Streit

USA vs. Europa: Streit um hohe 5G-Frequenzen

Nächste Woche startet die überaus wich­tige Welt­frequenz­konfe­renz in Sharm el-Sheikh in Ägypten. Hier werden Weichen für 5G gestellt. Welt­weit sollten überall die glei­chen möglichst hohen Frequenzen nutzbar sein.
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Nächste Woche startet in Sharm el-Sheik (in Ägypten) die Welt­frequenz­konfe­renz 2019 der ITU (Inter­natio­nale Tele­commu­nica­tions Union, eine Orga­nisa­tion im Rahmen der Vereinten Nationen (UNO)).

Streit zwischen USA und Europa um 5G

Bei der Weltfrequenzkonferenz 2019 geht es unter anderem um 5G auf hohen Frequenzen. Wetterforscher befürchten Störungen bei der Sturmwettervorhersage.Bei der Weltfrequenzkonferenz 2019 geht es unter anderem um 5G auf hohen Frequenzen. Wetterforscher befürchten Störungen bei der Sturmwettervorhersage. Dort zeichnet sich ein Konflikt zwischen den USA und Europa über die zukünf­tige Entwick­lung von 5G ab.

Der Welt-Dach­verband für Mobil­funk, die GSMA, befürchtet, dass die mögli­chen Beschlüsse der WRC "ein Risiko für ein globales Wirt­schafts­wachstum in Höhe von 565 Milli­arden US-Dollar (ca. 508 Milli­arden Euro) für die nächsten 15 Jahre darstellen könnte.

Gefahr für das Wirt­schafts­wachstum?

Dieses denk­bare Wirt­schafts­wachstum durch die "5G-Dienste der nächsten Genera­tion" hänge von der Verfüg­barkeit bestimmter Funk­frequenzen ab, den soge­nannten Milli­meter­wellen­frequenzen ("mmWave"), die auf der WRC-19 an die Mobil­funk­betreiber zuge­teilt werden sollen. Insbe­sondere um Frequenzen bei 20 GHz und weit darüber hinaus gibt es heftigen Streit.

Aus Europa kommen Über­legungen, die Nutzung dieser "kriti­schen" Frequenzen aufgrund mögli­cher Störungen mit Welt­raum­diensten zu beschränken. Das ließe die Zukunft von 5G ins Wanken geraten, befürchtet der Welt­verband. Für Brett Tarnutzer, Herr der Frequenz­planung und -verwal­tung bei der GSMA steht viel auf dem Spiel: „Wir fordern Europa auf, gemeinsam mit den USA auf der WRC-19 eine Pro-5G-Posi­tion einzu­nehmen, um seine digi­tale Zukunft zu schützen." Er bemän­gelt, dass einige Behörden nach wie vor entschlossen seien, die mobile Nutzung von Funk­wellen zu beschränken, die 5G benö­tige, um sein volles Poten­zial ausschöpfen zu können.

Es muss ausge­wogen sein

"Wir konzen­trieren uns darauf, sicher­zustellen, dass alle Regionen an Bord einer ausge­wogenen Lösung sind, die robuste 5G-Frequenzen welt­weit ermög­licht und gleich­zeitig die Satel­liten­inter­essen welt­weit schützt", sagte Tom Power, Senior Vice Presi­dent und Chef-Justi­tiar der CTIA, dem Dach­verband der US-ameri­kani­schen Tele­kommu­nika­tions­indus­trie.

USA hat die höchsten Geschwin­digkeiten

Derzeit gebe es die schnellsten 5G-Spit­zenge­schwin­digkeiten in den USA. Das liege daran, dass die USA "mmWave" (genutzt werden derzeit Frequenzen bei 25 GHz) als erste bereit­gestellt haben. Die Vorteile der Nutzung dieses Spek­trums lägen auf der Hand. Nur durch die welt­weite Harmo­nisie­rung auf der WRC-19 würden alle Regionen den größten Nutzen davon bekommen. Die Vorteile des mmWave-Spek­trums sind von entschei­dender Bedeu­tung für die Bereit­stel­lung extrem hoher Geschwin­digkeiten und Kapa­zitäten für eine Viel­zahl von Diensten für Verbrau­cher, Unter­nehmen und Behörden, bei denen große Daten­mengen nahezu sofort bereit­gestellt werden müssen. Dazu gehören Unter­haltungs­dienste wie das sekun­denschnelle Herun­terladen von Filmen in ultra­hoher Auflö­sung, Anwen­dungen für virtu­elle und erwei­terte Realität, Fern­steue­rungen mit "hapti­schem" Feed­back, die präzise Steue­rung von Indus­trie­geräten und Robo­tern sowie auto­nome Fahr­zeuge.

WRC: 190 Nationen schi­cken 3000 Dele­gierte

Auf der WRC-19 treffen sich drei­tausend Dele­gierte aus über 190 Nationen, um fest­zulegen, wie dieses Spek­trum genutzt werden kann. Der Harmo­nisie­rungs­prozess erlaubt globales Roaming und dadurch "Skalen­effekte". Produkte, die ursprüng­lich für nur ein Land gebaut wurden, können auch in den meisten andern Ländern genutzt werden.

Kritik der Wetter­forscher

Die Kritik kommt beispiels­weise von den Wetter­forschern. Sie argu­mentieren, dass einige der künf­tigen 5G-Frequenzen sehr nahe an den Frequenzen liegen, welche Wetter­satel­liten zur Erdbe­obach­tung nutzen. Konkret: Terres­trische Aussendungen in diesen Frequenz­berei­chen könnten das Sammeln von Wetter­daten stören. „Dies ist ein globales Problem“, wird der Meteo­rologe Jordan Gerth von der Univer­sity of Wisconsin–Madison im Wissen­schafts­journal „Nature“ zitiert.

Vorher­sagen über Stürme wären davon betroffen. Wetter­satel­liten empfangen rund um die Uhr das Signal, das vom Wasser­dampf in der Atmo­sphäre ausgeht. Damit lassen sich exakte Prognosen für gefähr­liche Stürme erstellen. Das unprak­tische daran: Der Wasser­dampf sendet bei unge­fähr 23,8 GHz. Und da genau wollen die Mobil­funker auch noch hin. „Wir wüssten am Ende nicht mehr, ob empfan­gene Signale aus dem Himmel oder vom Mobil­funk kommen." Gingen solche "verschmutzten" Daten in die kompli­zierten Rechen­modelle ein, würden sie unge­nauer. Das könnte am Ende den Menschen gefähr­lich werden, wenn eine Sturm­warnung zu spät oder völlig falsch eingehen würde.

Die GSMA hingegen argu­mentiert, dass von Amerika, Afrika und den arabi­schen Staaten unter­stützte tech­nische Studien gezeigt hätten, dass 5G mit den Wetter­erken­nungs­diensten, kommer­ziellen Satel­liten­diensten und anderen Ange­boten koexis­tieren könnte.

Könnten Grenz­werte helfen?

In den USA hat die Frequenz­behörde FCC bereits Grenz­werte für 5G vorge­schlagen, um Wetter­sensoren in nahe gele­genen Frequenz­bändern zu schützen. Bei der CITEL-Konfe­renz in Ottawa sei bereits ein Konsens zu erzielt worden (CITEL ist die Inter­american Tele­commu­nica­tion Commis­sion).

Trotzdem würden die euro­päischen Länder die Nutzung des Milli­meter-Spek­trums durch die Fest­legung tech­nischer Schutz­bedin­gungen einschränken. "Es ist wichtig, den Studien zu folgen, die realis­tische Annahmen darüber treffen, wie Netz­werke funk­tionieren und wir das Spek­trum für alle optimal nutzen können", fügte Tarnutzer hinzu. Dieser Ansatz werde in Amerika, Afrika und im Nahen Osten verfolgt, aber "wir brau­chen eine globale Lösung." Große „Schutz­bänder“ würden benö­tigt. Das werde den wirt­schaft­lichen Nutzen einschränken und den Verbrau­chern und der Indus­trie schaden.“

Angst vor hohen Frequenzen

Vor diesen extrem hohen Frequenzen gibt es auch unter gemä­ßigten Mobil­funk­kriti­kern durchaus ernst­zuneh­mende Bedenken. Sie befürchten, dass zu hohe Strah­lung oder der Aufent­halt in unmit­telbarer Nähe dieser Sende­anlagen beispiels­weise den Glas­körper des mensch­lichen Auges beschä­digen könnte. Der Knack­punkt: Diese hohen Frequenzen bieten schier unend­liche Band­breite für heute noch kaum zu erah­nende extrem band­brei­tenfres­senden Anwen­dungen, haben aber eine extrem geringe Reich­weite. Das könnte die Indus­trie ermun­tern, die Sende­leis­tungen "maximal" aufzu­drehen. Wo sollten die Grenzen liegen?

Ande­rerseits gehört es zum guten poli­tischen Ton, sich vor solch wich­tigen Veran­stal­tungen laut­stark in möglichst gute Ausgangs­posi­tionen zu begeben, denn Kompro­misse muss und wird es am Ende auch geben.

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