Infrastruktur

Vodafone-Strategie: Wachsen statt weichen

Immer mehr Bandbreite und eigene Netze stehen im Fokus
Von Thorsten Neuhetzki

"Ohne Infrastruktur hat man keine Zukunft im deutschen Telekommunikationsmarkt", so Dr. Josef Schäfer, Bereichsleiter bei Vodafone für Strategie und Innovation. Langfristig werde es keinen oder höchstens einen Serviceprovider geben, sagte er auf der Euroforum-Veranstaltung "Telecom Trends" in Düsseldorf. Im Rahmen seines Vortrags gab er einen Ausblick auf den Breitbandmarkt in Deutschland in den kommenden Jahren.

Eine flächendeckende Breitband-Versorgung mit 1 MBit/s bis Ende dieses Jahres hält Schäfer für ein Vorhaben, dessen Ziel nicht erreichbar sei. Auch eine Abdeckung von 75 Prozent mit 50 MBit/s binnen der nächsten fünf Jahr sei vermutlich nicht machbar. Dennoch gibt es aus seiner Sicht einen Trend: Immer mehr Bandbreite. Der 1 GBit/s-Anschluss sei auch in Deutschland nicht mehr weit weg.

"Die Frage ist nicht, welche Bandbreite der Kunde braucht, sondern welche Bandbreite er kauft", verwies Schäfer humoristisch auf einen bildlichen Vergleich der Ehefrau mit den 20 Paar Schuhen im Schuhregal. Doch es gebe durchaus Anwendungsszenarien, in denen es künftig sinnvoll sein könnte, nicht nur 16 MBit/s, 50 MBit/s oder 100 MBit/s zu haben, sondern noch mehr. Namentlich nannte er den HDTV-Nachfolger Super-HDTV, der selbst komprimiert eine Bandbreite von 160 MBit/s benötige.

Open Access bei FTTx-Netzen wichtig

Das Ziel der für Deutschland geplanten LTE-Netze sei aber zunächst einmal nicht, einen einzelnen Kunden mit 150 MBit/s zu versorgen, sondern 150 Kunden mit 1 MBit/s. Hohe Bandbreiten lassen sich leichter über Festnetzleitungen erzielen und abführen. "Mobilfunk und Festnetz werden sich daher nicht kannibalisieren, sondern ergänzen", ist der Vodafone-Strategie-Leiter überzeugt.

Ergo werde auch das Glasfaser-Thema (FTTx) in Deutschland immer wichtiger und es werde immer mehr Netze geben, in denen die Kunden zu Hause direkt per Glasfaser angeschlossen werden. Wichtig sei dabei, dass alle Beschalter der Glasfaser-Leitungen diese als Open-Access-Netze anzubieten, um nicht ihre Netze abzuschotten, sondern einen Wettbewerb zu ermöglichen. Vodafone selbst würde dies in den Orten, die man selbst erschließe, auch tun, ein Zugang für Dritte sei möglich. Sinnvoll sei aber, dass der technische Inhaber der Leitung diese auch "beleuchtet", also die Technik für die Übertragung zum Kunden bereitstellt und der Traffic erst hinter dieser Beschaltung zum Partnernetz übergeben wird. Der technische Aufwand sei so geringer.

Verschiedenste Anbieter werden nach Vodafone-Angaben bis zum Jahr 2013 etwa zwei Millionen Haushalte mit FTTx erreichen können, bis 2018 sollen es sechs bis acht Millionen sein.

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