­test hat kürzlich Wetter-Apps für Android und iOS verglichen. Ihre Prog­nosen für neun Städte weltweit mussten sich gegen jene lokaler Wetter­stationen behaupten. Die meisten Apps lieferten dabei insgesamt ordentliche Vorher­sagen, sagt Testleiter Dirk Lorenz. Besonders bei der Temperatur schnitten die meisten Anwen­dungen recht gut ab: "Die Abweichungen betrugen im Mittel zwischen 1 und 1,5 Grad Celsius."

Wetter-AppsDie Stiftung Warentest hat Wetter-Apps getestet Proble­matischer ist die Aussage­kraft digitaler Wetter­häuschen beim Niederschlag. "Das lag vor allem an der unter­schiedlichen Darstellungs­weise der Apps", sagt Lorenz. Stellen einige Anwendungen Regen mit Symbolen dar, zeigen andere die Wahr­schein­lichkeit in Prozent an. Oft müsse der Nutzer die Symbole interpretieren. Darüber hinaus seien exakte Prognosen sehr schwierig, weil Niederschläge zeitlich und örtlich extrem unter­schiedlich ausfallen könnten.

"Einige Wetter­situa­tionen sind schwierig vorherzusagen", sagt auch Prof. Ulbrich. "Ob Wolken­bildungen an der Grenze abregnen oder nicht, ist schwer zu prog­nosti­zieren", sagt er. Ein soge­nanntes Wetter- oder Nieder­schlags­radar, das die Wolken-Ausbreitung im Zeit­verlauf darstelle, sei deshalb ein Kriterium für eine gute App. Dazu kämen eine vernünftige Kurz­frist­vorher­sage mit Temperatur­anzeige und Regen­wahrschein­lichkeit, generelle Infor­mations­vielfalt sowie die Benutzer­freund­lichkeit.

Lokale Unwetterwarnungen sind wichtiger Mehrwert

Für Uwe Kirsche vom Deutschen Wetter­dienst (DWD) dürfen in einer guten App auch Unwetter­warnungen nicht fehlen. Hilfreich sei zudem eine größtmögliche Regio­nali­sierung. "Am besten sollte das Angebot über GPS für den aktuellen Ort angepasst werden", rät der Experte. Grund­sätzlich gelte aber: "In der Vorhersage gibt es keine hundert­prozentige Deckung."

Wer glaubt, mit einer Temperatur und Luftdruck messenden Wetterstation bessere Vorhersagen erzielen zu können, irrt: Die Prognosen der Stationen, die die Werte oft auch an Smartphones weitergeben können, seien wesentlich ungenauer als die Vorhersagen der App-Wetter­dienste, sagt Waren­tester Lorenz.

Geräte, die auch Wetterdaten von Dienstleistern beziehen und mit den eigenen lokalen Daten kombinieren, böten zwar genauere Prognosen als herkömm­lichen Stationen, sagt Prof. Ulbrich. Sie könnten aber mit den Prognosen der Wetter­dienste dennoch nicht mithalten.

Kostenfreie Wetter-App lieferte mit die besten Ergebnisse

Eine gute Wetter-App muss kein Geld kosten. Im Test lieferte die kostenlose Anwendung Wetter.Info gemeinsam mit der kostenpflichtigen App WeatherPro die besten Vorhersagen (Note 2,4). "Wenn der Kunde Werbe­banner akzeptiert, reicht auch eine Gratis-App", sagt Lorenz. Andererseits seien die Anwen­dungen mit rund 4 Euro auch nicht besonders teuer.

Datenschutz: Nur zwei Apps sind unkritisch

Allerdings bewer­teten die Tester das Daten­schutz-Niveau der beiden und der meisten anderen getesteten Apps als kritisch. Denn diese schicken für den eigentlichen Dienst unnötige Daten wie etwa die Geräte-ID an die Server des Anbieters und teils sogar an Dritte. Als unkritisch wurden nur zwei Apps eingestuft: Die kostenlose Wetter-App von WetterOnline, die mit akzeptablen Vorhersagen (Note 2,6) nah an die besten im Test herankommt, sowie die auf iPhones vorinstallierte Yahoo-Wetter-App mit mittelmäßigen Prognosen (Note 3,0).

GPS-Ortung: Zweischneidiges Schwert

Als sehr kritisch wurde keine der getesteten Apps bewertet. Grundsätzlich als zwei­schneidiges Schwert sehen die Warentester die Standort­erkennung per GPS: Sie sei zwar einerseits praktisch, andererseits erlaube sie den Anbietern aber auch, den Aufenthalts­ort des Nutzers nachzu­vollziehen.

Und welche Apps nutzen die Profis? Während DWD-Mann Kirsche auf die Daten seines Arbeitgebers zugreift, nutzt Lorenz gleich mehrere Apps: "Ich suche mir dann das Wetter raus, das mir am besten gefällt", sagt der Warentester. Ein Ansatz, der auch bei Prof. Ulbrich Zustimmung findet. "Das ist zwar zeitaufwendig, aber die Wahrschein­lichkeits­schätzung bei der Nutzung mehrerer Apps ist wesentlich genauer", sagt der Meteorologe.

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