Überblick

Telefonieren per VoIP: Die günstigsten Tarife im Vergleich

Wer keine Flat­rate hat, zahlt für Tele­fonate in die Mobil­funk-Netze oder ins Ausland zum Teil horrende Preise. Deut­lich güns­tiger sind Tele­fonate über das Internet per VoIP. Wir stellen ausge­wählte und güns­tige VoIP-Tarife vor und geben Tipps.
Von / Paulina Heinze

Tele­fonie-Flat­rates sind zwar weit verbreitet, doch auch in Flat­rates ist nicht immer alles enthalten, was der Tele­fon­kunde vermutet. In einer Allnet-Flat sind keine Auslands­tele­fonate inklu­diert, und in einer Fest­netz-Flat­rate sind keine Tele­fonate in die Mobil­funk­netze einge­schlossen. Die Minu­ten­preise, die die Handy- und Fest­netz-Provider für Tele­fonate außer­halb der Inklu­siv­leis­tung berechnen, sind teils saftig.

Tele­fonieren per Voice over IP (VoIP) stellt daher für viele Kunden eine güns­tige Alter­native zu den teils dras­tischen Minu­ten­preisen dar, die zu Auslands­zielen und in die deut­schen Mobil­funk­netze berechnet werden. Fern­gespräche inner­halb Deutsch­lands sind beispiels­weise unter 1 Cent pro Minute möglich, und auch Auslands­tele­fonate sind bei diversen Anbie­tern für wenige Cent Minu­ten­preis zu haben.

In unserem Tarif­ver­gleich haben wir uns einmal auf die Suche nach güns­tigen VoIP-Anbie­tern gemacht, die Tele­fonate ohne monat­liche Grund­gebühr offe­rieren. Bei den meisten wird auch keine einma­lige Anmel­dege­bühr fällig. Unser heutiger Vergleich stellt ledig­lich eine Auswahl aller verfüg­baren Anbieter dar.

VoIP: Erlaubt - verboten - gesperrt?

Günstige Tarife für das Telefonieren per VoIP Günstige Tarife für das Telefonieren per VoIP
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Dass Tele­fonieren per VoIP eine güns­tige Alter­native zu teuren Fest­netz- und Mobil­funk­tarifen darstellt, haben mitt­ler­weile natür­lich auch die Fest­netz- und Mobil­funk-Provider gemerkt. Darum erlauben sie manchmal die Tele­fonie per VoIP in den AGB nicht. Hierbei gibt es aber verschie­dene Abstu­fungen.

In einigen AGB findet sich die Formu­lie­rung, dass VoIP und andere Dienste wie Peer-to-Peer oder Black­berry-Services "nicht Bestand­teil des Vertrags" sind. In anderen Nutzungs­bedin­gungen steht hingegen, dass sie "verboten" oder "nicht möglich" sind. Egal welche Formu­lie­rung der Provider verwendet: Der Kunde kann vorab nicht wissen, ob die Nutzung ledig­lich per AGB verboten ist oder ob VoIP-Tele­fonie auch tatsäch­lich tech­nisch unter­bunden wird. Dies kann man nur durch Auspro­bieren heraus­finden. Ist die Nutzung verboten, aber tech­nisch möglich, heißt das nicht, dass der Nutzer damit ein Recht auf VoIP-Tele­fonate erwirbt. Der Provider kann auch jeder­zeit nach­träg­lich VoIP sperren oder sogar dem Kunden kündigen, wenn die verbots­wid­rige VoIP-Nutzung als Kündi­gungs­grund in den AGB genannt wird.

Mitt­ler­weile gibt es aber eine gewisse Anzahl von Fest­netz- und Mobil­funk-Provi­dern, die VoIP explizit erlauben und das auch in den AGB stehen haben. Dies muss aller­dings nicht für alle Tarife des Anbie­ters gelten. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass VoIP in einem Smart­phone-Tarif mit Minu­ten­paket verboten, aber in einem reinen mobilen Daten­tarif explizit erlaubt ist. In jedem Fall lohnt sich ein Blick in die AGB des eigenen Fest­netz- oder Handy­tarifs.

So nutzen Sie VoIP auf Ihrem Gerät

In unserem heutigen Artikel geht es nicht um tech­nisch geschlos­sene und dafür kosten­lose VoIP-Services wie Skype oder WhatsApp Call, die nur mit der Soft­ware oder App des jewei­ligen Anbie­ters nutzbar sind. Die in unserem Tarif­ver­gleich vorge­stellten VoIP-Dienste verlangen stets einen Minu­ten­preis für die Tele­fonie, haben aber den Vorteil, dass sie auf einer Viel­zahl von Geräten und Systemen platt­form­über­grei­fend genutzt werden können, oft sogar ganz ohne Soft­ware-Instal­lation.

Wichtig ist, dass das verwen­dete Gerät einen Breit­band-Inter­net­zugang sowie Mikrofon und Laut­spre­cher hat. Am Computer reicht beispiels­weise ein handels­übli­ches Headset. VoIP kann grund­sätz­lich genutzt werden per Smart­phone, Laptop, Tablet oder über ein kompa­tibles Fest­netz­telefon, das mit einem Breit­band-Router verbunden ist. In der Regel sollten 128 kBit/s im Down- und Upstream für die meisten VoIP-Dienste ausrei­chen, dann sollte aber nebenher kein weiterer Daten­ver­kehr über dieselbe Leitung statt­finden. Wer bei einem mobilen Daten­tarif bereits auf 64 kBit/s oder noch weniger gedros­selt wurde, muss damit rechnen, dass IP-Tele­fonie über die Leitung nicht mehr funk­tio­niert.

Kunden, die sich bei einem VoIP-Service anmelden, erhalten in der Regel persön­liche Zugangs­daten und die Daten des VoIP-Servers sowie eine Rufnummer. Viele Provider vergeben sogar kostenlos eine deut­sche Orts­netz-Rufnummer statt einer typi­schen Internet-Rufnummer mit der Vorwahl 032, die für den Anrufer in der Flat­rate nicht enthalten ist. Nach den gesetz­lichen Vorgaben muss sich die Orts­netz-Rufnummer in dem Vorwahl­bereich befinden, in dem der Kunde seinen Wohn­sitz hat. Manche VoIP-Anbieter erlauben auch Komfort­merk­male wie Anklopfen, Makeln, CLIP, Paral­lelruf, Konfe­renz, Sprachbox im Internet, Nach­rich­ten­zustel­lung per Mail oder sie nehmen auf Wunsch einen Tele­fon­buch­ein­trag vor. Auch die Portie­rung der Fest­netz-Nummer von oder zu einem VoIP-Anbieter wird oft unter­stützt - gege­benen­falls fallen hierfür Kosten an.

Ein weit verbrei­teter Stan­dard für VoIP ist das SIP-Proto­koll. Smart­phones mit Android ab Version 4 haben den Vorteil, dass sie Internet-Tele­fonie ohne weitere Soft­ware-Instal­lation unter­stützen. Der VoIP-Zugang kann in den Tele­fonie-Einstel­lungen einge­richtet werden, meist heißt die Funk­tion "Anruf­konten", "Inter­net­anrufe" oder "SIP-Konten". Unter iOS muss eine SIP-App für die Tele­fonie instal­liert werden - bekannte Beispiele sind Zoiper, Media5-fone, Linphone oder Bria.

Für Windows werden oft PhonerLite, Linphone, x-lite, NinjaLite, Phoner, Zoiper oder Bria genannt. Einige dieser Clients sind auch für Mac OS oder Linux verfügbar, für Mac OS gibt es darüber hinaus das Programm "Telefon" von der Firma "64 Charac­ters". Auch in FRITZ!Box-Routern und diversen Speed­port-Routern der Telekom können beispiels­weise direkt die SIP-Zugangs­daten eines VoIP-Anbie­ters einge­geben werden.

Auf der folgenden Seite erläu­tern wir, welche Abrech­nungs­modelle es bei VoIP-Anbie­tern gibt und welche Vorteile Tarife mit monat­licher Grund­gebühr haben. Außerdem zeigen wir tabel­larisch, welche VoIP-Anbieter güns­tige Tele­fonate ins deut­sche Fest­netz und in die Mobil­funk­netze bieten.

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