Breitbandausbau

Vodafone: 1 GBit/s für 25 Millionen Kabelhaushalte geplant

Noch ist der Verkauf von Unitymedia nicht in trockenen Tüchern, da plant Vodafone schon mit deren Kunden. Bis Ende 2021 will der Konzern alle Kabelhaushalte, auch die von Unitymedia, mit Gigabit-Anschlüssen ausstatten - wenn die Kartellbehörden dem Verkauf zustimmen.
Vom Hessischen Breitbandgipfel in Frankfurt berichtet Marc Hankmann
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Gigaibit-City Frankfurt Schüler Feldmann Al-Wazir
Lutz Schüler (Mitte) mit Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (links) und Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir beim Startschuss für die Gigabit-City Frankfurt
Gestern hat Unitymedia nach Bochum auch Frankfurt zur Gigabit-City gekürt. Ebenso wie in der Stadt im Ruhrgebiet baut der Kabelnetzbetreiber in der Main­metropole sein Netz mit dem Übertragungsprotokoll DOCSIS 3.1 aus. Dadurch werden im ersten Schritt Geschwindigkeiten von bis zu 1 GBit/s möglich. Später können es gar 10 GBit/s werden. Auch Vodafone ist dabei, DOCSIS 3.1 im eigenen Netz auszurollen.

In drei Jahren will der TK-Konzern sowohl die eigenen als auch die Kabelhaushalte von Unitymedia mit Gigabit-fähigen Internetanschlüssen versorgen, wie Jürgen Raith, Bereichsleiter Glasfaser Vermarktung und Rollout bei Vodafone Deutschland, gestern auf dem 9. Hessischen Breitbandgipfel in Frankfurt am Main erklärte. Das beträfe 25 Millionen Haushalte. Doch dazu muss der Verkauf von Unitymedia an Vodafone von den Kartellbehörden noch genehmigt werden.

Vodafone Raith Hessischer Breitbandgipfel
Jürgen Raith von Vodafone kann sich Open Access im Kabel nur im Businessbereich vorstellen

"Verkauf wird Wettbewerb beleben"

Unitymedia-CEO Lutz Schüler geht davon aus, dass der Verkauf von der EU-Kommission geprüft wird, da neben Unitymedia auch weitere Gesellschaften in Osteuropa, die zu Liberty Global gehören, den Besitzer wechseln sollen. „Der Verkauf wird den Wettbewerb beleben“, sagte Schüler auf dem Breitbandgipfel. „Er wird Wettbewerber zwingen, schneller zu investieren.“

Ob das die Kartellwächter auch so sehen, wird sich noch zeigen. Es könnte durchaus sein, dass ihnen Vodafone als dann bundesweit tätiger Kabelnetz­betreiber zu marktmächtig ist. Auflagen drohen, Vodafone könnte dazu verpflichtet werden, das Kabelnetz für Dritte zu öffnen. „Open Access lehnen wir im Privatbereich ab“, sagte Raith in Frankfurt, der sich aber im Businessbereich Wholesale-Produkte vorstellen kann.

Schüler schlägt die gleichen Töne an: „Wir glauben an den Infrastrukturwett­bewerb und brauchen dafür unser Netz als Differenzierungsmerkmal.“ Das würde bei einer Open-Access-Verpflichtung wegfallen. Sicherlich würde Vodafone mit einer solchen Auflage auch weniger motiviert sein, sämtlichen Kabelkunden bis 2021 Gigabit-Anschlüssen anzubieten – man würde schließlich das Netz auch für Wettbewerber aufrüsten. Die Prüfung durch die Kartellbehörden wird sich aller Voraussicht nach bis Sommer 2019 hinziehen.

TK-Experte Torsten J. Gerpott erläutert in einem Gastbeitrag, ob die Auswirkungen der Unitymedia-Übernahme durch Vodafone auf den deutschen Breitbandmarkt wirklich so drastisch sind.

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