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Telekom: Volksverschlüsselung für sichere E-Mail-Kommunikation gestartet

Nutzer können sich nun für den kostenfreien Volksverschlüsselung-Dienst der Telekom anmelden und damit ihre E-Mails Ende-zu-Ende verschlüsseln.
Von Daniel Rottinger mit Material von dpa
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Anwender können Verschlüsselungssoftware gebührenfrei nutzenAnwender können Verschlüsselungssoftware gebührenfrei nutzen Datenlecks, Cyberangriffe und Enthüllungen wie die von Edward Snowden treiben das Interesse an sicherer digitaler Kommunikation voran. Eine konsequente Mail-Verschlüsselung könnte Abhilfe schaffen, allerdings ist das vielen Laien zu kompliziert. Das soll sich mit der Volksverschlüsselung ändern.

Die Verschlüsselung von E-Mails soll durch eine Initiative der Deutschen Telekom und des Fraunhofer-Instituts deutlich erleichtert werden. Unter dem Titel Volksverschlüsselung stellten das Unternehmen und das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT heute eine Lösung vor, mit der auch technische Laien Ihre Mails mit Hilfe einer kostenlosen Software in wenigen Schritten verschlüsseln können. Eine erste Version läuft auf Windows-PCs, Lösungen für die Apple-Systeme Mac OS und iOS sowie Android und Linux seien geplant. Den entsprechende Client können Nutzer hier herunterladen. Zudem ist angedacht, dass die Volksverschlüsselung künftig auch bei Webmail-Angeboten Einzug erhalten könnte, wie aus der Frage-Antworten-Sektion der Telekom zum neuen Verschlüsselungsdienst hervorgeht. Allerdings müssen die Anbieter dafür mit dem Fraunhofer-Institut zusammen­arbeiten.

Setup: Wenige Klicks sollen ausreichen

Software steht zunächst nur für Windows zum Download bereitSoftware steht zunächst nur für Windows zum Download bereit Mit wenigen Klicks sollen die Anwender in die Lage versetzt werden, verschlüsselte Mails zu versenden und zu empfangen. Die Plattform übernimmt dabei auch die Beglaubigung der verwendeten Schlüssel und betreibt einen Verzeichnisdienst, in dem man die öffentlichen Schlüssel von Kommunikationspartnern suchen kann. Die eigentliche Software soll automatisch alle Schritte der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung übernehmen. Entsprechende Pläne für eine sogenannte Volksverschlüsselung hatten Fraunhofer und Telekom bereits im November 2015 angekündigt.

"Mit der Volksverschlüsselung können Bürgerinnen und Bürger ihre digitale Souveränität verbessern und sich wirkungsvoll vor unerwünschter Massenüberwachung schützen", sagte Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer SIT. Die Anwendung soll ausdrücklich die digitale Agenda der Bundesregierung unterstützen und die Forderungen der "Charta zur Stärkung der vertrauenswürdigen Kommunikation" erfüllen, die im November 2015 von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Vertretern aus der Wirtschaft unterzeichnet wurde.

Die Software unterstützt zunächst die Mailprogramme Outlook und Thunderbird unter Windows. Fraunhofer ist für die Entwicklung der Anwendung verantwortlich, die Telekom stellt mit einem ihrer Hochsicherheitszentren die nötige Infrastruktur zur Verfügung.

Das Programm generiert nach der Installation die notwendigen kryptografischen Schlüssel auf den Rechnern und konfiguriert die Mailprogramme oder andere Anwendungen wie Browser entsprechend. Die privaten Schlüssel verbleiben ausschließlich beim Nutzer, versicherten die Anbieter. Damit soll sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gewährleistet werden. Selbst unerfahrene Anwender sollen das Verfahren einfach nutzen können. In Kürze möchten die Entwickler zudem den Quelltext für Interessierte auf der Webseite zugänglich machen.

Anmeldung per Telekom-Log-in oder elektronischem Personalausweis

Die Authentifizierung erfolgt zunächst über einen Telekom-Log-in oder mit Hilfe des elektronischen Personalausweises. Künftig sollen sich Interessierte aber auch in Telekom-Shops mit ihrem Ausweis für die Volksverschlüsselung registrieren lassen können, hieß es. Erstmals konnten sich Nutzer im Rahmen der CeBIT 2016 für die Nutzung des Dienstes anmelden.

Der Telekom-Wettbewerber United Internet, der bei seinen Diensten Web.de und GMX ebenfalls eine vereinfachte Verschlüsselung anbietet, begrüßte die Volksverschlüsselung-Inititative. Die Zusammenarbeit aller Anbieter sei nötig, um Verschlüsselung in Deutschland zu etablieren. Zur CeBIT 2016 hatten Web.de und GMX berichtet, dass eine halbe Million Nutzer die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eingerichtet haben.

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