Historie

0130, 0190, 01888 & 0138: Die Vorwahlen gibt es nicht mehr

Erinnern Sie sich noch an die "nullhundertneunzig und sechs mal die sechs" oder die Vorwahl 0130? Wir werfen einen Blick zurück und zeigen Ihnen, welche Vorwahlen inzwischen Geschichte sind und welchen Zweck sie hatten.
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0190-Nummer: In Deutschland seit langem Geschichte0190-Nummer: In Deutschland seit langem Geschichte Die Telefonlandschaft in Deutschland hat sich über die Jahre verändert - und mit ihr auch die Vorwahlen und Sonderrufnummern, die in Deutschland genutzt wurden. Vielen sind die Nummern jedoch nicht immer in Erinnerung. So ist immer mal wieder von "teuren 0190-Nummern" zu hören. Dabei gibt es diese Telefonnummern schon seit Jahren nicht mehr. Wir geben einen Überblick über vergangene Vorwahlen.

0190 mit dem Ruf der Sex-Line

0190-Nummern hatten gleich mehrere Probleme: Sie waren nicht nur teuer, sondern sie dienten auch vielen schwarzen Schafen dazu, Kasse zu machen und Telefonkunden in die Falle zu locken. 0190-Nummern hatten für Betrüger den Vorteil, dass sie die Nummern nicht selbst registrieren mussten, sondern Mittelsmänner und Telefongesellschaften dieses überlassen konnten. Die Folge: Wer die Einnahmen aus den Gesprächen bekommt, die bis zu 1,86 Euro pro Minute kosten konnten, war oft unklar, da die Spuren oft gut verwischt waren.

0190-Nummern hatten zudem den Ruf der Sex-Hotlines. Schuld war das nächtliche Werbeprogramm in vielen TV-Sendern, wo auf klangvolle Nummern wie "nullhundertneunzig und sechs mal die sechs" hingewiesen wurde.

Allerdings konnte den Telefonnummern angesehen werden, wie teuer sie sind. Die erste Ziffer nach der 0190 gab an, wie teuer das Gespräch werden würde - zwischen 62 Cent und 1,86 Euro pro Minute waren möglich, eine thematische Unterscheidung zwischen den Gassen gab es nicht. Erst spät wurden die frei tarifierbaren 0190-0-Nummern eingeführt. Sie dienten als Vorläufer der heutigen 0900-Nummern. Bei ihnen ist es umgekehrt: Der Preis für das Gespräch ist der Nummer nicht anzusehen, wohl aber, ob es sich um eine Informationshotline (0900-1) oder aber beispielsweise "Erwachsenenunterhaltung" (0900-5) handelt. Details zur Nutzung der heutigen 0900-Nummern haben wir hier zusammengefasst. 2005 wurde die 0190-Gasse deaktiviert.

0130 war kostenlos

Das genaue Gegenteil der 0190-Nummern waren die Nummern mit der Vorwahl 0130: Sie waren komplett kostenlos. Doch sie wurde Ende des Jahres 2000 final deaktiviert. Hintergrund hier ist die Einführung der Kostenlos-Vorwahl 0800, die sich auch international durchgesetzt hat. So wurden die Freephone-Dienste unter einer weltweit gängigen Vorwahl etabliert. Nur wenige Länder haben heute noch andere Kostenlos-Vorwahlen. Als Beispiel wäre Schweden mit 020 zu nennen. In Spanien wird mit Blick auf die in Deutschland übliche 0900-Nummer unglücklicherweise vor allem die "900" für kostenlose Telefonate genutzt. Kostenlos ist das Gespräch übrigens nur für den Anrufer. Der Angerufene übernimmt die Telefongebühren.

01888: Informationsverbund Berlin-Bonn

Die war wenig bekannt und wurde auch wenig genutzt, dabei war sie für ihr Anwendungsgebiet durchaus sinnvoll: Hinter der Vorwahl 01888 war die Bundesverwaltung zu erreichen. Eingeführt wurde die Nummer wegen des Umzugs vieler Ministerien von Bonn nach Berlin. Der Anrufer musste durch die 01888 nicht wissen, ob das Ministerium und sein Ansprechpartner in Bonn oder in Berlin sitzt. Doch durchsetzen konnte sich die Nummer nicht - auch wegen der Telefonkosten. Denn die Kosten für den Anruf waren oftmals nicht transparent, dabei hätten sie eigentlich nicht mehr als ein Gespräch nach Bonn oder Berlin (je nachdem was näher war) kosten dürfen. Aus vielen Mobilfunknetzen war die Nummer erst gar nicht erreichbar.

Die Bundesregierung erkannte die Probleme, es wurden parallele Festnetznummern in Bonn und Berlin geschaltet. Ende 2010 gab man die spezielle Vorwahl auf.

012: Innovative Dienste

Die Vorwahl 01212 dürften viele schon einmal auf Visitenkarten gesehen haben - doch es gibt sie nicht mehr. Hinter der Rufnummerngasse 012 hatte die Bundesnetzagentur einst die Rubrik "Innovative Dienste" eingeordnet. Doch zum Teil waren sie vor allem kreativ in der Tarifgestaltung, aber nicht innovativ. Zwar waren die Kosten für den Anruf zur 01212-Nummer, hinter der eine Telefon-Mailbox und ein Fax-Server von GMX und web.de zu erreichen war, preislich moderat, kostete aber in Zeiten aufkommender Flatrates zu viel.

Auch gab es "innovative" Nummern wie 012345678910, hinter der sich ein Datingportal verbarg, das den Kunden pro Minute 5 Euro in Rechnung stellt. Der BNetzA war das wohl am Ende doch zu innovativ, sie zog 2011 den Stecker.

0138 erst seit kurzem offiziell frei

Erst im Mai diesen Jahres wurde bekannt, dass die Vorwahl 0138 ebenfalls nicht mehr existiert. Auch sie hatte aber ohnehin kaum noch Bedeutung. Einst war sie, wie die Schwesternummer 0137, als Televoting-Nummer gedacht. Tatsächlich genutzt wurde sie aber, wenn überhaupt, als Call-In-Hotline. Doch auch das war schon lange nicht mehr der Fall, weil die Inhaber der Nummern sich nach und nach für andere Dienste entschieden. Die Bundesnetzagentur gab dahin die 0138 in diesem Jahr offiziell auf.

Welcher Dienst hinter welcher Nummer?

Was sich hinter einer Telefonnummer für ein Dienst verbirgt, was der Anruf kostet und welche Sonderrufnummern- und Rufnummern-Gassen es in Deutschland gibt, haben wir auf dieser Seite zusammengefasst.

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