Rückzug vom Rückzug?

VPRT will nun doch wieder bei DAB+ mitmachen

Der VPRT hat mit seinem Ausstieg aus dem Digitalradio-Board des Bundes nicht nur intern heftige Kritik geerntet. Nun erklärt der Verband wieder Gesprächsbereitschaft.
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DAB+: Der VPRT kehrt an den Verhandlungstisch zurückDAB+: Der VPRT kehrt an den Verhandlungstisch zurück Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT) erklärt nach dem Ausstieg aus dem "Digitalradio-Board" - dem Lenkungsgremium des Bundesverkehrsministeriums, wieder Gesprächsbereitschaft beim digital-terrestrischen Radio DAB+. Das kündigte Hans Demmel, Geschäftsführer des Nachrichten-Fernsehsenders n-tv und VPRT-Vorstandsvorsitzender, in einem Interview mit dem Deutschlandfunk an. Dass der VPRT aus dem Board ausgestiegen sei, heiße nicht, "dass wir weitere Gespräche verweigern".

Im Gegenteil habe man Interesse, "einen für uns tragbaren Weg in Richtung DAB 2 zu gehen"; so nehme man Ende Mai wieder an einer Gesprächsrunde in Mainz zu dem Thema Umstieg von UKW zu Digitalradio teil. Hintergrund des Ausstiegs sei der Eindruck gewesen, "hier wird mit politischem Willen ein technisches System durchgedrückt ohne die notwendige Sensibilität für die Erfordernisse des Marktes". Beispielsweise seien private Radios lang- und auch mittelfristig von den UKW-Werbeerlösen abhängig. Außerdem kritisierte der VPRT, dass Smartphones und Internetradio in der Roadmap zum Übergang von UKW zu digitalen Technologien keine Rolle gespielt hätten und dass frei werdende, bisher von den Öffentlich-Rechtlichen genutzte UKW-Frequenzen nicht mehr neu an Privatradios vergeben werden dürfen.

Immer mehr VPRT-Verbandsmitglieder engagieren sich trotz des Ausstiegs des Verbandes aus dem Board weiter oder sogar neu am digital-terrestrischen Radio und kritisierten das Vorgehen auch in der Öffentlichkeit. So wies Ulrich Hürter, Mitglied im Fachbereichsvorstand Radio- und Audiodienste im VPRT, auf einer Veranstaltung in Berlin darauf hin, dass er die Stellungnahme seines Verbandes zur Roadmap kenne und es kein verbindlicher Beschluss sei.

Medienanstalten begrüßen Digitalradio-Pflicht in neuen Radios

Siegfried Schneider, der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), begrüßt unterdessen den am vergangenen Mittwoch von der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries, vorgelegten Entwurf zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes (TKG). Darin wird festgelegt, dass höherwertige Audio-Empfangsgeräte künftig nur noch mit einer Schnittstelle in Form eines fest integrierten Chips im Gerät zum Empfang digitaler Signale über DAB+ und/oder Internetradio verkauft werden dürfen. Die Ausrüstungspflicht bezieht sich dabei auf Geräte, die den Programmnamen anzeigen können und überwiegend dem Hörfunkempfang dienen – Mobilfunkgeräte sind demnach nicht einbezogen, Autoradios hingegen schon.

"Radiohören muss auf allen Geräten technologieneutral möglich sein", sagt Schneider. Die Medienanstalten setzen sich daher schon lange für eine verpflichtende Ausstattung von Audio-Empfangsgeräten mit Multinorm-Empfangschips ein. Schneider: "Damit DAB+ in Zukunft eine wichtige Rolle spielen kann, sind diese technischen Vorgaben ein wichtiger Beitrag zur künftigen Entwicklung und Attraktivität des digital-terrestrischen Hörfunkmarkts." Auch in Smartphones sollten aber grundsätzlich Multinorm-Empfangschips eingebaut werden.

Weitere wichtige Impulse für DAB+ sind neben der TKG-Änderung derzeit die Ausschreibung des zweiten DAB+-Multiplex für neue private Programme durch die Medienanstalten, der vorgesehene Netzausbau durch die ARD sowie die diese Woche im Rahmen der Medientage Mitteldeutschland vorgestellte neue Kampagne für DAB+. "Alles zusammen wird DAB+ sicher weiteren Rückenwind geben", so Siegfried Schneider.

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