Klarstellung

Vodafone Kabel: Routerfreiheit ja - aber gegen Aufpreis

Ein teltarif.de-Leser wollte bei Vodafone Kabel mit Beginn der gesetzlichen Routerfreiheit ganz euphorisch seine eigene FRITZ!Box nutzen. Doch das hätte eklatante Nachteile mit sich gebracht: Nur noch eine Nummer und eine Leitung. Wie ist es um die Routerfreiheit bei Vodafone wirklich bestellt?
AAA
Teilen

Routerfreiheit bei Vodafone nur gegen AufpreisRouterfreiheit bei Vodafone nur gegen Aufpreis Auf die gesetzlich vorgeschriebene Routerfreiheit haben sich insbesondere die Kunden von Kabel-Internet-Anschlüssen gefreut, weil hier bislang zwangsweise vom Netzbetreiber vorgeschriebene Router und Modems der Normalfall waren. Dass die Routerfreiheit aber in technischer Hinsicht ihre Grenzen hat, haben wir bereits in unseren Artikeln zum Telefon-Problem bei der Kabel-FRITZ!Box und zum langsamen Downstream bei Unitymedia aufgezeigt.

Mittlerweile stellt sich heraus, dass manch ein Kabel-Internetanbieter mit einem freien Router nicht dieselben Services bieten kann oder will, wie mit einem frei gekauften Router. In unserem heutigen Fall wunderte sich ein Kunde von Vodafone Kabel, dass er mit einem freien Router auf viele Services verzichten müsste. Wir haben bei Vodafone nachgehakt.

Vodafone: Mit eigenem Kabel-Router mehr Nachteile als Vorteile?

Der teltarif.de-Leser ist Bestandskunde bei Vodafone Kabel, bis 31. Mai mit der 32-MBit/s-Leitung, seit 1. Juni mit der 100-MBit/s-Leitung inklusive Homebox 6490. In der letzten Juliwoche kontaktierte der Kunde per Hotline seinen Netzbetreiber, um zu erfahren, wie es wäre, wenn er die freie Router-Wahl in Anspruch nehmen würde. Der Mitarbeiter erklärte am Telefon, der Kunde könne dies auf jeden Fall machen, er würde sogar noch besser wegkommen als mit der Box von Vodafone Kabel. Nachteile gebe es nicht, nur Vorteile. Der Kunde könne sogar die momentane FRITZ!Box 6490 auf Kosten des Hauses zurücksenden. Dazu müsse er den Beleg der Post/DHL einscannen und um Kostenerstattung bitten. Wenn die neue Box angeschlossen werde, würde das System dies sofort erkennen und die Zugangsdaten mitteilen.

In seiner Euphorie kündigte der Kunde im Kundencenter sofort die Homebox-Option, die gegenüber dem Kabelmodem monatlich 5 Euro Aufpreis kostet. Nach einem Blick ins Kundenforum wurde der teltarif.de-Leser dann allerdings stutzig. Dort las er, dass in seinem Fall die Komfortfunktion (zwei Leitungen für die Telefonie) wegfallen würde, außerdem käme eine Gerätetauschgebühr (knapp 30 Euro) auf ihn zu. Bei einem weiteren Anruf bei der Hotline erfuhr der Kunde daraufhin, dass es dann nur noch eine Leitung geben würde, außerdem würden von den momentan genutzten sechs Festnetz-Rufnummern fünf wegfallen. Die Gerätetauschgebühr falle deswegen an, da man als Kunde im Falle einer Störung ein Firmengerät vorhalten müsse, um eine eventuelle Leitungsstörung auszuschließen.

Nach kurzer Bedenkzeit entschloss sich der Kunde dazu, die Kündigung der Homebox-Option wieder zu stornieren und wandte sich an unsere Redaktion. Die Gerätetauschgebühr hätte er sogar noch akzeptiert, nicht allerdings die von der Hotline bestätigten Nachteile an seinem Anschluss.

Vodafone bestätigt: Homebox-Option muss gebucht bleiben

teltarif.de wandte sich in dieser Sache an Vodafone und erhielt eine recht ausführliche Auskunft:

Der Kunde kann seine frei gekaufte FRITZ!Box 6490 verwenden, ohne auf die Komfort-Funktion verzichten zu müssen. Dazu muss er lediglich die so genannte Homebox-Option zu monatlich 5 Euro eingerichtet lassen. Darin enthalten: Zwei Telefonleitungen für gleichzeitiges Telefonieren, bis zu 10 Rufnummern, Homebox FRITZ!Box 6490 ohne Aufpreis dazu. Die Option ist jederzeit mit einer Frist von vier Wochen kündbar. Bei Kündigung der Homebox-Option fallen nicht nur die oben genannten Leistungen weg. Es ist auch ein Gerätetausch notwendig, da Option und Gerät unmittelbar miteinander verknüpft sind. Die Gerätetauschgebühr beträgt einmalig 29,99 Euro. Es ist richtig, dass wir zu jedem Anschluss auch einen Router zur Verfügung stellen. Dieser muss zum Laufzeit-Ende wieder zurückgegeben werden. Ein Kabel-Anschluss ohne Hardware ist nicht möglich. Dabei ist in der Grundausstattung der Kabelrouter immer kostenlos enthalten. Entscheidet sich der Kunde für die oben beschriebene Komfort-Funktion zu 5 Euro, stellen wir ihm mit der Homebox FRITZ!Box 6490 eine Hardware zur Verfügung, die diese Funktionen auch unterstützt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Routerfreiheit bei Vodafone tatsächlich in vollem Umfang umsetzbar ist, wer allerdings den vollen Feature-Umfang seines bisherigen Anschlusses nutzen möchte, hat bei der Nutzung eines eigenen Routers keinen finanziellen Vorteil, da die kostenpflichtige Homebox-Option weiterhin gebucht sein muss.

Man fragt sich, warum Vodafone nicht einfach ein günstigeres Servicepaket mit zwei Leitungen und zehn Rufnummern ohne Kabel-FRITZ!Box bereitstellt, das einen geringeren monatlichen Aufpreis kostet. Außerdem bleibt nach diesem Statement die Frage offen, ob Aussagen wie "ein Kabel-Anschluss ohne Hardware ist nicht möglich" oder "Option und Gerät sind unmittelbar miteinander verknüpft" sich wirklich mit den Intentionen des Gesetzgebers zur Routerfreiheit decken.

Teilen

Mehr zum Thema Internet über TV-Kabel