Web 2.0

Wer interessiert sich noch für Google Buzz?

Nach der anfänglichen Aufmerksamkeit ist kaum noch was zu hören
Von Marie-Anne Winter
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Google ist groß. Google ist mächtig. Google hat es geschafft, für die überwiegende Anzahl der Internet-Nutzer zum selbstverständlich genutzten Werkzeug zu werden - was man nicht weiß, wird schnell mal gegoogelt. Aber nicht alles, was Google macht, wird automatisch erfolgreich.

Da ist zum einen der Ärger um Google Street View. Für die einen ist der fotorealistische Kartendienst eine faszinierende Möglichkeit, um virtuell an fremden Orten spazieren zu gehen. Für die anderen ist der Dienst ein bedenkliches Instrument, um in der Privatsphäre anderer Menschen herumzuschnüffeln. Auch ist die erfolgreiche Suchmaschine inzwischen als Datenkrake verschrien, die alle möglichen Daten über ihre Nutzer sammelt - ohne dass diese Einfluss darauf hätten, welche Daten das sind und was damit angestellt wird. Zwar hat Google auf die teilweise sehr scharfe Kritik reagiert und Möglichkeiten bereitgestellt, mit denen Benutzer ihre Privatsphäre besser schützen können. Aber unabhängige Prüfungen, über welche Daten Google tatsächlich verfügt und was damit geschieht, sind nicht möglich. Der kurzzeitige Höhepunkt für Google BuzzDer kurzzeitige Höhepunkt für Google Buzz

Und dann kam Mitte Februar Google Buzz. Der neue Messaging-Dienst, als Twitter-Konkurrenz antrat, löste ein geradezu hysterisches Medienecho aus. Twitter sei gestern, Buzz die Zukunft hieß es. Dann folgte eine fast ebenso hysterische Schelte, denn Google hatte reichlich unreflektiert allerlei tolle Features in seinen neuen Dienst eingebaut, mit denen jeder sehr persönliche Informationen über andere erfahren konnten - ohne, dass die Betroffenen eine Chance hatten, das im Vorfeld zu verhindern. Viel Munition für Verbraucher- und Datenschützer. Doch der Wirbel um Buzz hat sich erstaunlich gelegt - und nun hört man so gut wie gar nichts mehr.

Keine Beweise, aber Indizien

Das bestätigt auch eine Analyse von Search Engine Land. Anhand von Daten, die Chikita Network erhoben hat, lässt sich feststellen, dass "Buzz" keineswegs eins der aktuellen Buzzwords ist, mit denen man heute um Aufmerksamkeit buhlen könnte. Im Gegenteil. Das Online-Werbenetzwerk Chitika hat zwar am 9. Februar, als Googles Buzz gelauncht wurde, etwa 1 500 Suchanfragen für "Google Buzz" verzeichnet - etwa 15 Mal so viele wie für den Suchbegriff "Twitter". Doch danach sank die Rate rasant nach unten: Einen Tag später waren es nicht mal mehr ein Drittel der Anfragen. Mittlerweile hat sich die Quote unterhalb von zehn Suchanfragen täglich eingependelt.

Auch das Analyse-Tool der Suchmaschine selbst, Google Insights für Search, bestätigt dieses Bild: Nach dem Peak am 9. Februar fällt die Kurve steil ab und pendelt sich mit geringen Abweichungen nach oben auf dem Niveau von vor dem Lauch ein. Zum Vergleich liegen die Anfragen nach Twitter konstant deutlich über den Werten von Google Buzz.

Nun sagen Suchanfragen nach Begriffen nichts über die Nutzung der Dienste an sich aus. Sie sind aber schon ein Gradmesser für Aufmerksamkeit und Interesse. Und so wie es derzeit aussieht, hält sich das Interesse für Google Buzz in Grenzen. Der Frage, ob Google Buzz ein Flopp ist, gehen natürlich auch andere nach. Ein Autor von T3N hat die Zahlen seiner Accounts verglichen, bei denen die Buzz-Inhalte weit abgeschlagen hinter denen bei Twitter oder Facebook liegen. Bleibt die Frage, warum Buzz trotz des furiosen Auftaktes nun so still vor sich hindümpelt. Haben die Datenschutzprobleme beim Start potenzielle Nutzer abgeschreckt? Oder sind Twitter und Facebook einfach schon so etabliert, dass andere Dienste es daneben schwer haben - selbst wenn eine Internet-Weltmacht wie Google dahinter steht? Oder geht Buzz ganz einfach an den Bedürfnissen der Nutzer vorbei?

Was meinen Sie:

Ist Google Buzz schon tot oder kommen die buzzigen Zeiten noch?




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