Historie
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Von 012x bis 0190: Diese Vorwahlen gibt es nicht mehr

Erinnern Sie sich noch an die "null­hundert­neunzig und sechs mal die sechs" oder die Vorwahl 0130? Wir werfen einen Blick zurück und zeigen Ihnen, welche Vorwahlen inzwischen Geschichte sind und welchen Zweck sie hatten.
Von Thorsten Neuhetzki /
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0190-Nummer: In Deutschland seit langem Geschichte0190-Nummer: In Deutschland seit langem Geschichte Die Telefonlandschaft in Deutschland hat sich über die Jahre immer wieder verändert - und mit ihr auch die Vorwahlen und Sonderrufnummern, die in Deutschland genutzt wurden. Vielen sind diese Nummern jedoch nicht immer in Erinnerung. So ist immer mal wieder von "teuren 0190-Nummern" zu hören. Dabei gibt es diese Telefonnummern schon seit Jahren nicht mehr. Wir geben einen Überblick über vergangene Vorwahlen und Kurzwahlrufnummern.

0190 mit dem Ruf der Sex-Line

0190-Nummern waren immer doppelt problematisch: Sie waren nicht nur teuer, sondern sie dienten auch vielen schwarzen Schafen dazu, Kasse zu machen und Telefonkunden in die Falle zu locken. 0190-Nummern hatten für Betrüger einen praktischen Vorteil: Sie mussten diese Nummern gar nicht selbst auf sich registrieren, sondern fanden Mittelsmänner und Telefongesellschaften, die das für sie erledigten. Die Folge: Wer die Einnahmen aus den Gesprächen bekam, die bis zu 1,86 Euro pro Minute kosten konnten, war oft unklar, da die Spuren meist gut verwischt waren.

0190-Nummern hatten zudem den Ruf der Sex-Hotlines. Schuld war das nächtliche Werbeprogramm in vielen TV-Sendern, wo auf klangvolle Nummern wie "nullhundertneunzig und sechs mal die sechs" hingewiesen wurde.

Allerdings konnte den Telefonnummern auf einen Blick angesehen werden, wie teuer ein Anruf werden würde. Die erste Ziffer nach der Vorwahl 0190 gab an, wie teuer das Gespräch werden würde - zwischen 62 Cent und 1,86 Euro pro Minute waren möglich, eine thematische Unterscheidung zwischen den Gassen gab es nicht.

Erst spät wurden die frei tarifierbaren 0190-0-Nummern eingeführt. Sie waren der Probelauf für die heutigen 0900-Nummern. (0)900 kommt aus den USA, wo diese Nummern extra teuer sind. Den deutschen 0900-Nummern ist der zu erwartende Preis für das Gespräch nicht anzusehen. Die erste Folgezahl gibt (theoretisch) an, um welche Dienstart es sich handeln könnte, also ob es eine Informationshotline (0900-1) oder aber beispielsweise "Erwachsenenunterhaltung" (0900-5) sein könnte. Details zur Nutzung der heutigen 0900-Nummern haben wir hier zusammengefasst. 2005 wurde die 0190-Gasse deaktiviert.

0130 war kostenlos

Der legendäre Postminister Dr. Christian Schwarz-Schilling "erfand" die Vorwahl 0130. Sie war das genaue Gegenteil der 0190-Nummern. Nummern mit der Vorwahl 0130 waren für den Anrufer komplett kostenlos und bestanden in der Regel aus 4 Ziffern.

Doch sie wurde Ende des Jahres 2000 final deaktiviert. Hintergrund hier ist die Einführung der Kostenlos-Vorwahl 0800, die man (wie die [0]900) aus den USA übernommen hat. Zusätzlich zur nationalen 0800 wurde auch die internationale 00800-Vorwahl für weltweite "Freephone"-Nummern eingeführt. Mit einem kleinen Haken: Diese Nummern sind unter Umständen nicht aus allen Netzen erreichbar und speziell bei Mobilfunk könnten sie - trotz ihres Namens "Freephone" auch nicht kostenlos sein. Verantwortungsvolle Anbieter von 00800-Rufnummern nennen auch immer eine Festnetznummer zum regulären Festnetztarif.

Nur wenige Länder haben heute noch andere Kostenlos-Vorwahlen. Als Beispiel wäre Schweden mit 020 zu nennen. In Spanien wird unglücklicherweise die Vorwahl "900" für kostenlose Telefonate genutzt. Ob das eines Tages geändert werden kann und wird? Kostenlos ist das Gespräch übrigens nur für den Anrufer. Der Angerufene übernimmt die Telefongebühren, man spricht vom "reverse charging".

0181...0189: Virtuelle private Netze

Eine Zeitlang war es speziell für größere Unternehmen sehr "schick", eine "eigene" Vorwahl zu haben. Unter 0181...0189 wurden virtuelle private Netze aufgebaut, wo Banken und Versicherungen oder internationale Konzerne sich dahinter zusammenschalten konnten. Viele dieser Nummern wurden nie veröffentlicht. Es gab beispielsweise die 0185-Hotline der GEZ, der damaligen Gebühreneinzugszentrale. Deren Nachfolger "Beitragsservice" ist zur Vorwahl 01806 (einmalig 20 Cent pro Anruf aus dem Festnetz oder einmalig 60 Cent pro Anruf aus dem Mobilfunk) umgestiegen, aber auch unter einer regulären Festnetznummer zu erreichen, die man unter www.0180.info findet.

01888: Informationsverbund Berlin-Bonn

Eine Besonderheit der virtuellen Netze, war der Informationsverbund Berlin-Bonn. Die Vorwahl war wenig bekannt und wurde auch wenig genutzt, dabei war sie für ihr Anwendungsgebiet durchaus sinnvoll: Hinter der Vorwahl 01888 war die Bundesverwaltung zu erreichen. Eingeführt wurde die Nummer wegen des Umzugs vieler Ministerien von Bonn nach Berlin. Der Anrufer musste durch die 01888 nicht wissen, ob das Ministerium und sein Ansprechpartner in Bonn oder in Berlin sitzt.

(Fast) alle 018x Nummern abgeschaltet

Durchsetzen konnte sich diese virtuellen Nummern nie - wegen der Telefonkosten und der schwierigen Erreichbarkeit. Denn die Kosten für den Anruf waren oftmals nicht transparent und kaum veröffentlicht. Bei der 01888 hätte beispielsweise maximal ein Gespräch nach Bonn oder Berlin (je nachdem was näher war) berechnet werden dürfen. Aus den Mobilfunknetzen gab es aber oft nur bundesweit gültige Tarife. Mitunter war diese Vorwahl daher vom Mobilfunk gar nicht erreichbar.

Die Bundesregierung erkannte die Probleme: Für den Informationsverbund Berlin-Bonn wurden parallele Festnetznummern in Bonn (0228-18-xxx und Berlin (030-99-xxx) geschaltet. Ende 2010 gab man die spezielle Vorwahl 01888 auf. Inzwischen sind auf Wunsch der Bundesnetzagentur alle Vorwahlen 0181..0189 komplett abgeschaltet.

Bis heute erhalten hat sich die Vorwahl 0180x, ursprünglich für geteilte Kostendienste. Bei Einführung durch den bereits erwähnten Minister Schwarz-Schilling waren innerdeutsche Telefonate noch richtig teuer und da konnten kundenfreundliche Unternehmen einen Teil der Anrufkosten übernehmen. Dahinter war leistungsfähige Technik installiert, die je nach Tageszeit und Herkunft des Anrufers die Gespräche regional umverteilen konnte, ideal beispielsweise für große Versandhäuser. Angefangen hatte 0180 mit den Folgeziffern 1..5, später kamen noch 6 und 7 dazu. Wem die Kosten von 0180x "unheimlich" sind, kann in unserem 0180-Telefonbuch manche günstige Alternativrufnummer finden.

012: Innovative Dienste

Die Vorwahl 01212 dürften manche vor einigen Jahren einmal auf Visitenkarten gesehen haben - auch diese gibt es nicht mehr. Am bekanntesten waren die Fax- und Sprachmailboxen von Web.de oder GMX.

Unter der Rufnummerngasse 012 hatte die Bundesnetzagentur einst "innovative Dienste" ausgelobt. Die meisten Dienste waren eher kreativ - in der Tarifgestaltung, aber nicht innovativ. Schnell wurden dorthin hilflose Hotlines zu völlig überhöhten Preisen gelegt. Die "innovative" Nummer 012345678910, hinter der sich ein Datingportal verbarg, stellte den Kunden schlappe 5 Euro pro Minute in Rechnung. Der BNetzA war das wohl am Ende doch zu "innovativ", sie zog 2011 den Stecker und installierte für VoIP-Anschlüsse die 032-Nummern.

0138 ist aus, 0137 bleibt vorerst

Im Zeitalter der analogen Vermittlungstechnik waren Telefonaktionen im Radio oder Fernsehen gefürchtet, weil sie das Telefonnetz blitzschnell "überlasten" konnten. Deswegen wurden eine Zeitlang Sonderrufnummern in bestimmten moderneren Ortsnetzen geschaltet, etwa die 0621-911 (in Mannheim/Ludwigshafen) oder es wurde sogar ein "Fantasie-Ortsnetz" eingerichtet (z.B. 07155-31 für den Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart). Im Postbeamten-Deutsch hieß das MABEZ = Massenanrufe zu bestimmten Einzelzielen. Um diesen Wildwuchs einzudämmen, wurden dafür die Vorwahlen 0137 und 0138 kreiert. Bei der 0137 gab die Folgeziffer Hinweise auf die möglichen Tarife (aus dem Festnetz), aus dem Mobilfunk wurde nie unterschieden. 0137 wird heute für Televoting (etwa beim Grand Prix de la Chanson d'Eurovision) oder The Voice und ähnliche Sendungen eingesetzt.

Die zum Schluss kaum noch verwendete Vorwahl 0138 (bekannt war die Sendung "0138-6000" des Hessischen Rundfunks HR3 bis Mitte 2013) wurde im Jahre 2016 abgeschaltet. Das wurde erst im Mai 2016 eher zufällig bekannt.

Historische Vorwahlen

Die Vorwahlen 0279, 0509 und 0709 wurden einst für den Vorläufer des Funkrufdienstes Cityruf von der Deutschen Bundespost für "Eurosignal" genutzt. Wer am UKW-FM-Radio "ganz nach links" drehte, hörte ein Tiiiiiiiii-düdelüdel-tiiii, die typischen Signaltöne von Eurosignal. Den Dienst gibt es seit 1. April 1998 in Deutschland nicht mehr, diese Vorwahlen sind seitdem "nicht vergeben" oder "nicht bekannt".

Funkrufdienste "Quix" 0165

Mit dem Aufkommen von mehr Telekommunikationsanbietern wurden drei Funkruflizenzen in Deutschland vergeben, die natürlich jeweils eine eigene Vorwahl erhielten. Die 0165 ging an das Unternehmen Miniruf, die mit großem Werbeaufwand ihren Dienst "Quix" bekannt machen wollte. Der Funkrufdienst "Quix" wurde am 31. Dezember 2000 komplett abgeschaltet, das Netz demontiert. Längst wird der Begriff "Quix" von der neuen Quix GmbH in Hamburg für ein Office-Produkt verwendet, und unter "MyQuix" oder "Quix Breitband" gibt es Telefonanschlüsse und Internet, die ebenfalls mit dem Funkruf von damals überhaupt nichts mehr zu tun haben.

Funkrufdienst "TeLMi" 0166

Ein Konkurrent war der Funkrufdienst TelMi der Deutschen Funkruf (DFR), die unter der Vorwahl 0166 mit viel Werbung versuchten, ihren Dienst an den Mann oder die Frau zu bringen. Weil Mobiltelefone viel flexibler waren, waren zwei von drei Funkrufnetzen am Ende zuviel. Geblieben ist das Unternehmen e*message, welches die Funkrufaktivitäten der Deutschen Telekom übernommen hat und weiterhin unter den Vorwahlen 0164, 0168 und 0169 (je nach Anwendung) erreichbar ist.

Bündelfunkdienst 0167(2)

Mit Beginn des Mobilfunks wurde der analoge und später auch digitale Bündelfunk eingeführt. Beim Bündelfunk werden die Funkgespräche von einzelnen Funkgeräten über ortsfeste Sender weitergeleitet und damit die Reichweite erhöht. Um aus dem öffentlichen Telefonnetz bei Bedarf einzelne Funkgeräte erreichen zu können, wurde die Vorwahl 0167 reserviert, die 0167-2 führte zum Netz der Dolphin-Telecom, die es auch längst nicht mehr gibt. Analoge und digitale Bündelfunknetze sind teilweise noch regional aktiv und verwenden bei Bedarf reguläre ortsgebundene Rufnummern.

Historische Kurzwahlen

Ursprünglich war für bestimmte wichtige Zwecke dreistellige Kurzwahlen (ohne Vorwahl) vorgesehen. Einige gibt es heute noch.

  • 110 ist die Kurzwahl der Polizei bei Unfällen oder Überfällen.
  • 112 ist die weltweite Notrufnummer für Feuerwehr oder die integrierte Rettungsleitstelle.
  • 113 (später 01131) war einst für Telegramme bestimmt.
  • 114 (später 01141) vermittelte zum "Auftragsdienst", heute würde man "Concierge-Service" dazu sagen.
  • 115 verband in der damaligen DDR zur "schnellen medizinischen Hilfe", heute kann (theoretisch) bundesweit die Behördenhotline D115 erreicht werden, die alle Fragen zu Behördengängen beantworten können sollte.
  • 116 wurde für Rufnummern von sozialem Wert eingeführt. Unter 116 116 kann man beispielsweise verlorene Handy-SIM-Karten oder Bankkarten sperren lassen. Früher wurden unter 0116x beispielsweise Lottozahlen oder Kinoprogramme angesagt.
  • 117 war einst die Telefonstörungsannahme. Später wurde daraus die 01171, um verschiedene Nummern für verschiedene Störungsfälle zu haben.
  • 118 war einst die Telefonauskunft, 00118 die Auskunft international. Heute ist 118 die Vorwahl für Auskunftsdienste, am bekanntesten die private 11880 oder die Telekom mit 11833 (bzw. 11881 und 11834 für Nummern im Ausland).
  • 119 (später 01191) sagte einst die Zeit an.

Welcher Dienst hinter welcher Nummer?

Was sich hinter einer Telefonnummer für ein Dienst verbirgt, was der Anruf kostet und welche aktiven Sonderrufnummern- und Rufnummern-Gassen es in Deutschland gibt, haben wir auf dieser Seite zusammengefasst.

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