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Alle Details zur Werbung in Mozilla Firefox

Mozilla spielt mit dem Gedanken, Firefox-Erstnutzern künftig Werbung in einem leeren Tab zu präsentieren. Werden Nutzer künftig "zugespammt" und wird ihr Surfverhalten von Mozilla bald verfolgt? Wir haben uns die Details und das "Warum?" einmal näher angeschaut.

Das Firefox-Logo. Das Firefox-Logo
Logo: Mozilla
In der vergangenen Woche veröffentlichte die Mozilla Foundation Pläne, Erstnutzern des beliebten Firefox-Browser Werbung anzuzeigen. Was folgte war ein Aufschrei. Darren Herman, Vizepräsident der Gruppe, die innerhalb von Mozilla für den Inhalt zuständig ist, schreibt zu der eingegangenen Kritik in einem Blog-Artikel - frei übersetzt - Folgendes: "Einige Rückmeldungen waren unterstützend, andere neugierig wieder andere ziemlich deutlich. Ich bin dennoch dankbar für alle". Was also verbirgt sich hinter Mozillas Plänen? Entwickelt sich der Browser künftig zur Spamschleuder?

Kacheln im neuen Tab zeigen für eine kurze Zeit Werbung

Das Firefox-Logo. Das Firefox-Logo
Logo: Mozilla
Die Antwort auf die Fragen ist ganz eindeutig: Weder das eine noch das andere. Das, was bisher zu Mozillas Plänen bekannt ist, deutet darauf hin, dass von den insgesamt neun Kacheln in einem leeren Tab gerade einmal drei von ihnen Werbung zeigen werden. Die verbleibenden Kacheln sollen bekannte Internetseiten aus der Region des Nutzers und aus dem Mozilla-Universum anzeigen. Die Werbekacheln werden auf gesponserte Websites verweisen, sollen sich optisch aber deutlich von den übrigen abheben. Wer jetzt befürchtet, dass ihn die Werbung für den Rest seines Browser-Lebens verfolgt, den können wir beruhigen.

Wie auch bisher werden sich die Kacheln nach und nach mit den präferierten Inhalten des Nutzers füllen. Welche Internetseiten in den Kacheln auftauchen, bestimmt dabei der "Frecency"-Algorithmus. Der Name setzt sich aus den beiden englischen Begriffen "Recency" und "Frequenzy" zusammen. Der Algorithmus füllt die Kacheln also mit Seiten, die der Nutzer vor Kurzem besucht hat und die er häufig frequentiert. Das Füllen dauert Herman zufolge ungefähr 30 Tage.

Kann mich ein Werbetreibender künftig verfolgen?

Glaubt man Herman und der Vorsitzenden der Mozilla-Foundation, Mitchell Baker, ist auch hier die Antwort ein klares Nein. Zwar würde der Browser-Hersteller die Geodaten der IP-Adresse der Anwender nutzen, um ihren Standort zu bestimmen, dieses soll aber nur dazu dienen, relevante Internetseiten in den Kacheln anzuzeigen. Beide betonen dabei aber, dass keine weiteren Daten an die Werbenden weitergegeben werden. Bisher ist zudem noch nicht klar wann und ob die Funktion überhaupt kommen wird.

Dass Mozilla nach neuen Einnahme-Quellen sucht, ist jedoch nicht weiter verwunderlich, denn während hinter den anderen Platzhirschen Chrome, Safari und Internet Explorer große Konzerne stecken, ist die Mozilla-Foundation eine Non-Profit-Organisation, die nicht auf Gewinn aus ist. Dass dies der Fall ist, bedeutet aber nicht, dass die Entwicklung des Browsers und anderer Projekte kein Geld kostet. Infrastruktur und Entwickler - um nur einige Beispiele zu nennen - wollen bezahlt werden.

Vor einer Weile sah es sogar einmal danach aus, dass Mozilla einen seiner momentan wichtigsten Sponsoren verlieren würde: Google. Der Suchmaschinengigant zahlt der Stiftung eine hohe Summe dafür, dass die Suchfunktion von Firefox den Dienst aus dem kalifornischen Mountain View nutzt.

Letztlich muss der Nutzer also abwägen, was er will: Eine unabhängige Organisation, die sich aktiv für die Weiterentwicklung des Internets und der verwendeten Techniken einsetzt und sich irgendwie finanzieren muss, oder einen Browser eines großen Konzerns – wobei wir fairerweise sagen müssen, dass sich beispielsweise auch Google für die Entwicklung des Internets einsetzt. Allerdings nicht ohne Eigennutz.

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