Vorentscheidung?

Für 10,7 Milliarden Euro: Vodafone will Kabel Deutschland kaufen

Vodafone erhöht Gebot - KDG-Spitze empfiehlt Aktionären Annahme
Von dpa / Marc Kessler
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Der britische Mobilfunker Vodafone hat im Rennen um die Übernahme von Kabel Deutsch­land möglicher­weise den entschei­denden Etappen­sieg erzielt. Die Briten bieten den Kabel-Deutschland-Aktionären 87 Euro je Anteil. Damit werde das Unter­nehmen inklusive der Schulden mit 10,7 Milliarden Euro bewertet, teilten die beiden Unternehmen heute mit.

Kontert Liberty Global?

Vodafone / Kabel DeutschlandÜbernahme von Kabel Deutschland:
Es sieht gut aus für Vodafone
Die Aufsichtsräte der beiden Konzerne haben sich den Bloomberg-Informationen zufolge am Sonntag Abend jeweils einzeln getroffen. Dabei solle die Vereinbarung unterzeichnet worden sein. Das Bundes­kartell­amt muss einer möglichen Übernahme seine Zustimmung erteilten.

Die Führungsspitze des Unter­nehmens empfiehlt den Aktionären, dieses Gebot anzunehmen. Offen ist, wie der US-Kabelnetzbetreiber Liberty Global reagiert. Dieser hatte zuletzt ebenfalls Interesse bekundet - dabei war von einem Preis von 85 Euro je Aktie zu hören.

Die Aktionäre müssen entscheiden - Schmerzgrenze für Vodafone

Das Angebot von Vodafone umfasst 84,50 Euro plus der bereits angekündigten Dividende von 2,50 Euro je Anteil. Das Eigenkapital der Unterföhringer ist dem Gebot entsprechend 7,7 Milliarden Euro wert. Das Angebot liegt damit um 37 Prozent über dem Aktienkurs vor den ersten Spekulationen um eine offizielle Offerte. Bedingung für den Erfolg ist, dass Vodafone 75 Prozent der Aktien des Unternehmens erhält. Die befinden sich im Streubesitz, was eine Übernahme erschwert. Größter Aktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit rund zehn Prozent.

Der britische Mobilfunker würde sich die Übernahme viel kosten lassen und geht dabei auch an die eigenen Schmerzgrenzen. Analysten hatten bereits die zuletzt als Übernahme­preis gehandelten sieben Milliarden Euro als hoch eingestuft. Jetzt könnten es noch mal rund zehn Prozent mehr sein. Zum Kaufpreis für die Aktien kommen noch mal Schulden von zuletzt knapp 2,9 Milliarden Euro, so dass Kabel Deutschland bei der Übernahme insgesamt mit zirka 10,7 Milliarden Euro bewertet würde.

Vodafone will mit Breitband stärker wachsen

Vodafone ist in Deutschland bereits zweitgrößter Mobilfunker, stößt aber beim Ausbau des Geschäfts mit dem Festnetz-Internet an seine Grenzen. Unternehmens­chef Vittorio Colao gab daher das Ziel aus, Kunden europaweit kombinierte Telekommunikations-, Internet- und Fernsehdienste anzubieten - zusammen mit Partnern oder im Alleingang. Vor kurzem schloss Vodafone mit der Deutschen Telekom eine Partnerschaft für schnelle Internetzugänge per VDSL inklusive VDSL-Vectoring.

Gute Geschäftszahlen bei Kabel Deutschland

Kabel Deutschland zog mit der Bekanntgabe des Übernahme­angebots auch seine eigentlich für diesen Donnerstag angekündigten Geschäftszahlen vor. Im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr steigerte der Kabelkonzern den Umsatz um knapp acht Prozent auf 1,83 Milliarden Euro.

Zum zweiten Mal nacheinander konnten die Unterföhringer auch einen Gewinn verbuchen - diesmal mit rund 247 Millionen Euro gut 55 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch beim bereinigten operativen Ergebnis (EBITDA) stand ein Plus von gut acht Prozent auf 862 Millionen Euro zu Buche.

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