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Editorial: Daten nach Indien!

Was wird aus dem Fernmeldegeheimnis?
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Backup ist keine sonderlich dankbare Aufgabe für Systemadministratoren. Sie besteht vor allem aus Routine: Regelmäßig die Systeme nach nicht oder nicht ausreichend gesicherten Datenbeständen durchforsten. Und bei Bedarf neue Bandroboter oder Disk-Arrays in das Netz hängen. Immerhin übernehmen diese Geräte in der Regel das Wechseln der Medien.

Und so fällt die Arbeit des Backup-Verantwortlichen vor allem dann auf, wenn sie nicht korrekt gemacht wurde: Wenn nach einem Festplatten-Crash nicht alle relevanten Daten wiederhergestellt werden können. Oder wenn Daten an unberechtigte Personen weitergegeben wurden.

Ähnlich auch der Bereich IT-Monitoring: Auch in diesem kommen die Mitarbeiter selten in den Genuss, neue Dienste zu entwickeln, tragen aber dennoch hohe Verantwortung. Schließlich sollen durch die Überwachung der bestehenden Dienste Schwachstellen und Fehler erkannt werden: Welche Mobilfunkzellen sind häufiger überlastet? Oder welcher Sektor wickelt ungewöhnlich wenige Gespräche ab - ein möglicher Hinweis auf einen defekten Verstärker oder einen Fehler bei Anschluss oder Ausrichtung der Antenne.

Die genannten Eigenschaften - hohe Verantwortung bei gleichzeitig geringen Gestaltungsspielräumen - mögen dafür verantwortlich sein, dass Vodafone für Mitarbeiter in diesen Bereichen überdurchschnittlich viel bezahlen muss. Und nun über die Auslagerung der IT-Abteilungen Backup & Scheduling und Monitoring an eine Vodafone-Tochter nach Indien nachdenkt.

Wohin mit den Daten?

Kritisch daran ist, dass gerade solche Abteilungen ausgelagert werden, die intensiven Zugriff auf die beim Netzbetrieb anfallenden Daten haben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Vodafone Deutschland in Indien nicht so genau über die Einhaltung der Datenschutzstandards wachen kann wie in Ratingen. Ebenso ist wahrscheinlich, dass die zuständigen Inder die deutschen Datenschutzgesetze nicht so genau kennen. Die Befürchtung: Daten könnten auf Abwege geraten.

Andererseits: Ein deutscher Netztechniker ist wahrscheinlich viel stärker der Verlockung ausgesetzt, ein Bewegungsprofil seines verhassten Nachbarn zu erstellen als ein indischer, der die deutschen Vodafone-Kunden nun mal nicht kennt. Und auch gezielte Datenangriffe durch die Installation eines unloyalen Mitarbeiters als Maulwurf müssen nun einen interkontinentalen Umweg gehen.

Bei der Abwägung der Risiken sollte Vodafone aber nicht vergessen, die öffentliche Wirkung einzubeziehen: Kommt es in den nächsten Jahren zu einem Datenskandal wie bei T-Mobile, könnte die öffentliche Häme nach einer Verlagerung der genannten IT-Abteilungen nach Indien besonders heftig ausfallen. Selbst dann, wenn Indien gar nicht schuld ist.

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