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Pro & Contra: Teures Smartphone, muss das sein?

Das Handy als Prestigeobjekt oder einfach nur als Alltags-Begleiter ohne Highend-Allüren: Während Smartphone-Preise von über 400 Euro für manche utopisch sind, geben andere viel Geld für ein neues Flaggschiff-Handy aus, ohne mit der Wimper zu zucken.
Von Daniel Rottinger / Hans-Georg Kluge
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Der Preis ist bekanntlich heiß. Auch die Gemüter der Smartphone-Nutzer sind erhitzt, wenn es um das Budget für ein neues Handy geht. In der teltarif.de-Redaktion gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Wir haben unsere beiden Redakteure Daniel Rottinger und Hans-Georg Kluge gebeten, ihre Argumente in einem Pro & Contra auszutauschen. Diskutieren Sie mit in unserem Forum: "Teures Handy, muss das sein?"

Pro und Contra

Hans-Georg Kluge
Pro
Hans-Georg Kluge
Zugegeben, ein Smart­phone für 200 Euro zu kaufen, reizt mich schon. Aber für meinen Alltag habe ich noch kein Handy entdeckt, das in dieser Preisklasse meine Ansprüche an mein Haupt-Handy erfüllen könnte.

Für mich gibt es Features, die ein neues Smart­phone unbedingt erfüllen muss. Hier mal meine wichtigsten Aus­schluss­kriterien: Schneller (!) Prozessor, mindestens 3 GB Arbeits­speicher, 32 GB interner Speicher (besser mehr), ein tolles, helles und 5,2- bis 5,5 Zoll großes Display mit Full-HD-Auflösung (lieber Quad-HD, kein AMOLED), aktuelles Android (inklusive zügige Systemupdates), hervorragende Haupt-Kamera, aptX-Codec für Bluetooth-Musik-Streaming, Qi für kabelloses Laden.

Natürlich wird nicht jeder bei dieser Liste sagen: "Ja, darunter mach ich's nicht". Ich spiele jedoch gerne mal ein Mobile-Game, habe Musik von einem Musik-Streaming-Dienst gespeichert, nutze die Kamera für Urlaubs­bilder (nicht ausschließlich, aber dürftige Fotos von Reisen oder Veranstaltungen sind bei mir nicht so gefragt). Und bei normalerweise gut 150 installierten Apps sind Multitasking-Fähigkeiten essentiell für mein Smart­phone.

Meine Erfahrungen mit Mittel­klasse-Smartphones sind durch die Bank weg negativ. Zweimal habe ich mich dazu hinreißen lassen, günstigere Angebote zu kaufen. Meist war schon nach wenigen Wochen oder Monaten klar: Die Systemleistung reicht nicht. Da beginnt dann der Launcher zu ruckeln, Web­seiten müssen nach einem App-Wechsel neu geladen werden und aus dem Standby erwacht das Smart­phone erst nach mehreren Sekunden.

Ein Smart­phone-Wechsel könnte bei mir schon im Herbst oder im Frühjahr 2016 anstehen, denn es zeichnet sich bereits ab, dass mein aktuelles LG G3 seinen Aufgaben bald nicht mehr gewachsen ist. Der Blick in die Glaskugel aber verrät: Auch dann dürfte es nichts mit einem günstigen Smart­phone werden. Weder Kamera noch Systemleistung sind in der Mittelklasse auf dem Niveau, das ich mir vorstelle. Im Augenblick überzeugt mich aber auch kein Top-Smartphone des Jahrgangs 2015. Selbst aktuelle IFA-Ankündigungen haben Ihre Schwachpunkte. Aber immerhin gibt es mit dem Galaxy S6, dem Gigaset Pro und dem Moto X Style drei potenzielle Kandidaten.

Für ein Smart­phone, das alle wichtigen Features mitbringt, bin ich schon bereit, auch einen höheren Betrag auf den Tisch zu legen. Aber wenn ein Hersteller 500 Euro oder mehr von mir haben will, erwarte ich im Gegen­zug, dass ich keine Kompromisse machen muss.

Daniel Rottinger
Contra
Daniel Rottinger
Meiner Meinung nach ist es eher unsinnig, hunderte Euro für ein teures Flaggschiff-Gerät auszugeben, welches wenige Monate später bereits zum Alteisen gehört. Daher kommt für mich die Anschaffung eines 400+-Euro Geräts nicht in Frage. Mein Budget-Rahmen: 200 Euro. Warum soll ich zusätzlich zu den monatlichen Tarifkosten fürs Telefonieren und Surfen unterwegs mehr Geld ausgeben?

Klar, das Smartphone begleitet mich meist durch den gesamten Alltag und daher könnte man meinen, dass ihm eine entsprechend große Bedeutung zukommt. Ja, auch ich möchte während der Handy-Nutzungszeit möglichst effektiv arbeiten und mich gut unterhalten lassen. Doch ist dafür ein teures Smartphone wirklich erforderlich? Nein! Auf meinem Samsung Galaxy S3 mini für rund 100 Euro laufen alle wichtigen Standard-Anwendungen flüssig. Auch beim Surfen und Telefonieren muss der S3-Mini-Nutzer kaum Abstriche machen. Gegen die jährlichen Flaggschiff-Revisionen der großen Hersteller verwehre ich mich - meinem Geldbeutel zuliebe - erfolgreich. Da springe ich lieber von Billig-Smartphone zu Billig-Smartphone.

Statussymbol versus Nutzgerät

Einen Vergleich mit der KFZ-Welt halte ich für angebracht: Ich bin kein Schönwetter-Nutzer (vgl. "Ferrari"), der das Smartphone in einer speziellen Hülle ummantelt und mit Schutzfolie beklebt. Mir reicht ein zweckmäßiges Gerät (vgl. "Fiat"), mit dem ich metaphorisch gesehen von A nach B gelange beziehungsweise meinen mobilen Alltag gemanagt bekomme.

Ein Device mit Samthandschuhen anzufassen erzeugt zwar die positive Emotion der Unbeflecktheit, aber für das Alltagsgerät Smartphone eignet sich dieser Umgang eher nicht. Meine Xbox One Spielekonsole, die nicht wirklich transportabel und daher weniger unfallgefährdet ist, lässt sich hingegen wunderbar hegen und pflegen. Die Rechtfertigung für den hohen Anschaffungspreis ist hier also gegeben.

Ganz anders in der Smartphone-Welt: Es gibt immer wieder Situationen, in denen das Handy ohne eigenen Einfluss zu Schaden kommt. Bei einem neuen Top-Smartphone ist ein "Unfall" besonders ärgerlich, gerade wenn es kleinere Macken sind, die in der Reparatur zu teuer sind. Bei günstigen Handys ärgerte ich mich zwar auch über den fiesen Displaykratzer oben rechts, aber dieser ist noch verzeihlich.

Ein teures Zweithandy für Schönwetter-Tage kommt für mich ebenfalls nicht in Frage. Es ist mir einfach zu umständlich, zwischen zwei Geräten Daten zu synchronisieren.


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