Gegenwart & Zukunft

VR-Erlebnis statt Kinobesuch

Das Abtauchen in die virtuelle Realität per VR-Brille soll das nächste große Ding werden. Auf der IFA erklärte der Chiphersteller AMD seine Pläne für VR und warum jetzt der perfekte Startzeitpunkt ist.
Von der IFA in Berlin berichtet Daniel Rottinger
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Wird VR das nächste ganz große Ding? Im Rahmen der IFA-Pressekonferenz informierte AMD über seine Sicht auf VR-Anwendungen und gab ein klares Statement ab: "VR ändert alles" - und könnte künftig sogar den Verzicht auf den Kinobesuch bedeuten.

VR soll Eintauchen in andere Welt ermöglichen
VR soll das Eintauchen in andere Welten ermöglichen
AMD-Technikchef Mark Papermaster erklärte in seinem Vortrag, wo der Chip-Hersteller VR derzeit sieht und wo die Reise hingehen soll. Papermaster bezeichnet das hier und heute als den (fast) perfekten Startpunkt für VR. So seien drei zentrale Voraussetzungen für den Durchbruch der Technologie gegeben:
  • Die Hardware-Industrie stellt VR-Brillen her
  • Moderne Rechner verfügen über ausreichend Rechenkraft
  • Entwickler sorgen für VR-Inhalte
Allerdings fehle ein viertes Puzzleteil, um VR wirklich voranzubringen. So sei der Preis für die Anschaffung von VR-Hardware für den Massenmarkt noch zu hoch.

VR-Erlebnisse im autonomen PKW

Und auf dem Weg zur vollständigen Verbreitung von VR gebe es noch ein Hindernis technischer Natur. So würden aktuelle VR-Brillen die Nutzer nicht vollständig in fremde Welten abtauchen lassen. Stattdessen würden Anwender immer noch einen Unterschied zwischen dem gerenderten Computerbild und der echten Welt wahrnehmen. Die Vision von Mark Papermaster: Künftig sollen sich Nutzer von einem selbstfahrenden Auto chauffieren lassen, während sie sich parallel via VR quasi an einem anderen Ort aufhalten - ganz ohne Einbußen bei der Immersion.

Langer Weg: Vollständige Erfahrung erst 2025

AMDs Zeitplan für den Beginn der "Immersions-Ära"AMDs Zeitplan für den Beginn der "Immersions-Ära" Um dieses Vor-Ort-Erlebnis zu ermöglichen, sei generell eine Framerate von mindestens 90 Bildern pro Sekunde erforderlich. Bis das Ziel des kompletten Eintauchens in die VR-Welt allerdings vollständig erreicht werde, dürfte es noch etwas dauern. AMD gibt 2025 als Zeitpunkt an. In den Jahren zuvor möchte der Chip-Hersteller allerdings ein Motor für die VR-Industrie werden und hat auch sonst Ideen, um Erlebnisse in der virtuellen Realität für eine breitere Zielgruppe zu öffnen.

VR-Hardware zum günstigen Einstiegspreis

Zum einen möchte der Chip-Hersteller in seiner Kerndisziplin für Fortschritt sorgen. Mit der RX-480-Grafikkarte hat AMD erst vor wenigen Wochen eine etwa 300 Euro günstige GPU auf den Markt gebracht, die sich auch zum Abspielen von VR-Inhalten eignet. Im Zuge der IFA stellte der PC-Hersteller CSL zudem einen Rechner samt einer RX 480 zum Preis von 699 Euro vor, der sich mit den VR-Brillen Oculus Rift und HTC Vive nutzen lässt. Für VR-Entwickler bietet AMD etwa die Grafikkarte Radeon Pro SSG an, die ein besonders schnelles Rendern und Bearbeiten von neuen VR-Inhalten ermöglichen soll. Dafür habe der Hersteller eine SSD direkt auf der GPU integriert. Doch auch abseits der Hardware macht AMD VR-Entwicklern ein Angebot. So bietet der Chip-Produzent mit GPUOpen eine Plattform für den Zugang zu quelloffenen Schnittstellen und Tools an, die unter anderem auf die Bereitstellung neuer VR-Inhalte abzielt.

Inhalte-Industrie: Wie mit VR genügend Geld verdienen?

Nutzer sollen künftig an AMDs VR-Stationen der virtuellen Realität einen Besuch abstattenNutzer sollen künftig an AMDs VR-Stationen der virtuellen Realität einen Besuch abstatten Den VR-Hype könnte das berühmte Henne-Ei-Problem ausbremsen. Denn auch wenn die Prognosen von JPR (Jon Peddie Research) der VR-Industrie ein ordentliches Wachstum attestieren, reichen über 15 Millionen VR-Brillen in 2017 wohl nicht aus, so die Einschätzung von AMD. Schließlich sprechen etwa Film- und Videospielproduzenten mit herkömmlichen 2D-Inhalten ein deutlich größeres Zielpublikum an und können somit mehr Geld für die Erstellung der Inhalte aufwenden. Ist mit der Produktion von VR-Inhalten nicht ausreichend Geld zu verdienen, dürften sich die Mehrzahl der Produzenten gegen die Erstellung virtueller Welten entscheiden. Dadurch würden die VR-Brillen vermutlich nur noch ein Dasein im Business-Umfeld fristen, während der Mainstream außen vor bliebe.

Doch es kann auch anders kommen, so die Hoffnung von AMD. Stattdessen sollen VR-Installationen in Kaufhäusern und auf Musik-Events für klingelnde Kassen und vor allem für Motivation bei den Inhalte-Erstellern sorgen. In China hat AMD bereits einen Partner gefunden, welcher sich durch den Ticketverkauf für VR-Stations finanziert. Im Rest der Welt sei AMD derzeit noch auf der Suche nach lokalen Kooperationspartnern. Ob sich Nutzer künftig statt dem Kinobesuch lieber für den Aufenthalt in einer VR-Station entscheiden, wird die Zukunft zeigen.

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