Quartalszahlen

Vodafone: Einbußen wegen Corona bremsen Wachstum

Das Voda­fone-Geschäfts­jahr läuft anders als das Kalen­der­jahr (von April bis März). Deswegen wurden heute die Zahlen für das dritte Quartal vorge­stellt. Die Lage bleibt nicht einfach.
Von mit Material von dpa

Ein Vodafone-Shop in Leverkusen. Die Corona-Pandemie schlägt sich auf die aktuellen Quartalszahlen nieder Ein Vodafone-Shop in Leverkusen. Die Corona-Pandemie schlägt sich auf die aktuellen Quartalszahlen nieder
Foto: Picture Alliance / dpa
Die Corona-Krise hat die Geschäfts­ent­wick­lung des Tele­kom­muni­kati­ons­kon­zerns Voda­fone gebremst. In dem bis Ende Dezember laufenden dritten Quartal des Voda­fone-Geschäfts­jahres stieg der Service-Umsatz der Deutsch­land­tochter des briti­schen Konzerns zwar um ein Prozent auf 2,9 Milli­arden Euro, wie Voda­fone heute in Düssel­dorf mitteilte.

Aller­dings brachen die Einnahmen durch Roaming-Verbin­dungen ein. In Corona-Zeiten haben weniger heimi­sche Kunden ihr Voda­fone-Handy auf Auslands­reisen benutzt, bezie­hungs­weise es haben sich weniger auslän­dische Reisende hier­zulande in das Netz von Voda­fone einge­bucht.

Betrachtet man den Umsatz von Voda­fone ohne die Bereiche Roaming und Groß­handel, ergab sich ein Plus bei 2,5 Prozent. Inter­essan­ter­weise machte Voda­fone zum Gewinn keine Angaben.

Drei Netz­betreiber in Deutsch­land

Ein Vodafone-Shop in Leverkusen. Die Corona-Pandemie schlägt sich auf die aktuellen Quartalszahlen nieder Ein Vodafone-Shop in Leverkusen. Die Corona-Pandemie schlägt sich auf die aktuellen Quartalszahlen nieder
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In Deutsch­land gibt es aktuell drei aktive Mobil­funk­netz­betreiber mit eigenem Netz und Sende­sta­tionen. Voda­fone (1992 als Mannes­mann D2 Privat gestartet) ist neben der Deut­schen Telekom und Telefónica aktiv, der vierte Netz-Anbieter 1&1-Dril­lisch sendet (bis auf wenige Test­sys­teme) aktuell noch nicht.

Bei ihrem Fest­netz-Internet setzt Voda­fone vor allem auf Anschlüsse über TV-Koax-Kabel aus den zuge­kauften Kabel-TV-Netzen von "Kabel Deutsch­land" und Unity­media (inkl. Kabel-BW), bei denen im Ideal­fall Gigabit-Speed (im Down­load) möglich ist. Voda­fone ist gerade damit beschäf­tigt, seine Netze zu konso­lidieren und zu inte­grieren. Deswegen wurde der geplante Neuausbau von Orten mit Glas­faser bis ins Haus (FTTH) zurück­gestellt.

Voda­fone Deutsch­land zieht Welt­kon­zern mit

Die deut­sche Tochter des Voda­fone-Konzerns gilt als "Zugpferd" für das briti­sche Mutter-Unter­nehmen Voda­fone PLC. In anderen Ländern lief es nämlich deut­lich schlechter: Konzern­weit musste Voda­fone im dritten Quartal ein Umsatz­minus von 4,7 Prozent auf 11,2 Milli­arden Euro hinnehmen.

Rechnet man die Wech­sel­kurs­schwan­kungen sowie Zu- und Verkäufe von Unter­neh­mens­teilen heraus, betrug das Minus aus eigener Kraft 0,3 Prozent.

Eine Einschät­zung (von Henning Gajek)

Die Lage bleibt für Voda­fone weiter schwierig.

Der Umbau und die Verein­heit­lichung des zusam­men­gekauften TV-Koax­kabel-Fest­netzes kostet viel Geld und bindet viel Ressourcen. Immer wieder beklagen Kunden Über­last­erschei­nungen beim TV-Empfang oder bei Inter­net­zugang für Home-Office oder Home-Schoo­ling Einsätze. Der Wegfall von im bishe­rigen TV-Paket enthal­tenen Programmen und Sendern sorgt für Unsi­cher­heit und Frust.

Voda­fone möchte seine Fest­netz­kunden möglichst schnell von den teuer zu mietenden Telekom-Leitungen ("Last Mile") auf die eigene Infra­struktur umschalten, auch wenn die neue Infra­struktur das noch gar nicht verkraften kann.

Die großen Kabel-Verteil­anlagen in Miets­häu­sern sind nicht immer auf dem neuesten Stand. Unklar bleibt, wer die Kosten künftig über­nehmen wird. Durch den geplanten Wegfall des Neben­kos­ten­pri­vilegs könnten viele Mieter aus den Zwangs­ver­trägen aussteigen und sich nach anderen Anbie­tern per Kupfer, Glas­faser oder Satel­liten-Schlüssel umsehen. Die verblei­benden Kunden könnten schnell folgen, wenn die bislang güns­tigen Kosten für den Kabel­anschluss neu kalku­liert und mögli­cher­weise teurer werden.

Im Mobil­funk hat Voda­fone je nach Region gewal­tigen Nach­hol­bedarf. Es gibt noch zu viel Regionen wo Voda­fone "nur" mit GSM (oder nicht einmal damit) versorgt. Zu viele LTE-Regionen sind daten­mäßig nur "schwach­brüstig" ange­bunden, eine stei­gende Nach­frage der Kunden kann nicht überall befrie­digt werden oder sorgt für Über­last.

Dann kommt die gesamte Lage des gesamten welt­weiten Voda­fone-Konzerns, den Voda­fone Deutsch­land mit "versorgen" muss. Das Geld fehlt für den eigenen Netz­ausbau und die Verbes­serung des Kunden­ser­vice.

Es bleibt bei massivem Druck, die "Zahlen zu verbes­sern": Der Handel soll mehr Verträge verkaufen oder Bestands­kunden in lukra­tivere Tarife "migrieren". Wack­lige Kunden­sys­teme, zeit­weise nicht verfüg­bare Netz­funk­tionen oder Hotlines, welche die Probleme der Kunden nicht verstehen oder lösen können, sorgen für weiteren Frust.

Die je nach Kunden­gruppe zuneh­mend schwie­rigere Wirt­schafts­lage im Land könnte dazu führen, dass mancher Kunde seine eigenen Tele­kom­muni­kati­ons­ver­träge dras­tisch auf den Prüf­stand stellt und den einen oder anderen Vertrag komplett kündigt oder die Kosten redu­ziert.

Die Breit­band­mes­sung der Bundes­netz­agentur kann jetzt auch Gigabit, wenn der Anschluss das liefert.

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