Neuordnung

Gerpott: Vodafone und o2 werden Mitarbeiterabbau überprüfen

Fusionen mit Kabelnetz und Konkurrenz sollen Aufschwung bringen
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Für die Telekom brechen schwere Zeiten an.Die Fusionen in der Mobilfunkbranche lassen die Telekom erzittern. Zwischen den vier renommierten Netzbetreibern Telekom, Vodafone, o2 und E-Plus herrscht ein stetiger Wettbewerb. Nun versucht das Unter­nehmen Vodafone durch seine Fusion einen Vor­sprung gegenüber der Kon­kurrenz zu erzielen. Doch auch E-Plus und o2 sind fleißig beim Aus­bau ihrer Unternehmen und Netze. Meistens zu Lasten der Mitarbeiter. Der Experte Torsten Gerpott, Professor für Tele­kom­mu­nikations­wirt­schaft an der Uni­versität Duisburg-Essen, äußerte sich in einem Interview mit dem Handels­blatt über die Zukunft der nationalen Mobil­funk­branche und deren Mitarbeiter.

Nur noch drei große Mobilfunkunternehmen auf dem deutschen Markt

Eine Neuanordnung auf dem Mobilfunkmarkt wird die Übernahme von E-Plus durch den spanischen Telefónica-Konzern nach sich ziehen. Der Zusammen­schluss von o2 und E-Plus wird dann, gemessen an der Kunden­zahl, das größte deutsche Mobil­funk­unter­nehmen ergeben. Der Wett­bewerb um Kunden durch mögliche Preisneuerungen geht somit in eine neue Runde.

Un­sicher sieht hin­gegen die Zukunft für die E-Plus-Mit­arbeiter aus. Konzern-Sprecher Guido Heitmann de­mentierte die öffent­liche Diskussion über eine Ver­lagerung der E-Plus-Zentrale von Düsseldorf nach München: "Für solche Spe­kulationen ist es zu früh." Torsten Gerpott glaubt ebenso nicht, dass der Standort Düsseldorf komplett aufgelöst werden wird: "In der Bilanz muss Düsseldorf mit leichten Ab­strich­en rech­nen", sagte er dem Handelsblatt. Aller­dings sieht er durch die Kon­solidierung eine Be­stä­tigung des Stand­ortes Düsseldorf als Mobile Capital.

Ebenso uneindeutig ist auch der Verbleib der rund 1 000 Mitarbeiter aus den E-Plus-Tochterunternehmen. Über die Zukunft von simyo, Gettings und Ay Yildiz will sich die E-Plus-Geschäftsführung momentan noch nicht konkret äußern. Genaue Aussagen über den Erhalt der Standorte werde es erst Mitte 2014 geben. Die Marktstrategie solle jedoch nicht geändert werden, gab der Konzern bekannt.

Vodafone und das Kabelnetz

Und auch die Mitarbeiter anderer Telekommunikationsunternehmen müssen um ihre Zukunft bangen. Erst vergangenen Freitag stimmte die EU-Kommission in Brüssel dem Fusionsvorhaben von Vodafone und Kabel Deutschland zu. Doch für viele Mitarbeiter bedeutet der Milliarden schwere Deal eine unsichere Zukunft, denn einige Mitarbeiter aus der Kabel-Deutschland-Zentrale könnten im Zuge der Fusion nach Düsseldorf versetzt oder gänzlich eingespart werden. Gerpott ist der Meinung, dass bei dieser Fusion ebenfalls die Einsparung doppelter Ressourcen durch Vodafone überprüft werden wird. Weiter nimmt der Experte hier aber ebenso wie bei "o2-E-Plus" an, dass das fusionierte Unternehmen Vodafone-Kabel-Deutschland langfristig seinen Standort in Düsseldorf beibehalten wird.

Der Mobilfunkriese Vodafone will durch seine Fusion mit dem Kabel­netz-Markt­führer Kabel Deutschland als Komplettanbieter der Telekom die Füh­rungs­position streitig machen. Dabei liegt der Fokus des einstmaligen Mannesmann-Sprößlings auf den hervorragend ausgebauten Kabelnetzen, die eine Surf­ge­schwin­dig­keit von bis zu 400 MBit/s ermöglichen. Diese Option ist für viele Kunden bei der Wahl ihres Inter­net­an­schlusses ein ent­scheidender Faktor, da sie zunehmend Filme und Serien online in HD-Qualität anschauen möchten.

Besonders für die Telekom ist dies ein großer Stich. Schließlich musste der Mobilfunkanbieter auf Verlangen der Europäischen Union (EU) hin sein TV-Kabelgeschäft 1999 verkaufen. Zudem kann die Telekom, auf Grund ihrer Netze, ihren Kunden nur eine Surfgeschwindigkeit per VDSL von 50 MBit/s anbieten und wird hierdurch seine Stellung auf dem Markt einbüßen. Ab 2014 wird der Konzern seinen Kunden mit VDSL-Vectoring immerhin 100 MBit/s ermöglichen.

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