Themenspecial Einkaufen zu Weihnachten Kunden-Erfassung

Shopping: Kundenzählen mit Kameras und WLAN-Router

Im Internet werden Kunden­daten akri­bisch gespei­chert. Im statio­nären Handel über­wiegt hingegen die Anony­mität. Wie Geschäfte die Lauf­wege von Verbrau­chern dennoch analy­sieren und was das mit den Mieten zu tun hat.

Wichtiges Analyse-Tool: Kundenfrequenzmessung in Kaufhäusern Wichtiges Analyse-Tool: Kundenfrequenzmessung in Kaufhäusern
picture alliance/Monika Skolimowska/zb/dpa
In der Weih­nachts­zeit schieben sich Massen von Menschen durch Kauf­häuser. Dass sie dabei vieler­orts gezählt werden, ist den wenigsten Geschen­kejä­gern bewusst. Dabei ist es gerade für Betreiber von Shop­ping-Centern oder großen Kauf­häusern entschei­dend zu wissen, wie viele der Besu­cher tatsäch­lich auch Geld ausgeben. Mittels neuer Tech­nolo­gien ist es möglich zu erfassen, welche Abtei­lungen ein Kunde im Kauf­haus wie lange besucht. Sogar Mieten könnten sich künftig an Besuchs­zahlen orien­tieren. Die Entwick­lung wird von der Verbrau­cher­zentrale aller­dings kritisch beob­achtet.

Frequenz­messung im statio­nären Handel und Miet­markt

Wichtiges Analyse-Tool: Kundenfrequenzmessung in Kaufhäusern Wichtiges Analyse-Tool: Kundenfrequenzmessung in Kaufhäusern
picture alliance/Monika Skolimowska/zb/dpa
Für den statio­nären Handel werde die Kunden­frequenz gerade durch die Online-Konkur­renz immer wich­tiger, heißt es vom Handels­verband Deutsch­land. "Ohne entspre­chende Besu­cher­zahlen im Geschäft ist es sehr schwierig, ausrei­chend Umsatz zu gene­rieren", teilt Spre­cher Stefan Hertel mit. Gerade in der Vorweih­nachts­zeit zögen viele Menschen ohne konkrete Geschenk­idee los und ließen sich in der Innen­stadt inspi­rieren. "Profi­tieren können davon logi­scher­weise nur die Läden, die auch viele Besu­cher anziehen", so Hertel. Frequenz­messung habe auch für den Miet­markt Poten­zial, sagt Marco Atzberger, Mitglied der Geschäfts­führung im Kölner Handels­forschungs­institut EHI. Während derzeit Mieten häufig am Umsatz bemessen werden, werde in der Branche disku­tiert, ob nicht die Anzahl der Besu­cher die "fairere Währung" ist. Denn immer häufiger bieten Geschäfte einen Liefer­service von gekauften Produkten an - der direkte Umsatz im Laden bleibt dann aus.

Besu­cher­zahl erfassen - so funk­tioniert es

Die Zahl der Besu­cher kann auf unter­schied­liche Wege erfasst werden. Neben Zählen von Kassen­bons oder Abschätzen, wie viele Menschen im Laden sind, werde seit etwa 20 Jahren auch mittels Infrarot-Schranke gezählt, wie viele Menschen ein Geschäft betreten, erklärt Erik Maier. Der Professor für Handels­manage­ment an der Leip­ziger Handels­hoch­schule (HHL) geht davon aus, dass alle größeren Einkaufs­zentren in Deutsch­land die Besu­cher­ströme messen. Gerade größere Unter­nehmen greifen dabei auf neue Tech­nolo­gien zurück.

So erfasst ein WLAN-Router etwa, wie viele Smart­phones mit ange­schal­tetem WLAN versu­chen, sich zu verbinden. Der Router erfasst die Media-Access-Controll-Adresse, eine Nummer, keinen Namen oder andere persön­liche Daten. Dennoch könnten mit ausrei­chend Routern Bewe­gungs­profile der Kunden erstellt werden, sagt Maier. Gewisse Unschärfen bestünden bei der Zählung über die WLAN-Platt­form, da nicht jeder Besu­cher ein Smart­phone in der Tasche habe, teilt eine Spre­cherin des Kabel­netz­betrei­bers Tele Columbus mit. Rela­tive Verän­derungen, etwa wie viel mehr oder weniger Besu­cher eine Veran­stal­tung im Vergleich zum Vorjahr besuchten, könnten aber valide darge­stellt werden.

Die kame­raba­sierte Kunden­erken­nung geht noch einen Schritt weiter als die WLAN-Methode: Video­kameras zählen poten­zielle Kunden und erkennen Geschlecht oder unge­fähres Alter. "Das ist aber in deut­schen Kauf­häusern verhält­nismäßig unüb­lich", sagt Experte Maier. Denn der Händler bewege sich damit immer mehr im Grenz­bereich dessen, was mit Daten­schutz-Vorgaben vereinbar sei. Frag­lich sei etwa, ob solche Aufnahmen gespei­chert werden dürfen, oder ob Gesichter verpi­xelt und damit unkennt­lich gemacht werden müssen.

Deut­licher Anstieg der Zählung mit Kameras

Atzberger von EHI beob­achtet einen deut­lichen Anstieg der Zählung mit Kameras. Die Technik sei sowieso zum Dieb­stahl­schutz verbaut, mitt­lerweile würden Gesichter direkt verpi­xelt. Neben den Lauf­wegen könne sogar die Stim­mung der poten­ziellen Kunden analy­siert werden. Ein Vorteil in Zeiten, in denen der statio­näre Handel kaum etwas zum Kauf­verhalten seiner Kunden weiß. Die Spei­cherung der Daten sei aller­dings ein heißes Pflaster. "Das möchte niemand anfassen", so Atzberger. Zu groß sei die Angst bei den Händ­lern vor Kritik der Kunden, die großen Wert auf Daten­schutz legen.

Die Verbrau­cher­zentrale Sachsen gibt sich nicht mit der Selbst­regu­lierung zufrieden und fordert eine entspre­chende trans­parente und daten­schutz­freund­liche Rege­lung inner­halb der geplanten E-Privacy-Verord­nung der Euro­päischen Union. Es müsse sicher­gestellt werden, dass auch durch das Tracking (Verfolgen) mit WLAN-Routern keine perso­nenbe­zogenen Daten ohne Einwil­ligung der Kunden gespei­chert werde, teilt Stefanie Siegert, Refe­rentin für Digi­tales und Energie der Verbrau­cher­zentrale Sachsen, mit. "Letzt­lich muss der Verbrau­cher entscheiden können, ob er über­wacht werden möchte oder nicht", so Siegert. Es könne nicht Aufgabe des Verbrau­chers sein, die WLAN-Funk­tion auszu­schalten, um nicht vom Netz­werk eines Kauf­hauses erfasst zu werden.

Online-Shop­ping nach wie vor trans­parenter

Wissen­schaftler Maier weist darauf hin, dass Verbrau­cher beim Online-Shop­ping wesent­lich trans­parenter seien als in herkömm­lichen Geschäften. Im statio­nären Handel erfasse unter Umständen ein Anbieter die Daten. Im Internet würden Daten, die durch Cookies bei ganz unter­schied­lichen Platt­formen gespei­chert werden, hingegen zentral ausge­wertet.

Um die Daten­erfas­sung zu umgehen, könne der Verbrau­cher die auto­mati­sche Suche von Netz­werken in den Smart­phone-Eigen­schaften deak­tivieren, rät Maier. Außerdem sei es sinn­voll, regel­mäßig die Cookies im Webbrowser zu löschen.

Wich­tige Hinweise zum Online-Shop­ping geben wir in einem Ratgeber.

Mehr zum Thema Online-Shopping