Medientage München

VPRT fordert Multichannel-Strategie für Radio & Ende der UKW-Abschaltdebatte

UKW sei die Geschäftsgrundlage für Hörfunk. Daher müsse die Diskussion um ein Abschaltdatum des analogen Hörfunks endlich beendet werden. Das fordert der Privatradioverband VPRT auf den Medientagen München.

Auf den Medientagen in München spricht sich der VPRT gegen die Abschaltung der UKW-Ausstrahlung aus. Auf den Medientagen in München spricht sich der VPRT gegen die Abschaltung der UKW-Ausstrahlung aus.
Bild: Medientage München
Der Verband privater Rundfunk und Tele­kommuni­kation (VPRT) hat anlässlich der Medientage München davor gewarnt, den analogen UKW-Bereich abzuschalten und auf DAB+ als alleinigen Standard in der digitalen Welt zu setzen: "Die digitale Zukunft des Radios wird nicht auf einen Übertragungsweg zu reduzieren sein." Mit diesem Ausblick eröffnete Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste des VPRT, das Panel "Die Radio-Agenda: Smart und im Ohr – Die Radio-Zukunft". "Das Ende der Abschaltdebatte über UKW, ein Aufdecken der Scheinheiligkeit der ARD bei DAB+ sowie endlich klare Grenzen gegen einen öffentlich-rechtlichen Verdrängungswettbewerb wie zuletzt durch das Jugendangebot mit vernetzten Hörfunkwellen" seien laut Schunk neben der Auffindbarkeit auf digitalen Plattformen die zentralen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft im Privatradio.

Privatradios setzen auf Verbreitung im Internet

Auf den Medientagen in München spricht sich der VPRT gegen die Abschaltung der UKW-Ausstrahlung aus. Auf den Medientagen in München spricht sich der VPRT gegen die Abschaltung der UKW-Ausstrahlung aus.
Bild: Medientage München
Schunk betonte, dass die Digitalisierung des Radios auf vielen Wegen stattfinde, vor allem im Internet: "Radio ist schon heute digital. Die Debatte zur Zukunft des Radios muss alle Wege und Endgeräte umfassen, die die Hörer nutzen", so Schunk. Die Privaten würden umfassend in diese neuen Technologien investieren. So würden etwa mit der von Privatradios gegründeten Radioplayer Deutschland GmbH rund 140 private Radioprogramme gebündelt, online empfangbar gemacht und als aggregiertes Angebot zur Nutzung über eine einheitliche Schnittstelle insbesondere für die mobile Nutzung zur Verfügung gestellt.

"All diese Investitionen und weiteren digitalen Aktivitäten erfordern eine solide wirtschaftliche Grundlage und ein funktionierendes Geschäftsmodell, das man nicht durch eine 'Abschaltdebatte' gefährden darf", so Schunk. Mit anderen Worten: UKW soll noch lange als Grundlage der Radionutzung bleiben. Stattdessen will der VPRT die Diskussion über die Auffindbarkeit auf mobilen Endgeräten vorantreiben, etwa mit einem technologieneutralen Multi-Chip, der neben UKW und DAB+ auch Internetradio einbette. Da die künftigen Geräte jedoch mehrere Tausend Sender empfangen appelliert Schunk an die Medienpolitik: "Auf die digitale Radio-Agenda gehört auch das Thema 'Must Carry' bzw. 'Must be found' für privates Radio auf digitalen Plattformen. Die Vielfaltssicherung in diesem Bereich ist eine wichtige Aufgabe für die Regulierung."

"Digitaler Verdränungswettbewerb" der ARD stoppen

Schunk kritisierte die ARD, dass sie einerseits Geld für den DAB-Ausbau von der KEF erhalte, andererseits aber weiter massentaugliche Programme auf UKW aufschalte. "Der digitale Verdrängungswettbewerb durch die ARD muss gestoppt werden. Die scheinheilige Argumentation einiger ARD-Radios, von der KEF erhebliche Gelder für die Digitalisierung zu fordern und gleichzeitig die Wettbewerbs- und Jugendprogramme auf leistungsstarke UKW-Frequenzen aufzuschalten, muss öffentlich diskutiert werden." In diesem Zusammenhang kritisierte Schunk auch das von den Ministerpräsidenten letzte Woche beauftragte Jugend-Onlineangebot und dessen angekündigte Vernetzung mit den Hörfunkwellen: "Die Politik muss die erheblichen negativen Auswirkungen auf den Privatradiomarkt beachten. Ein 45 Millionen Euro schweres Onlineangebot ohne inhaltliche und zeitliche Grenzen, ohne vorausgehenden Markttest und mit Vernetzung regionaler Radiomarken zu bundesweiten Crossmedia-Angeboten, obwohl nur das Deutschlandradio bundesweit agieren darf, ist nicht akzeptabel. Bei der Umsetzung der Pläne müssen ARD und ZDF klare Grenzen für das Angebot und gegen die crossmediale Vermarktung zulasten von Radio gesetzt werden. Anderenfalls würden die privaten Veranstalter Brüssel in den Blick nehmen müssen."

BR fordert stärkeres Miteinander statt Gegeneinander des Privatfunks beim Thema Digitalisierung

Helwin Lesch, Hauptabteilungsleiter Planung und Technik des Bayerischen Rundfunks (BR) verwies dagegen auf die gemeinsamen Interessen von privaten und öffentlich-rechtlichen Hörfunkanbietern im Hinblick auf die Herausforderungen der Digitalisierung. Dies gelte beispielsweise für die Verbreitung auf neuen Plattformen. Er appellierte deshalb für mehr Miteinander und weniger Gegeneinander. Hinsichtlich der Digitalisierungsstrategie setzte er sich dafür ein, nicht alle digitalen Verbreitungswege gleichermaßen zu forcieren, sondern sich zu fokussieren, etwa auf DAB+. Nur so sei eine erfolgreiche Digitalisierung angesichts der Ressourcen des Radios möglich.

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