Übernahme-Folgen

Kabel-Deutschland-Übernahme: Das müssen Kunden beachten

Kabelkunden könnten vielleicht bald im Vodafone-Netz telefonieren
Von mit Material von dpa
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Die Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone rückt immer näher. Kunden des Fernseh- und Internetanbieters müssen deswegen aber zunächst keine Veränderungen befürchten. "Für bestehende Verträge kann und darf sich nichts ändern", erklärt Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Erst nach Ablauf der Vertragslaufzeit könne der Provider die Konditionen von Kabel- oder DSL-Anschlüssen neu festlegen.

Kabel-Deutschland-Übernahme: Das müssen Kunden beachtenKabel-Deutschland-Übernahme: Das müssen Kunden beachten Ein Blick ins Kleingedruckte der Verträge lohnt sich aber trotzdem, sagt die Verbraucherschützerin: "In vielen Fällen gibt es darin einen sogenannten Änderungsvorbehalt." Das bedeutet: Der Anbieter kann die Verträge auch während der Laufzeit ändern, also zum Beispiel die Preise erhöhen oder die Geschwindigkeit der Internetverbindung senken. "Das muss aber gut begründet werden", schränkt Steinhöfel ein.

Betroffenen Kunden steht ein gesetzliches Widerrufsrecht zu

Außerdem haben Verbraucher bei solchen Umstellungen ein Widerspruchsrecht. Machen sie davon Gebrauch, muss der Provider die Änderungen entweder zurücknehmen oder dem Kunden ein Sonderkündigungsrecht einräumen, mit dem dieser den Vertrag innerhalb von vier Wochen beenden kann.

Zurzeit ist allerdings ohnehin noch völlig unklar, was die Vodafone-Übernahme für Kabel Deutschland genau bedeutet. Große Änderungen erwartet Barbara Steinhöfel noch am ehesten im Bereich Mobilfunk: Auch hier bietet Kabel Deutschland Tarife an, zurzeit aber noch im Netz von Vodafone-Konkurrent o2. "Da kann es gut sein, dass sich etwas tut", vermutet die Verbraucherschützerin. Für Handyverträge gelten allerdings die gleichen Spielregeln wie für Fernseh- und Internetanschlüsse, wenn es um Änderungen der laufenden Verträge geht.

Technische Verschlechterungen unwahrscheinlich, Service evtl. ein Knackpunkt

Dass die Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone zu einer technischen Verschlechterung beim Anschluss und bei der Hardware oder zu höheren Preisen führen wird, ist eher unwahrscheinlich. Das fusionierte Unternehmen kann sich diesbezüglich auch angesichts der großen Konkurrenz keine schlechte Publicity leisten.

Die Frage ist eher, was mit dem Service-Bereich passiert und ob alle momentanen Kabel-Deutschland-Servicemitarbeiter dem fusionierten Unternehmen erhalten bleiben. Sollte es hier zu größeren Änderungen kommen, könnte das für die Kunden gegebenenfalls unbequem werden, wenn sich neue Mitarbeiter oder bisherige Mobilfunk-Servicekräfte in die Kabel-Technik und in das Tarifportfolio von Kabel Deutschland einarbeiten müssen. Grundsätzlich ist es für Kunden ratsam, alle wichtigen Vertragsfragen schriftlich mit dem Provider zu klären.

Reaktion: Telekom fordert strenge Regulierung

Angesichts der neuen Herausforderung mahnt der Ex-Staatskonzern Deutsche Telekom Chancengleichheit an: "Die Kabelnetzbetreiber müssen niemanden auf ihre Netze lassen, wohingegen die Telekom voll reguliert wird", erklärte ein Sprecher der Deutschen Telekom in Bonn. Es müssten für alle gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen.

"Das war sicher die größte Hürde, die wir zu nehmen hatten", sagte ein Sprecher von Vodafone Deutschland heute in Düsseldorf zum Feilschen um die Aktienmehrheit. Allerdings stehe noch die kartellrechtliche Freigabe aus. Zuständig ist die Europäische Kommission in Brüssel. Bis kommenden Freitag (20.09.) muss sie entscheiden, ob sie die Kabelübernahme freigibt - gegebenenfalls auch unter Auflagen - oder ob sie in eine vertiefte Prüfung vornimmt. Das Bundeskartellamt hatte in der Vergangenheit signalisiert, dass es keine massiven Bedenken in dem Fall hat.

Freuen dürften sich in jedem Fall die Anleger

Über den Deal freuen werden sich wohl die Anleger - die Aktie des Kabelnetzbetreibers reagiert mit einem kräftigen Kurssprung. Nachdem nun klar ist, dass die Übernahme durch den britischen Mobilfunkkonzern über die Bühne geht, zogen die Titel im MDax um 5,92 Prozent auf 91,50 Euro an. Zuvor hatten sie bei 91,64 Euro ein Rekordhoch seit dem Börsengang im März 2010 erreicht. Vodafone-Papiere bewegten sich dagegen in London kaum: Sie legten im FTSE 100 um moderate 0,4 Prozent auf 210,92 Pence zu.

Analyst Stefan Borscheid von der LBBW kommentierte: "In den vergangenen Tagen hatte es zwar einige Spekulationen gegeben, Vodafone könnte den 75-Prozent-Wert verfehlen, letztendlich ist das Erreichen der erforderlichen Annahmequote aber keine wirkliche Überraschung." Wesentliche Bedenken der Aufsichtsbehörden erwartet er nicht. Der deutsche Telekommunikationsmarkt könnte dagegen durch die Übernahme in Bewegung kommen.

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