Self-Scanning

Shopping: Selbst scannen statt Warten in der Schlange

Die deutschen Verbraucher hassen Warteschlangen. Immer mehr Händler suchen deshalb nach Möglichkeiten, das ärgerliche Anstehen zu vermeiden. Eine große Rolle könnten dabei in Zukunft auch die Smartphones der Verbraucher spielen.
Von dpa /
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Nichts ärgert die deut­schen Verbrau­cher beim Einkaufen so sehr wie lange Schlangen an der Laden­kasse. Das zeigen Studien immer wieder. Kein Wunder, dass inzwi­schen immer mehr Händler nach Wegen suchen, das verhasste Anstehen zu vermeiden. Egal ob bei Rewe, Saturn oder Globus: Der Kampf gegen das Schlan­ge­stehen hat begonnen.

Beispiel Rewe: In einem großen Einkaufs­center in Köln-Roden­kir­chen bietet der Handels­riese den Kunden neuer­dings die Möglich­keit, die Einkäufe direkt zu scannen, wenn sie sie in den Einkaufs­wagen legen. Entweder mit einem vom Laden zur Verfü­gung gestellten Scanner oder auch - nach dem Herun­ter­laden der notwen­digen App - mit dem eigenen Smart­phone.

Erster Test funk­tio­niert recht gut

Saturn Smartpay: Artikel am Regal scannenSaturn Smartpay: Artikel am Regal scannen Beim Selbst­test funk­tio­niert das Ganze schon im ersten Anlauf erstaun­lich gut. Die Milch­pa­ckung, die Dosen­suppe oder der Sprudel werden kurz vor das in eine Halte­rung am Einkaufs­wagen einge­klemmte Handy gehalten, der Strich­code gescannt und schon erscheint der Artikel in einer über­sicht­li­chen Liste auf dem Handy-Display - einschließ­lich des Gesamt­preises der bisher einge­scannten Ware.

Am Ende des Einkaufs wird die Liste mit den einge­kauften Produkten in Sekun­den­schnelle an die Selbst­be­die­nungs­kasse über­tragen und auto­ma­tisch die Rech­nung erstellt. Das lang­wie­rige Aus- und Einpa­cken an der Kasse entfällt. Einzige Voraus­set­zung, um das Angebot nutzen zu können: Eine Payback-Karte.

"Wir wollen die Warte­schlangen an der Kasse redu­zieren", erklärt Rewe-Projekt­lei­terin Julia Volks die Beweg­gründe des Händ­lers. Der Druck auf Rewe und die anderen Händler ist groß. Denn nach dem "Adyen Retail Report 2018", einer reprä­sen­ta­tiven Umfrage unter 1000 Konsu­menten, empfinden 58 Prozent der Kunden Warte­schlangen als größtes Ärgernis beim Shoppen. Fast zwei Drittel der Befragten gaben sogar an, sie hätten wegen einer Warte­schlange schon einmal ein Geschäft ohne einzu­kaufen verlassen - die Höchst­strafe für Händler.

Saturn: Zahlung direkt am Regal

Allein ist Deutsch­lands zweit­größter Lebens­mit­tel­händler mit seinem Vorstoß deshalb auch nicht. Ob Edeka, Saturn oder Globus - immer mehr Händler suchen im Zeit­alter des mühe­losen Online-Shop­pings nach einer Zauber­formel gegen die ärger­li­chen Kassen­schlangen.

Die Elek­tronik­kette Saturn etwa bietet seit Ende vergan­genen Jahres den Kunden in ihrer größten Filiale in der Hamburger Innen­stadt die Möglich­keit, die mehr als 100 000 Produkte direkt am Regal zu kaufen und per Kredit­karte oder etwa PayPal zu bezahlen. Zwar muss der Kunde dann doch noch an einen Schalter, um die mit dem Smart­phone gescannte Ware frei­schalten zu lassen, damit er die Filiale unbe­hel­ligt verlassen kann. Dennoch ist das Angebot laut Saturn beliebt. "Es läuft sehr gut", fasste eine Saturn-Spre­cherin die ersten Erfah­rungen zusammen. Deshalb habe das Unter­nehmen den ursprüng­lich auf drei Monate begrenzten Versuch inzwi­schen noch einmal um drei Monate verlän­gert. Rewe will sich sogar ein Jahr Zeit für sein Pilot­pro­jekt nehmen.

Globus: Scanner und Bezahl­sta­tion

Der Konkur­rent Globus ist über das Versuchs­sta­dium längst hinaus. In 30 der 47 großen Einkaufs­märkte der Marke in Deutsch­land können die Kunden die Ware inzwi­schen selbst mit einem Scanner erfassen, bevor sie sie in den Einkaufs­wagen legen und am Ende an einer Bezahl­sta­tion den auto­ma­tisch errech­neten Betrag bezahlen. "Lange Schlangen an der Super­markt­kasse gehören mit dem neuen Bezahl­system von Globus der Vergan­gen­heit an", wirbt der Händler auf seiner Website. Das System werde sehr gut ange­nommen und solle noch weiter ausge­rollt werden, sagte kürz­lich eine Firmen­spre­cherin in St. Wendel.

Klar ist: Der Trend zum Selber-Einscannen gewinnt in Deutsch­land allmäh­lich an Fahrt. Das Scannen direkt beim Einkauf ist zwar noch die Ausnahme, doch finden Selbst­be­die­nungs­kassen, an denen der Kunde die Waren nach dem Einkauf selbst erfasst, inzwi­schen immer mehr Verbrei­tung. "Ende diesen Jahres wird es wahr­schein­lich schon 800 bis 1000 Läden in Deutsch­land geben, die das anbieten", schätzt Frank Horst vom Kölner Handels­for­schungs­in­stitut EHI. "Das bedeutet fast eine Verdop­pe­lung inner­halb von zwei Jahren." Vorreiter waren hier Ikea und Real.

Deutsch­land bei Self-Scan­ning noch hinterher

Die Selbst­be­die­nungs­kassen seien vor allem bei Kunden mit klei­neren Einkäufen beliebt, die mit zwei oder drei Teilen nicht in der Schlange stehen wollten, weiß Rewe-Expertin Volks. Das Self-Scan­ning unmit­telbar während des Einkau­fens werde dagegen mehr bei großen Einkäufen genutzt.

Im inter­na­tio­nalen Vergleich ist Deutsch­land beim Thema Self-Scan­ning aller­dings ein Nach­zügler. Und das liegt wohl auch an den Verbrau­chern selbst. Viele Konsu­menten frem­deln noch im Umgang mit den unge­wohnten Geräten und stellen sich am Ende doch oft lieber in die verhasste Warte­schlange.

Selbst die mit großem Aufwand ausge­rollten Pilot­pro­jekte von Rewe und Saturn finden bislang nur begrenzten Anklang. Zum Wochen­ende hin werde die Möglich­keit zum mobilen Scannen im Kölner Rewe-Center von rund 100 Kunden pro Tag genutzt, in der Woche seien es weniger, heißt es bei dem Händler. Ähnliche Zahlen nennt Saturn. Ein Rewe-Spre­cher bewertet die Lage denn auch diplo­ma­tisch: "Tech­nisch geht mitt­ler­weile vieles. Der Kunde muss es nur annehmen."

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