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Vodafone-Chef Ametsreiter: "Wir haben das schnellste Festnetz"

Der Deutschland-Chef von Vodafone Hannes Ametsreiter glaubt nicht, dass Kunden ein 50-MBit/s-Anschluss ausreicht. Vodafone beschleunigt sein Netz jetzt auf bis zu 500 MBit/s. Doch kommt das auch wirklich bei den Kunden an?
Von der CeBIT in Hannover berichtet
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Vodafone-Chef Hannes AmetsreiterVodafone-Chef Hannes Ametsreiter Es war ein regelrechtes Produkt- und Innovations­feuerwerk, das Vodafone den zahlreichen Journalisten am Sonntag vor der CeBIT in Hannover präsentiert hat. Nur ein Teil davon ist jedoch für Privat­anwender am Ende wirklich interessant, manches - wie das LTE-Netz auf dem Mond - eher aus der Rubrik "Kurioses". Durch das komplette, mehr als eine Stunde dauernde Programm führte der Chef persönlich: Hannes Ametsreiter. So konnte er auch zu vielen Punkten die Ansichten der Geschäftsführung darlegen.

Am meisten polarisieren dürfte Ametsreiter dabei mit einer Aussage zu seinem Kabelnetz: "Wir haben das schnellste Festnetz", sagte der Manager und kündigte den Ausbau des eigenen Kabelnetzes auf bis zu 500 MBit/s an - wenngleich das nur in 20 Prozent des überhaupt versorgten Bereiches erfolgt. "Wir haben viel investiert. Vor gar nicht langer Zeit waren wir noch bei 100 MBit/s, dann 200 und heute weitgehend bei 400 MBit/s", warf er einen Blick zurück.

Viel investiert und doch noch Engpässe

Dabei ging er jedoch - nachvoll­ziehbarer Weise - nicht darauf ein, dass es in einigen Teilen Deutschlands so gar nicht klappen mag mit dem Giganetz. Wie berichtet, gibt es unter anderem in Berlin, aber auch in anderen Teilen Deutschlands, Kabel-Cluster, die bildlich gesprochen vollgelaufen sind und in den Abendstunden nur Bruchteile der gebuchten Bandbreite bieten. Dabei handelt es sich in einigen Fällen, die der Redaktion bekannt sind, nicht um kurzfristige Ein­schränkungen, sondern um Probleme, die sich schon über ein Jahr erstrecken. An Gigabit ist hier kaum zu denken.

Abseits dessen stimmt die Äußerung, Vodafone habe das schnellste Festnetz, auch objektiv nicht. Mit echter Glasfaser-Infrastruktur, die mindestens bis in die Keller Deutschlands geht, lassen sich schon heute Gigabit-Datenraten erreichen - und das sogar symmetrisch, während Vodafone im Kabel bei zwei­stelligen Upstream-Raten bleibt. Für Privatkunden bieten beispielsweise die Vereinigten Stadtwerke in Schleswig-Holstein, Tele Columbus in einer bayerischen Gemeinde und die Telekom in einem Pilotprojekt in Chemnitz Gigabit-Leitungen an.

50 MBit/s sind Kunden nicht genug

Doch Ametsreiter war in seinen Äußerungen überzeugt: "Wir schieben das Kabelnetz noch eine Dimension weiter." Rhetorisch stellte er die Frage, warum Vodafone das macht: "Es wird nachgefragt." Er sagte: "Wenn Ihnen jemand sagt, 50 MBit/s sind genug, würde ich es nicht glauben." Ametsreiter dürfte damit auf den Mitbewerber Deutsche Telekom hindeuten, die bei der Diskussion um einen Glasfaserausbau immer wieder sagt, dass Kunden höhere Datenraten nicht nachfragen würden. Ametsreiter räumte aber auch ein, dass durch die schnellen Leitungen ein gewaltiger Daten­traffic entstehe. "Das schaffen nur die besten Infra­strukturen".

Vodafone hatte heute auf der CeBIT angekündigt, sein Kabelnetz - aber auch das LTE-Netz - in Teilen schon bis zum Sommer auf 500 MBit/s beschleunigen zu wollen.

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