Vectoring-Streit

Wettbewerber: "Ohne uns kein flächendeckendes Glasfaser-Netz"

Die Wettbewerber reagieren auf einen Verbal-Angriff von Telekom-Chef Höttges. Sie würden 80 Prozent des Glasfaserausbaus in Deutschland stemmen.
Von Thorsten Neuhetzki
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Es war klar, dass eine Reaktion nicht lange auf sich warten lässt: Heute Morgen hatte Telekom-Chef Tim Höttges auf der Hauptversammlung des Ex-Monopolisten scharf gegen die Wettbewerber geschossen. Statt in einer Tour zu kritisieren und jammern, sollten sie lieber in den Ausbau investieren, so Höttges. Jetzt kontern die Wettbewerber über ihre Branchenverbände Breko und VATM, ohne sie gäbe es kein flächendeckendes Breitbandangebot.

Die Behauptung, die Wettbewerber würden nur jammern und nicht investieren, weisen diese energisch zurück. Der Ausbau mit Glasfaseranschlüssen bis zum Gebäude (FTTB) oder bis direkt in die Wohnung (FTTH) werde mit großem Abstand durch die alternativen Netzbetreiber vorangetrieben. Nach Zahlen des Breko erfolgte Mitte 2015 über 80 Prozent des Glasfaserausbaus (FTTB / FTTH) in Deutschland durch die alternativen Netzbetreiber.

Zwar nennt auch die Telekom Zahlen für Glasfaser-Anschlüsse, rechnet hier aber VDSL und Vectoring ein. Seit neuestem weigert sich die Telekom sogar, die Anzahl der echten FTTH/FTTB-Anschlüsse zu nennen. Auf Nachfragen diesbezüglich reagierte Höttges bei der Vorlage der Geschäftszahlen vor einigen Wochen recht dünnhäutig - er werde sich nicht an der sinnfreien Diskussion über gute oder schlechte Glasfasertechnologie beteiligen.

Investoren sind verunsichert

Telekom-Chef Höttges legt sich mit den Wettbewerbern anTelekom-Chef Höttges legt sich mit den Wettbewerbern an Die Geschäftsführer der beiden Verbände, Dr. Stephan Albers und Jürgen Grützner betonen in einer gemeinsamen Erklärung: "Ohne das Engagement der alternativen Netzbetreiber wird der flächendeckende, direkte Glasfaserausbau in Deutschland nicht gelingen. Das weiß auch Timotheus Höttges sehr genau." Die seit nun mehr als 15 Monaten laufende Diskussion um den "Monopolantrag der Telekom" (Grützner) verunsichere allerdings die Investoren.

"Anders als die Deutsche Telekom versuchen wir - wo immer es wirtschaftlich möglich ist - den Zwischenschritt über VDSL Vectoring zu vermeiden und die Glasfaser gleich bis ins Haus zu legen", sagt Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. Damit lösen sich die Alternativanbieter auch weiter von der Vorleistung der Telekom - was dieser kaum schmecken dürfte.

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