TV-Übertragungstechnik

10 Kilometer zusätzliche Glasfaser für NRW-Wahl

Gestern wählte Nordrhein-Westfalen und am Landtag in Düsseldorf stand ein unscheinbares Fahrzeug von Media Broadcast, das es allerdings in sich hat.
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Bildunterschrift: Blick vom Fernsehturm auf den Landtag NRW mit den ersten Technikfahrzeugen der TV-SenderBildunterschrift: Blick vom Fernsehturm auf den Landtag NRW mit den ersten Technikfahrzeugen der TV-Sender Als gestern um 18 Uhr die ersten Hochrechnungen zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen über die Fernsehbildschirme liefen, begann für Dieter Ramershoven die heiße Phase, denn ab den ersten Prozentzahlen läuft die Übertragung der Wahl weitgehend ohne Sendeplan ab. Daher stellten sich Fragen: Wer hat gewonnen, wen muss man als ersten vors Mikro bekommen, wo befindet sich der Verlierer und was sagt er zum Wahlausgang? Da durfte nichts schiefgehen, alle Leitungen mussten stehen.

Ramershoven ist beim WDR für die Technik während der Wahlübertragung verantwortlich. Da WDR und ARD kooperieren, erstreckt sich sein Aufgabenbereich gleich über zwei Ü-Wagen, die miteinander per Glasfaser verbunden sind. "Abgesehen von den TV-Signalen für den WDR und Das Erste produzieren wir hier auch die Signale für die Live-Sondersendungen von vier WDR-Radiostationen", erklärte Ramershoven. Hinzu kamen die Wahlsendungen in den Regionalfenstern des WDR Fernsehens.

Wir haben uns die Technik hinter der Übertragung kurz vor der Wahl angesehen.

Hohe Bandbreiten bis 10 Gbit/s

ARD, ZDF und RTL nutzen für ihre Berichterstattung die Übertragungstechnik von Media Broadcast. Der Full Service Provider für die Rundfunk- und Medienbranche dient quasi als Schaltzentrale und sorgte dafür, dass die Signale aus dem Landtag, von den Parteizentralen in Berlin und den Wahlpartys in Düsseldorf in die Ü-Wagen der Sender gelangten. Blick auf die Arbeitsplätze im Ü-Wagen des ZDFBlick auf die Arbeitsplätze im Ü-Wagen des ZDF Dort wird das Fernsehbild produziert, das wiederum von Media Broadcast nach Mainz (ZDF), Hamburg (ARD) und Köln (RTL) übertragen wird. "Hierfür sind enorme Bandbreiten notwendig, die für die Dauer der Übertragung zur Verfügung stehen müssen", erklärte Gerhard Füßmann, zuständig bei Media Broadcast für die NRW-Wahl. "Zu den Ü-Wagen führen Glasfaserkabel mit Bandbreiten bis zu 10 Gbit/s", sagt Füßmann.

Neben den Leitungen für die Signale kommen Datenverbindungen und Zuspielleitungen hinzu, die ab 18 Uhr glühten, als in den Ü-Wagen die Live-Sendung gefahren und Einspieler geschnitten wurden oder Archivmaterial eingespielt wurde. Einen besonders stressigen Job hat dabei der sogenannte Schriftgenerator, der für die Namenseinblendungen auf dem TV-Bildschirm verantwortlich ist. Damit alles reibungslos funktioniert, hatte Media Broadcast am Landtag zusätzlich zehn Kilometer an Glasfaser verlegt.

Für den Ernstfall gewappnet

Darstellung eines Fernsehbilds anhand der Zeitachse und den Spannungswerten, um Fehler zu erkennenDarstellung eines Fernsehbilds anhand der Zeitachse und den Spannungswerten, um Fehler zu erkennen Der Full Service Provider garantiert eine 99-prozentige Verfügbarkeit. Dafür sorgen bis zu 25 Techniker von Media Broadcast, die sich auf rund zwölf Fahrzeuge, vollgestopft mit Kabeln und Technik, aufteilen. Sollte eine Glasfaserleitung ausfallen, stehen Fahrzeuge aus der Satellite-News-Gathering-Flotte (SNG) bereit, die umgehend eine Verbindung via Satellit aufbauen können. "Den Ausfall einer Leitung würde der Zuschauer vor dem Fernseher gar nicht mitbekommen", erklärte Füßmann und öffnete die Tür zu einem etwas unscheinbaren Technikwagen. "Das ist die eigentliche Zentrale", erklärte der Projektleiter. Hier laufen sämtliche Glasfaserleitungen zusammen. Der Ü-Wagentechniker bekommt sofort mit, wenn etwas im Argen liegt. Deshalb darf er den Wagen während der Übertragung auch nicht verlassen. Sollte das dennoch mal notwendig sein, zum Beispiel um eine Leitung zu kontrollieren, vertritt ihn ein Kollege.

Arbeitsplatz eines ZDF-Mitarbeiters, der im Ü-Wagen für vier Kameras zuständig istArbeitsplatz eines ZDF-Mitarbeiters, der im Ü-Wagen für vier Kameras zuständig ist Auch wenn Füßmann ein alter Hase im Geschäft ist, der bereits seit 1999 für Media Broadcast bei Wahlen vor Ort ist, kribbelt es bei ihm immer noch, wenn die Live-Sendung beginnt. "Die Übertragung einer Wahl ist für uns eine große Herausforderung, da es viele Querverbindungen gibt, die koordiniert und kontrolliert werden müssen", sagte Füßmann.

Vorarbeit von drei Wochen

Media Broadcast muss in kürzester Zeit die eigene Technik an die der Sender anbinden. Die Arbeit für den gestrigen Wahlsonntag begann vor drei Wochen. "Wir sprechen mit der Landtagsverwaltung, was vor Ort möglich ist, klären mit den Sendern, was sie benötigen, beauftragen unsere Vorlieferanten und kümmern uns um entsprechende Genehmigungen", umriss Füßmann die Aufgaben. Der Aufbau eines 40-Meter-Mastes für eine Richtfunkstrecke ist ohne behördliches Okay zum Beispiel nicht zu machen. "Es musste zudem schnell gehen, weil wir den Mast erst am Dienstag aufbauen konnten", sagte Füßmann. Bis Freitagmittag wusste auch noch niemand, wo die AfD ihre Wahlparty veranstaltet – entsprechend flexibel musste die Übertragungstechnik eingeplant werden.

Die Tonkanäle im Ü-Wagen der ARD für die einzelnen ParteienDie Tonkanäle im Ü-Wagen der ARD für die einzelnen Parteien Insgesamt liefen gestern am Landtag über 30 Signale auf den TV-Compounds zusammen. So wird das Areal genannt, auf dem jeder TV-Sender seine Technikflotte positioniert. Die Tests liefen einige Tage - am Samstag fand die Schaltungsprobe statt. "Das wird nicht ganz einfach für uns, da wir parallel für die Signalübertragung der Fußball-Bundesliga verantwortlich sind", erklärte Füßmann. Zumal am vorletzten Spieltag der Saison alle Spiele gleichzeitig angepfiffen wurden. Die Generalprobe für die NRW-Wahl fand dann am Sonntagnachmittag statt - und danach begann um 17.30 Uhr die Live-Übertragung im Fernsehen. Ab 18 Uhr stieg dann die Anspannung – beim Zuschauer, den Politikern und auch im Ü-Wagen.

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