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Vodafone prüft Auslagerung der IT nach Indien

Schon ab Oktober 2010 Verlagerungen möglich
Von / Ralf Trautmann
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Vor drei Jahren hatte Vodafone-CEO Friedrich Joussen in einem Focus-Interview betont, dass er sein Netz nicht auslagern werde - schließlich sei dies ja die Vodafone-"Kernkompetenz". Doch der riesige Kosten- und Erfolgsdruck brachte diese Ankündigung ins Wanken. Kürzlich wurde bekannt, dass Vodafone nun eben doch seinen Netzbetrieb auslagern will. Symbolbild Vodafone

Als weiterer Schritt im verzweifelten Versuch, die Produktions- und Betriebskosten zu senken, wird die Verlagerung der IT-Abteilungen "Monitoring" sowie "Backup & Scheduling" aus Ratingen (bei Düsseldorf) zur indischen Vodafone-Tochter VISPL (Vodafone India Services Private Limited) "geprüft". Dies melden die Industriegewerkschaft Metall und die Eisenbahngewerkschaft Transnet [Link entfernt] auf ihren Homepages. Transnet ist seit einiger Zeit auch für Vodafone "zuständig", da ehemalige Teile der Bundesbahn-Kommunikationstechniker DBCom über Arcor an Vodafone übergingen.

Geht die komplette Vodafone-IT nach Indien?

Derzeit seien etwa 80 Mitarbeiter betroffen (darunter 56 in Ratingen), die IG Metall sammelt bereits Unterschriften. Offiziell solle die Entscheidung in der zweiten Julihälfte fallen. Kurzfristig wurden nach Gewerkschaftsangaben die betroffenen Beschäftigten durch das Management informiert. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass das Data Center in Ratingen-Lintorf mehrfach für Qualitätsmanagement, IT-Service-Management und Information-Security-Management ausgezeichnet wurde, im März habe es das TÜV-Zertifikat für ein besonders energieeffizientes Rechenzentrum erhalten.

Sollten die Prüfungen zu dem Ergebnis kommen, dass eine Verlagerung der Aufgaben nach Indien technisch und ökonomisch sinnvoll ist, würde schon ab Oktober 2010 der Bereich Monitoring geschlossen, der Bereich Backup & Scheduling würde im Januar 2011 folgen. Ob den betroffenen Mitarbeitern am Standort Ratingen seitens Vodafone neue Arbeitsplätze geboten werden, ist nicht bekannt. Die Gewerkschaften betonen, dass die Motivation der betroffenen Mitarbeiter "im Keller" sei. Langfristig werde befürchtet, dass die komplette Vodafone-IT nach Indien abgezogen werden könnte.

Bereits Kunden-Probleme auf Grund der Spar-Politik?

Vodafone-Kunden berichten, dass die Kundenschnittstelle, bei der Verträge online administriert werden können, und das Vodafone-eigene E-Mail-System in letzter Zeit öfters ausgefallen oder gestört gewesen sei. Dies könnten erste Folgen der Sparpolitik sein.

Auf den ersten Blick stehen Einsparungen bei Löhnen und Gehältern im Vordergrund, allerdings ist in der IT-Industrie auch ein umgekehrter Trend feststellbar. Bei "Outsourcing"-Projekten müssen die ausgelagerten Aufgaben aufwendig koordiniert und kontrolliert werden, einfache Vorgänge werden damit kompliziert, was den Ablauf stört. Die führt am Ende zu Frust bei Mitarbeitern sowie Kunden und kann mittelfristig qualitätsorientierte Kunden zum Abwandern bewegen. So ist bei manchem Unternehmen auch der Trend zum erneuten "Insourcing" feststellbar, so dass alle unternehmenswichtigen Abläufe im eigenen Haus ausgeführt werden.

Alle Mitarbeiter gehören zum gleichen Unternehmen und können etwaige Auswirkungen ihrer Arbeit sofort "spüren", was die Motivation erhöhen soll und den Verlust bei Abstimmungsprozessen und Rückfragen deutlich reduziert. Und zudem gilt logischerweise: Zufriedene Kunden sind auch eher bereit höhere Preise und Tarife zu bezahlen, als unzufriedene.

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