umgepflügt

Wie waipu.tv an ein 12 000 Kilometer langes Glasfasernetz kam

Anfang Oktober 2016 startete das IPTV-Angebot waipu.tv der Münchener Exaring AG. Das Unternehmen nutzt für die Verbreitung ein Glasfasernetz, das wie aus dem Nichts das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Für dieses Netz hat sich die Weigand Bau aus Bad Königshofen quer durch Deutschland gepflügt.
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KabelpflugKabelpflug von Weigand Bau Wie berichtet will Exaring zusammen mit Freenet waipu.tv als Konkurrenz zu Zattoo oder Magine TV etablieren. Allerdings werden diese beiden IPTV-Angebote über das offene Internet verbreitet, wohingegen Exaring auf ein separates Glasfasernetz zurückgreifen kann, das nach eigenen Angaben 12 000 Kilometer lang ist. Doch wie kommt die Exaring AG, die erst vor drei Jahren gegründet wurde, an ein solches Netz? Wie konnte es entstehen, ohne dass die Öffentlichkeit in Zeiten hitziger Diskussionen rund um den Breitbandausbau davon erfährt?

Das Netz brachte Marco Weigand mit in die Exaring. Er ist einer der Aktionäre und hält nach dem Einstieg von Freenet noch knapp 25 Prozent an der Münchener Aktiengesellschaft. Gebaut hat es sein Vater Rudolf, der 1990 die Weigand Bau gründete und mit einem sogenannten Kabelverlegepflug für die Deutsche Telekom Telefonleitungen in Ostdeutschland verlegte.

Kabelpflug aus den 1960er Jahren

Erfunden und patentiert wurde der Kabelpflug bereits 1964 von Johann Kaindl. Dabei reißt beim Verlegen ein an eine Zugmaschine angehängter Pflug die Erde auf. In dem so entstandenen schmalen Schacht wird dann, meistens direkt mit dem Aufpflügen, das Leerrohr verlegt, um hierin später Glasfaser einzublasen.

Ein Großauftrag der Telekom verhalf Rudolf Weigand zu seinem Netz. Er ließ sich zusichern, dass er parallel zum Telekom-Rohr sein eigenes Leerrohr verlegen durfte. So pflügte der findige Unternehmer im Auftrag des Bonner Konzerns quer durch Deutschland und legte die Grundlage für sein eigenes Glasfasernetz. Heute leitet Sohn Marco die Weigand Bau. Sein Vater ist Geschäftsführer der NGN Fiber Network KG, die über das Weigand-Glasfasernetz Telekommunikationsdienstleistungen anbietet – wie eben waipu.tv.

Pferdefuß Kundenzugang

Einziger Haken: Mit dem Glasfasernetz hat Exaring keinen direkten Zugang zum Konsumenten, auch wenn das Unternehmen behauptet, 23 Millionen Haushalte direkt zu erreichen. Exaring muss mit anderen Netzbetreibern wie zum Beispiel der Deutschen Telekom oder den Kabelnetzbetreibern sogenannte Peering-Verträge abschließen. Solche Verträge sehen entweder einen Austausch von Traffic vor oder ein Vertragspartner bezahlt den anderen für den Netzzugang. Nur so kann Exaring mit waipu.tv über das Glasfasernetz der Weigands auch auf den Fernseher des Kunden gelangen.

Sie wollen mehr zu waipu erfahren? Dann legen wir Ihnen unseren Artikel zu waipu.tv-Start ans Herz.

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